Der allgemeine Trend zu hochauflösenden 4K-Fernsehern hat selbst im Lager ambitionierter Fotografen und Videofilmer Neugier und Experimentierfreudigkeit entfacht. Hieß es vor gar nicht langer Zeit noch „ich habe eine Spiegelreflex-Kamera – was soll ich mit 4K?“, findet nun ein Umdenken statt. Denn dass Fotos und selbstgedrehtes Filmmaterial auf Ultra-HD-Monitoren und Flatscreens sehr viel besser aussehen als auf Full-HD-Geräten spricht sich rasend schnell herum.

Mittlerweile achten potentielle Käufer von Vollformat-, APS-C-, Bridge- oder spiegellosen Four-Thirds-Kameras auf die Funktion „4K“ in der Ausstattungsliste. Camcorder-Interessenten sowieso. Was die Filmerei anbelangt, erklärt sich der Vorsprung gegenüber Full-HD selbst: vier Mal höhere Auflösung bei der Aufnahme! Ein echtes Ass im Ärmel? Was hat der Fotograf davon? Die Kollegen von Chip Foto-Video haben das so exakt formuliert, dass ich mir die Frechheit erlaube, hier einfach zu zitieren: „Genau genommen besteht jedes Video aus einzelnen Fotos. Während des Filmens werden 25 oder auch 30 Bilder pro Sekunde abgespeichert. Als Einzelbilder extrahiert, taugten diese Aufnahmen bisher allerdings nur zur Anzeige am Bildschirm. Jetzt ist das anders. Ein 4K-Einzelbild besitzt eine respektable Auflösung von acht Megapixeln und kann damit in 300 dpi bis zu einer Größe von DIN A4 ausgedruckt werden. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten“.

Der Amateur hat es leichter als der Profi

Für ehemalige Berufsfotografen wie mich ist das eigentlich eine dekadente Sauerei! Entschuldigung. Aber gerade im Sektor „Sport“ – der Königsdisziplin – besteht die hohe Herausforderung für erfahrene Lichtbildner darin, den entscheidenden Moment im Bild festzuhalten. Wenn der Torwart schräg in der Luft hängt und den Ball zwischen den Handschuhen hat. Wenn der Boxer eine krachende Rechte abfeuert, die den Kopf des Gegners zum Punching-Ball umfunktioniert. Wenn der Eishockey-Spieler den Puck durch die Beine des Torhüters schlenzt. Wenn die Tennis-Spielerin alle Kraft in den Aufschlag legt und der kleine Ball vor der Bespannung ihres Schlägers genau in dieser Zehntelsekunde auf dem Foto zu sehen ist.

Das Leica-Zoomobjektiv macht die "kleine" Lumix zum Geheimtipp

Das Leica-Zoomobjektiv macht die „kleine“ Lumix zum Geheimtipp

Erschwerend kommt hinzu, dass die Belichtungszeit möglichst kürzer als eine Tausendstel-Sekunde sein soll, der Fokus auf dem richtigen Punkt liegt und die Belichtung, sprich: die Blende und damit die Tiefenschärfe stimmt. Ganz früher, in der analogen Zeit, hast Du da an einem Tag locker zehn bis 20 Filme mit jeweils 36 Aufnahmen verschossen und warst allein schon wegen den kurzen „Nachlade-Intervallen“ im Dauerstress. Jetzt stellt man sich hin, „filmt“ ein paar Szenen in 4K und wählt dann am PC das aller-aller-beste Super-Foto aus! Zumindest als Amateur. Denn Profis, die zum Beispiel bei der Europa-Meisterschaft in Frankreich hinter der Bande von Fußballfeldern arbeiten, würde das zu lange dauern. Die wählen auf dem Display grob ein paar Motive aus und drücken auf „Senden“. Auch viel besser als früher, in der schweren Zeit, in der noch niemand etwas von effizienten Hilfsmitteln wie etwa Autofokus ahnte.

Wenn eine fette Canon F-1 oder Nikon F-3 mittels angeschraubtem „Motor“ fünf Bilder pro Sekunde bei 1/2000 Verschlusszeit belichten konnte, fühlte man sich jeder Situation gewachsen. Heute sind zehn oder mehr Auslösungen kein Problem mehr. Die Verschlusszeiten verkürzten sich bis auf eine Sechzehntausendstel-Sekunde, die Kapazität moderner Speicherkarten ist nahezu unerschöpflich. Statt grobem Filmkorn bei 400 ASA diskutiert man – sozusagen auf höchstem Niveau – über undramatisches, leichtes Farbrauschen ab 12800 ISO.

