Dass Spiegelreflex- oder Systemkameras anderer Bauart in 4K-Auflösung filmen können, ist heutzutage eher schon Standard als Ausnahme. Für viele Leuten scheint es sehr verlockend zu sein, ganz nach Gusto einfach umzuschalten und zu videografieren statt zu fotografieren.

Die angesetzten Festbrennweiten und Zooms kann man problemlos verwenden – oder? Ich bin mir sicher, dass die meisten Hobby-Knipser und -Filmer und auch viele ambitionierte, erfahrene Amateure mit den Ergebnissen zufrieden sind und dennoch ein wenig „unruhig“ werden, wenn sie erfahren, dass es jetzt einen Trend hin zu so genannten „Cinema-Objektiven“ gibt.

Sämtliche Optiken sind sehr „anschlussfreudig“. Foto: Tokina

Was können Vista Cinema Prime Objektive?

Was sollen die bringen? So lautet eine oft gestellte Frage. Besser als ich das könnte, beschreibt René Schubert im Blog HapaTeam News die Vorzüge neuer, ultramoderner Tokina Vista Cinema Prime Objektive. Sie ergänzen die bestehende Range an Cinema-Zoomobjektiven um drei lichtstarke Festbrennweiten mit 35mm, 50mm und 85mm.

Wie René Schubert schreibt, wurden sie für die Anschüsse PL, Canon EF, MFT und Sony E konzipiert und stellen eine hochwertige Allround-Lösung für professionelle Filmer dar. Die beeindruckende optische Leistung der Objektive ermöglicht 4K und 8K Aufnahmen mit besten Low-Light-Eigenschaften.

„Butterweich und hoch präzise“

„Dank feinster manueller Steuerung von Fokus und Schärfentiefe lassen sich die Objektive butterweich und hochpräzise bedienen. Der übergroße 46,7mm Bildkreis ist Vollformat-kompatibel und sorgt dafür, dass der Sensor nahezu vollständig beleuchtet werden kann, ohne nennenswerte Abschattungen am Rand.

Das von Filmern bei innenfokussierenden Objektiven gefürchtete Focus-Breathing ist nahezu nicht vorhanden und unterstreicht eindrucksvoll den Qualitätsanspruch der Tokina Vista Cinema Prime Objektive“.
Moment mal: was ist Focus-Breathing?

Es geht um „Atmen“ oder „Pumpen“

Hier eine Erläuterung: Bei den meisten Objektiven kommt es zu kleinen Veränderungen des Bildausschnitts, wenn man am Schärfering dreht und die Schärfe innerhalb des Bildes verlagert — etwa von einem nah an der Frontlinse gelegenen Objekt zu einem weiter entfernten Objekt.

Diese Veränderung des Bildausschnitts wird »Focus Breathing« oder »Atmen« genannt, auch »Pumpen« oder »Pumping« sind gebräuchlich. Eigentlich soll beim Scharfstellen aber nur die Schärfeebene verlagert werden, der Bildausschnitt soll sich nicht verändern.

Mechanisch und optisch neu konstruiert

Weiter mit René Schubert: „Die Tokina Vista Cinema Prime Objektive, die eine vollständige Neuentwicklung darstellen, wurden sowohl mechanisch als auch optisch neu konstruiert und sind allen Anforderungen professioneller Anwender gewachsen.

Sie unterstützen Vollformat 35mm sowie Red Weapon 8K VV, Panavision Millenium DXL und VistaVision. Dieser Bildkreis, der mehr als die Vollformat-Sensoren abdeckt, ist so konzipiert, dass nahezu die gesamte Sensorfläche gleichmäßig belichtet werden kann.

Das 85er Tokina-Objektiv an einer RED 8K-Kamera.

Brillante 8K-Aufnahmen, beste Kontraste

So entstehen brillante 8K-Aufnahmen mit besten Kontrasten und durchgängiger Schärfe. Aufgrund der hohen Lichtstärke mit Irisblende T1.5 überzeugen die drei Optiken mit Low-Light-Spitzenleistungen sowie in Situationen, bei denen eine geringe Schärfentiefe gefragt ist.

Die einheitliche Lichtstärke von T1.5 hat aber nicht nur gestalterische Gründe. Denn damit entfällt auch die Notwendigkeit, die Set-Ausleuchtung für unterschiedliche Aufnahmen mit variierenden Festbrennweiten anzupassen.

Der Unterschied zwischen „f“ und „T“

Noch eine Frage: Meinen Lichtstärke-Bezeichnungen wie T oder f das selbe? Bei der Klassifizierung der Lichtstärke von Objektiven unterscheiden sich Film-Objektive und Foto-Objektive durch die Angabe von f-Stops im Fotobereich und T-Stops im Filmbereich. Was hat es mit den Kürzeln „f“ und vor allem „T“ also auf sich und weshalb wird hier schon wieder unterschieden?

Antwort: f-Stops (Focal Ratio) geben die so genannte Blendenzahl an, die aus einem rein berechneten, mathematischen Wert (dimensionslose Zahl) besteht, während T-Stops (Transmission) die tatsächlich gemessene Menge an Licht repräsentieren, die durch die Optik hindurchkommt (natürlich auch eine dimensionslose Zahl). Bei den Transmision-Stops handelt es sich um eine f-Stop oder Blendenzahl, die um den Betrag korrigiert wurde, der als Lichtverlust auf dem Weg durch das optische System auf der Strecke bleibt.

Einheitlicher Formfaktor

Für maximale Interoperabilität und Flexibilität bei unterschiedlichen Kamera-Setups besitzen diese Tokina Objektive einen einheitlichen Formfaktor. Der Gehäusedurchmesser ist mit 114mm bei allen Modellen gleich groß und die Abstände der Blenden-und Fokuszahnkränze liegen bei allen drei Objektiven auf gleicher Höhe.

Zudem sitzen innerhalb der Objektive sowohl die neun gekrümmten Irisblendenlamellen als auch der Fokus baulich in der gleichen Position. Das macht es für den Benutzer einfacher, die Objektive ohne Neujustierung zu wechseln. Besonders das Austauschen der Objektive auf einem Rig mit eingerichtetem Follow-Focus oder die Benutzung einer Matte Box gehen bei dieser einheitlichen Bauform schneller von der Hand.

Präzision beim Fokusziehen

Der Fokusring der Objektive lässt sich von nah bis unendlich über einen extralangen 300 Grad-Fokussierweg weich und präzise drehen. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn mit einem Remote-Fokus-System oder einem Fokus-Puller gearbeitet wird. Dies ermöglicht dem Benutzer ein Höchstmaß an Präzision – besonders beim Fokusziehen während der Aufnahme. Für Interessenten, die sich noch weiter über die Optiken informieren wollen, haben wir ein Video verlinkt.

Das Gewicht der robusten und hochwertig verarbeiteten Objektive im Cinema-Metallgehäuse bewegt sich dabei, je nach Modell und Mount, zwischen 1,9 und 2,3 Kilogramm. Die Gehäuse bieten in unterschiedlichsten Aufnahmesituationen eine hohe Zuverlässigkeit, Stabilität und lange Haltbarkeit. Die Tokina Vista Cinema Prime Objektive sind für jeweils 5950 Euro bereits in Kürze im Handel erhältlich. Im Laufe des Jahres ergänzen zwei weitere Brennweiten mit 18mm und 25mm (ebenfalls beide mit Blende T1.5) die Range an Tokina Vista Cinema Prime Objektiven.