„Typisch BILD“ war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich folgende Überschrift las: „Schnüffelnde Samsung-Fernseher: So finden Sie heraus, ob Sie betroffen sind“. Und tatsächlich stellte sich beim Lesen des Artikels auf computerbild.de heraus, dass da wieder einmal „nach Art des Hauses“ Ressentiments ganz breit gestreut wurden.

Huscht man nur schnell über die Headline, wie es bekanntlich sehr viele Menschen tun, verfestigt sich hurtig die Meinung, dass der koreanische Hersteller Samsung in böser Absicht Fernseher baut, die ihre Besitzer „ausspionieren“ sollen.

Die bösen Jungs kamen vom Amt

Erst im Text erfährt man, dass es nach Angaben der Enthüllungs-Plattform Wikileaks Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA und deren „Kollegen“ vom britischen MI5 waren, die eine Schadsoftware programmierten, welche AUCH in Samsung Smart-TVs verbaut werden konnte.

Sonst wäre folgender zitierter Absatz ja wohl unnötig und deshalb vermeidbar gewesen: „Besitzer der betroffenen Samsung-Modelle, aber auch all jene, die Smart-TVs anderer Marken ihr Eigen nennen, sollten regelmäßig nach Firmware-Updates schauen und sie installieren“.

Steilvorlage gnadenlos ausgenutzt

Eine meiner Meinung nach neutrale und die Tatsachen nicht verzerrende Überschrift hätte ungefähr so lauten müssen: „Geheimdienste entwickeln Schadsoftware für Smart-TVs“. Oder „CIA macht Smart-TVs zu Abhörgeräten“.

Da sich die Wikileaks Unterlagen allerdings nur auf Samsung-Fernseher aus den Modelljahren 2012 und 2013 bezogen, nutzte man bei Bild in schlechtester Boulevard-Manier eine Steilvorlage gnadenlos aus. Herzlichen Glückwunsch, Kollegen!

Infizierung per USB

Auch dafür, dass ihr erst ziemlich weit unten im Text mitteilt, dass der Hack mit dem Codenamen „Weaping Angel“ nur per USB auf die Geräte gelangen konnte. In einem Lager oder beim Händler. Auf keinen Fall jedoch im Werk „bei Samsung“. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Alle kriminelle Energie ging demnach nämlich von den Mitarbeitern der Behörden aus. Sie waren es, die Geräte im weitesten Sinne „abfingen“, um sie für ihre Zwecke zu präparieren.

Ein weiteres schlechtes Beispiel

Ich verfalle jetzt auch mal in den BILD-Stil: Stellen Sie sich vor, ein Lieferwagen wird von Terroristen zur rollenden Bombe gemacht und gehen Sie weiter davon aus, dass die Polizei einen Sprengstoffanschlag verhindern kann, indem sie das Komplott aufdeckt und den Wagen sicherstellt.

Möchten Sie dann lesen „Mercedes baut Transporter für den IS“? Eine maßlose Übertreibung, nicht wahr? Und wahrscheinlich nicht einmal mehr gut genug für eine BILD-Headline, denn erstens stellt es ein ganz anderes Kaliber dar, sich mit der heimischen Auto-Industrie anzulegen und zweitens will man ja nicht als Nestbeschmutzer da stehen!