„Kommt LG mit Ultra-Blu-ray-Player?“ „Präsentiert Sony OLED-TVs?“ „Entwickelt Samsung neuartige QLED-Displays?“ Meldungen dieser Art sind dieser Tage auf allen einschlägigen Internet-Seiten zu finden. Bei uns, bei Ultra HDTV.net, selbstverständlich auch.

Man lässt sich kurz vor der CES in Las Vegas (5. bis 8. Januar 2017) anstecken, schaukelt sich gewissermaßen gegenseitig hoch, will auf keinen Fall das Medium sein, das irgend ein noch so exotisches Gerücht nicht wenigstens aufgegriffen hat, um auf keinen Fall Informationslücken einräumen zu müssen.

Mutmaßungen, Superlative, Spekulationen

Die Gretchenfrage lautet: Was bringt das und wohin soll das führen? Für welchen Leser stellt es einen Vorteil dar, wenn er zur Kenntnis nimmt, das „vielleicht, eventuell, möglicherweise“ irgend ein Hersteller Gerätschaften präsentiert, an denen er – der Leser – Interesse hat? Wenn ich jetzt schreibe, dass BMW übernächstes Jahr einen Wagen auf den Markt bringt, der der Konkurrenz das Fürchten lehren wird – was, geschätzter Leser, haben Sie dann davon?

Sie sind so schlau wie vorher. Ihnen fehlen Fakten, Details und exakte Angaben. Sie sollen sich auf Mutmaßungen, reißerische Schlagzeilen, aus der Luft gegriffene Superlative und Spekulationen verlassen? Sie sind doch nicht blöd! Also würden Sie die Seite wechseln bzw. die Zeitschrift oder Zeitung verärgert in den Papierkorb werfen und auf „die Presse“ zornig sein. Zurecht. Denn mit Journalismus hat das Ganze nichts mehr zu tun.

Uraltes Gesetz, das jeder Redakteur ernst zu nehmender Publikationen strikt zu berücksichtigen hat: Wir schaffen keine Tatsachen, wir berichten über sie. Freilich gibt es journalistische Stilformen wie den Kommentar oder auch die Glosse, die mit ungesicherten Erkenntnissen, konstruierten Situationen oder Halbwahrheiten „arbeiten“ – eigentlich mehr „jonglieren“ – um in überspitzter Form mögliche Szenarien oder Auswirkungen, Ursachen und Wirkungen beschreiben zu können.

Bomben platzen erst in der Wüste Nevadas

Die Gefahr, dass schnell Langeweile aufkommt besteht immer dann, wenn aus Sensationsgier im Nebel gestochert, prognostiziert und fantasiert wird. Jetzt zu versuchen, selbst beste Verbindungen zu Presse-Stellen großer Hersteller zu missbrauchen, um dem einen oder anderen Presse-Sprecher exclusive Storys aus der Nase zu ziehen, ist Blödsinn. Alle Firmen, die Abordnungen in die Wüste Nevadas schicken, wollen dort „Bomben platzen lassen“. Das Interesse der Medien vor Ort geballt auf sich lenken.

Wie dumm wäre es also, wenn ihre „Öffentlichkeitsarbeiter“ bereits jetzt die Karten auf den Tisch legten? Wahrscheinlich müssten sie sich bald einen neuen Job suchen, denn Nachrichten aus zweiter Hand interessieren bekanntlich nur sehr wenige Insider. Gewöhnen wir uns also lieber daran, dass jetzt vorweihnachtliche Ruhe einkehrt und die News weniger werden. Genießen wir die „staade“ Zeit, um gleich zu Beginn des Jahres 2017 wieder aus dem Vollen zu schöpfen.

Sobald die Feiertage vorbei und die Inventuren gemacht sind, warten (im optimalen Fall) gähnend leere Lager auf neue Güter der Unterhaltungs-Elektronik, die uns Konsumenten möglicherweise auf ein höheres „4K-Level“ hieven. Lassen wir uns überraschen.