Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mitteilt, stellt der chinesische Smartphone-Anbieter und Netzwerk-Ausrüster Huawei in Peking zurzeit sein eigenes Betriebssystem mit dem Namen Harmony OS vor, das auch in Computern, Tablets, Smartwatches, Autos und anderer vernetzter Technik laufen soll.

Dem Konzern aus der Volksrepublik droht der Verlust des Zugangs zu Android, weil er von US-Präsident Trump unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt wurde. Die Android-Sperre wurde zunächst bis Ende August ausgesetzt – wie es danach weitergeht, ist offen.

„Eine vollwertige Alternative“

Huawei machte deutlich, dass Harmony OS eine vollwertige Alternative zu Android werden soll. „Wir wollen ein globales Betriebssystem etablieren, das nicht nur von Huawei genutzt wird”, sagte Huawei-Manager Richard Yu.

Die Software wird deshalb genauso wie das Google-System quelloffen für alle zugänglich sein. Vorerst sei die Priorität von Huawei aber, Android zu nutzen, um das Ökosystem aus Apps und anderen Diensten nicht aufzuspalten, versicherte Yu auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz des Konzerns.

„Können sofort umsteigen“

„Aber wenn wir in der Zukunft keinen Zugang mehr dazu haben sollten, können wir sofort auf Harmony OS umsteigen”. Huawei könne das in wenigen Tagen bewältigen. „Von Android auf Huawei OS umzusteigen, ist nicht so schwierig. Eigentlich ist es sogar sehr einfach”, konnte sich Richard Yu nicht verkneifen.

China ist der größte Smartphone-Markt der Welt – und das US-Vorgehen gegen Huawei hatte dort vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern auch eine Patriotismus-Welle beim Technik-Kauf ausgelöst.

Ziehen andere Anbieter mit?

So wäre es denkbar, dass auch andere chinesische Smartphone-Anbieter auf ein einheimisches Betriebssystem umsteigen. Ein neues Betriebssystem zu etablieren, ist eine extreme Herausforderung. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, genügend App-Entwickler für die neue Plattform zu gewinnen.

Harmony OS ist auch insofern ein Neuanfang, dass es im Gegensatz zu den meisten heutigen Plattformen nicht auf Betriebssystemen wie Unix oder Linux basiere, betonte Huawei. Der Konzern entwickelte es mit der Vision, dass die Software auf dem Gerät selbst relativ schmal sein kann, während ein großer Teil der Arbeit über schnelle Netze an Rechenzentren abgegeben wird.

System für alle Szenarien

Harmony OS repräsentiere damit wahrhaft die nächste Generation von Betriebssystemen „für alle Szenarien”. Laut Yu begann die Entwicklung von Systems bereits vor zwei Jahren. Medienberichten zufolge war die Technologie zunächst für vernetzte Technik im sogenannten Internet der Dinge gedacht. In China wird Harmony unter dem Namen Hongmeng OS erscheinen.