„Viele Details der technischen Weiterentwicklungen machen die jüngste Generation der TV-Geräte attraktiver denn je. Wir sehen auch 2019 das Potential für eine Reihe spannender Entwicklungen“, verrät Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender des IFA-Veranstalters gfu.

Jetzt im Frühling, jener Jahreszeit, in der alles grünt und blüht, „wächst“ auch Nachfrage nach opulenteren Bildschirmen. Die Hersteller von TV-Geräten prophezeien deutliche Fortschritte rund um neue Technologien für „eine noch bessere Bildqualität“.

82 Zentimeter sind längst zu wenig

Als die Fernseher noch Röhren hatten, waren Bildschirmdiagonalen von 32 Zoll der Traum aller Heimkino-Fans (siehe Bild links unten). 32 Zoll sind umgerechnet 82 Zentimeter – „Kleinkram“ für heutige Verhältnisse.

Trotzdem brachten die recht sperrigen, da nach hinten sehr „ausladenden“ Kisten über 60 Kilogramm auf die Waage. Heute spielen 32-Zöller höchstens noch Nebenrollen als Zweitfernseher in der Küche oder im Schlafzimmer.

Wachsende Bildschirm-Diagonalen

Der Trend geht unaufhaltsam zu immer größeren Displays. War das beliebteste TV-Diagonalmaß vor zehn Jahren noch unter 36 Zoll (92 Zentimeter), so stellen Geräte mit Bildschirmen von 45 Zoll (94 cm) und größer mit 2,9 Milliarden Euro mittlerweile den größten Umsatzanteil. 71 Prozent, um genau zu sein.

55- oder 65-Zöller – vor wenigen Jahren noch Exoten für Heim-Cineasten mit üppigem Hobby-Budget -, sind inzwischen im Alltag angekommen. Hier verzeichnen die Marktdaten im letzten Jahr Steigerungen von sieben (Bildschirmklasse 55-59 Zoll, 140-150 cm) und 28 Prozent (Bildschirmklasse 60-69 Zoll, 152-175 cm).

Neues High-End-Format

75 Zoll (190 Zentimeter) rückt als neues High-End-Format nach und die größten Bildschirme für das Kino im Wohnzimmer werben sogar mit noch eindrucksvolleren Diagonalmaßen bis hin zu 98 Zoll (248 Zentimeter). Dann wird’s aber wieder wirklich teuer.

Große Bildflächen sind gleichfalls Voraussetzung für einen anderen Bildschirmtrend: die weitere Verfeinerung des Pixelrasters. „8k“ ist das Kürzel für diese Innovation: Bildschirme dieser Klasse bilden jede Bildzeile mit fast 8000 Bildpunkten ab.

Effiziente Skalierer

Insgesamt stellen sie die bewegten Bilder mit über 33 Millionen Pixeln dar, also im Vergleich zu „Ultra-HD“ mit der vierfachen Menge an Bildpunkten. In Filmstudios und anderen Produktionsumgebungen hat sich die 8k-Technik längst etabliert.

Für Konsumenten steht Bildmaterial in 8k-Auflösung zwar vorerst kaum zur Verfügung, aber eingebaute, effiziente Skalierer, die sich auf künstliche Intelligenz stützen, können Material in konventionellen Auflösungen so geschickt an 8k-Bildschirme anpassen, dass die neue Technik einen sichtbaren Gewinn an Klarheit und Schärfe bringt.

HDR an allen Fronten

Für eine höhere Bildqualität steht auch die Steigerung des Kontrastumfangs – kurz: HDR (High Dynamic Range). In HDR produzierte Blu ray- oder Ultra-HD-Discs bieten Videos in passender Qualität. Im Angebot führender Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video sind HDR-Produktionen ebenfalls zu finden. Tendenz steigend!

Immer höhere Werte der Spitzenhelligkeit, besonders unter den Bildschirm-Modellen auf LCD-Basis oder tiefes Schwarz, ein typisches Merkmal von OLED-Bildschirmen, bilden die Grundlage für eindrucksvolle HDR-Wiedergabe und spalten die Fangemeinde in zwei Lager.

Flexibel in die Zukunft

HDR-Fernseher können sogar Bewegtbilder in Standard-Qualität an den Kontrastumfang ihrer Bildschirme anpassen. Mit der weiteren Entwicklung flexibler Displays rüsten sich führende Hersteller ganz nebenbei für die Märkte von morgen.

Noch heuer kommt der LG Signature OLED-TV R in den Handel, der sein Display aufgerollt in einem schmalen Gehäuse verstaut und bei Bedarf senkrecht nach oben fährt, um so eine 65 Zoll große Bildfläche ins Wohnzimmer zu zaubern.

Gibt es bald Micro-LED-Schirme?

Micro LED- und Crystal LED-Technik birgt gleichfalls Potential für die Zukunft. Hier bestehen die Bilder aus selbst leuchtenden, kristallinen Leuchtdioden, von denen sich die Hersteller besonders hohe Langzeitstabilität versprechen.

Allerdings sind diese LED-Bildpünktchen aktuell noch deutlich größer als jene in LCD- oder OLED-Technik. Zudem setzen sich Micro-LED-Schirme im TV-Kaliber aus kleineren, randlos zusammengefügten Einheiten zusammen, weil sich große Formate noch nicht an einem Stück herstellen lassen.

Display aus Kacheln

Solche vorläufigen Einschränkungen könnten die Basis künftiger Produktideen werden – etwa für Bildschirme aus Micro-LEDs, die sich wie Kacheln zu beliebigen Formen und Größen kombinieren lassen.

„So ausgereift die Technik moderner TV-Geräte mit 8k, OLED, HDR oder flexiblen Displays auch heute schon ist – es gibt weiterhin Spielraum für spektakuläre Weiterentwicklungen“, resümiert Hans-Joachim Kamp.