Wenn es nach dem Willen der beiden großen öffentlich-rechtlichen „Anstalten“ ARD und ZDF ginge, wäre das Thema Ultra-HD-Programm-Angebot längst abgefrühstückt, in sichere Kisten verpackt und irgendwie klammheimlich aus der Welt geschafft worden. Man kann diplomatisch von einem konservativen Verhalten sprechen, das Kind aber auch bei seinen Vornamen nennen: Geiz, Feigheit und Profitgier. Keinesfalls Tugenden einer Wirtschaftsmacht.

Dass die GEZ-Gebühren vorläufig nicht angehoben werden, muss als positive Meldung taugen. Was aber konkret mit dem riesigen Haufen Geld – 8,1 Milliarden Euro im letzten Jahr – angestellt wird, wo man investieren will, muss oder soll, weigert man sich, zu verraten. Parallelen zu Krankenkassen tun sich auf:gehortete Milliarden-Überschüsse, trotzdem Kürzungen, schlimmstenfalls höhere Abgaben für die Geldgeber, nämlich die Versicherten einerseits, solider Gehälter-Anstieg für viel zu viele Manager und Sesselpupser in einem aufgeblähten Behörden-System andererseits. Man wird müde, mag sich nicht mehr aufregen. Ziel erreicht?

Mit dem Zweiten sieht man selbst in der ersten Reihe nicht besser

Weder kurz- noch mittelfristig wird man mit dem Zweiten besser sehen oder bei der ARD in der ersten Reihe sitzen. Vielleicht rutschen die hohen Herren dafür zur Strafe bald nervös auf ihren Stühlen in den Aufsichtsräten herum, denn das Volk ist gewieft, sucht und findet Alternativen! Über Satellit kriegt man inzwischen zahlreiche Testkanäle nebst etlichen regulären Angeboten astrein in 4K auf den Flatscreen. Eine neue Generation von ungeahnt vielseitigen Ultra-HD-Sat-Receivern geht an den Start. Ausgerechnet Spartensender wie Arte zeigten hingegen keine Berührungsängste mit teurer Technik und experimentieren mit Ultra-HD.

O.K. So richtig der Bringer waren zwei Tage mit viel Ballett, klassischer Musik, ein bisschen Brit-Pop, Folk aus Irland und dem französischen DJ Rone nicht. Dennoch herrschte rege Anteilnahme und man registrierte zufriedene Gesichter bei den Verantwortlichen der Ultra HD-Testkanäle von Astra und Eutelsat. Fazit: Geht doch!

Die Profis von Sky, die im Gegensatz zu staatlichen Fernsehschaffenden nicht im Schlaf ihr Geld verdienen, sondern nach Leistung bezahlt werden, wissen natürlich ganz genau, wo 4K-mäßig der Hammer hängt. Mit den Sendern Sky Bundesliga Ultra HD und Sky Sport Ultra HD läuteten sie einen goldenen Oktober ein. Die Partie Borussia Dortmund gegen Hertha BSC war die erste Liveübertragung eines Fußballspiels in 4K.

Das überstrapazierte menschliche Auge

Wenn ich an die ganzen Unkenrufe bei der Markteinführung der Ultra-HD-TVs zurück denke, muss ich heftig schmunzeln. Warum sich manche Menschen gar so aufregen, wenn etwas Besseres auf etwas Gutes folgt – also 4K auf Full-HD – kapiere ich nicht. Sie MUSSTEN doch nichts kaufen. Niemand, der beim Alten blieb, erlebte Einschränkungen oder wurde dazu verdammt, ab sofort auf irgend etwas zu verzichten. Dieses ewige Genöle, dass sowieso überhaupt kein Unterschied feststellbar sei! Dass das menschliche Auge überfordert werde – du liebe Zeit!

„Zu schön für unsere Ohren und gewaltig viel Noten, lieber Mozart“, kommentierte dereinst Österreichs Kaiser Joseph II die Premiere der Oper „Entführung aus dem Serail“ und lieferte damit eine Steilvorlage für den in seinen Diensten stehenden Hof-Kompositeur Antonio Salieri, der dem forschen Salzburger Wunderkind, das ihm die Butter vom Brot zu stehlen drohte, mit irgendwelchen angeblichen Untersuchungen kam, denen zufolge das menschliche Ohr nur eine gewisse Anzahl von Tönen pro Tag wahrnehmen könne. Bullshit! (Sorry!).

Schlecht hören können wir besser

Einen markanten Unterschied gibt es allerdings. Unser Hörvermögen umfasst im idealen Fall den Frequenzbereich von 20 bis 20000 Hertz. Gute Verstärker und Lautsprecher haben bei der Reproduktion dieses Spektrums keinerlei Schwierigkeiten. Geht es tonal tief in den Keller, flattern die Hosenbeine (Infraschall). Pfeift oder quietscht es über 20000 Hertz (Ultraschall), hören wir gar nichts mehr, laufen aber unserem Hund nach, der die Flucht ergriff, weil ihn das tierisch nervt.

Insofern können wir angstfrei in die Zukunft blicken und sind eines Tages möglicherweise bass erstaunt, wie viel besser doch 8K ist? Es wird ja längst wieder geputscht, so kurz nach der 4K-Revolution! HDR treibt die Rädelsführer unter den Herstellern auf die Barrikaden – sie fordern, was Displays der Zukunft anbelangt, enorm höhere Leuchtdichte, grenzenlosen Farbraum, gleißendes Sonnenlicht und dunkelstes Dunkelschwarz.

Schlechtes Timing würde ich sagen, wenn mich jemand nach meiner unmaßgeblichen Meinung fragen würde. Kaum hatte Ultra-HD Fuß gefasst, tauchte HDR aus dem Nichts auf. Fortan gab es logischerweise zwei Kategorien von Wiedergabe-Geräten: die Besten und die Allerbesten. Standards von in 4K-Technik gemasterten Blu-rays wurden anfangs praktisch ignoriert, Scheiben, Player und TVs ließen Symptome der Inkompatibilität erkennen. Die Unken bliesen sich erneut auf wie Ochsenfrösche, warfen indes bald die Handtücher, da infolge einer Invasion neuer Formate wie Dolby Vision oder HDR10 babylonisches Sprachengewirr zu nichts als Missverständnissen führte.

Gar nichts tun als beste Lösung präsentiert

Wasser auf den Mühlen eingangs genannter konservativer Intendanten, die nun natürlich in seltener Selbstsicherheit behaupten konnten, dass sie vollkommen richtig, nämlich gar nicht handeln. Dass es noch viel zu früh für die Einführung neuer Studio- und Übertragungstechnik ist, solange noch nicht einmal branchenintern Konsens herrscht. Ein scharfes Argument, aber auch ein zweischneidiges Schwert. Sky, Netflix, Amazon-Prime & Co. sichern sich mit gewaltigen Schritten neue Pfründe und ernten tagtäglich viele neue Abonnenten. Neue Satelliten in der Umlaufbahn werden weitere Lücken schließen.

Was tun, wenn in naher Zukunft niemand mehr nach den Bemühungen öffentlich-rechtlicher Langweiler und Bedenkenträger fragt, weil sich der Verbraucher in einer völlig neuen Fernsehwelt pudelwohl fühlt, in der Internet und TV auf grandiose Art und Weise verschmelzen? Wir können doch nicht alle arbeitslosen Manager, Aufsichtsräte und Intendanten ins Endlager für politische Totalversager nach Brüssel schicken! Da wimmelt es doch sowieso schon vor greisen Damen und Herren, die gezwungen sind, ihre karg bemessenen Diäten aufzubessern!