Der Fotograf in den 70er, 80er und 90er Jahren ging nebenbei als Kraftsportler durch, denn das Equipment, das er schleppen musste, war extrem schwer und furchtbar teuer. O.K. – bei Profikameras wie der Canon EOS-1 oder der Nikon 5D ist das immer noch so. Lichtstarke Tele-Objektive wie ein 2,8/300 oder ein 4,0/400 von Canon oder Nikon kosten jeweils 7000 Euro, sind extrem lang, alles andere als leicht und deshalb ohne Einbein-Stativ fast nicht zu handhaben.

60-facher Mega-Zoom der größte Trumpf

Der ambitionierte Hobby-Fotograf lebt hingegen im Paradies. Für vergleichsweise winziges Geld (500 Euro) erwirbt er eine Bridge-Kamera mit einem 20,3 Megapixel-Chip, einem Brennweitenbereich von 24 bis 1440 Millimeter und ist dank vernachlässigenswertem Farbrauschen, mannigfaltiger Möglichkeiten zur Nachbearbeitung, kompakter Ausmaße sowie wenig Gewicht fein raus. Die Nikon Coolpix B700 präsentiert sich als die erste Wahl für alle, die mehr Performance verlangen. Mit dem Brennweitenbereich ihres optischen 60-fach-Mega-Zooms spielt sie gegenüber DSLR-Kameras den größten

Nikons neue Coolpix bricht mit einem Riesenzoom alle Rekorde

Nikons neue Coolpix bricht mit einem Riesenzoom alle Rekorde

Trumpf aus. Selbst entfernteste Motive werden von ihrem Highspeed-Autofokus detailscharf erfasst. Ein elektronischer Sucher mit Augensensor sowie der großformatige TFT-LCD-Monitor sorgen für hohen Komfort bei Motivwahl und Bildkomposition. Und mit der P/S/A/M-Belichtungssteuerung sowie einer Vielzahl von Funktionen und Effekten kann man der eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Spielend leicht gelingen künstlerische Mehrfachbelichtungen oder das Erstellen von Zeitrafferfilmen und Superlapse Movies. Mit Hilfe von SnapBridge und integrierter Bluetooth-, WiFi- und NFC-Unterstützung kann man alle Bilder sofort und automatisch auf ein Smartgerät übertragen.

Panasonic strengt sich in besonders liebenswerter Weise an, die Kundschaft für die 4K-Fotografie zu begeistern. Paradebeispiele sind die Modelle DMC-G70KA (mit Kit-Objektiv 14-42 mm für 700 Euro) und die etwa 550 Euro teure Lumix DMC-FZ300 EGK mit einem fest verbauten Leica-Objektiv 25-600 mm bei durchgehender Lichtstärke 2,8! Wie heißt es in Chip Foto-Video?

„Die Funktion „Post Focus“ erstellt beim Druck auf den Auslöser eine Schärfereihe, die als MP4-Datei abgespeichert wird. Dabei wird auf definierte Punkte scharfgestellt, die über den kompletten Bildausschnitt verteilt sind. Bei der Auswahl noch in der Kamera erweist sich das Touch-Display als sehr praktisch, da hier per Fingertipp auf einen ausgewählten Bereich schnell der Fokuspunkt und damit auch das richtige Einzelbild selektiert werden kann“. Panasonics Extra „4K Pre-burst“ gewährleistet, dass genau eine Sekunde vor und nach dem Drücken des Auslösers Bildmaterial mit auf die Speicherkarte wandert – insgesamt 60 Fotos in 4K. Möglich macht das ein Zwischenspeicher.

Jetzt klaue ich zur Abwechslung mal bei Prophoto-Online: „Wer je versucht hat, einen mit Wasser gefüllten Ballon beim Zerplatzen oder ein in eine Kaffeetasse fallendes Zuckerstückchen auf den Speicherchip zu bannen, wird die Motivation hinter der 4K-Fotografie schnell verstehen. Sie verspricht, dass man nicht mehr so genau den richtigen Moment für eine Einzelaufnahme treffen muss, sondern das beste Bild später in Ruhe aus dem Video heraussuchen kann. Gerade bei sich schnell bewegenden Motiven, wie Kindern, Tieren oder Sportereignissen, verspricht das eine deutliche Erleichterung – und dies nicht nur für wenig geübte Fotoeinsteiger. Als besonderen Clou hat Panasonic die „Pre Burst“-Variante integriert, bei der sogar schon 30 Bilder vor dem Betätigen des Auslösers gespeichert werden. Das funktioniert nicht durch Hellseherei, sondern weil die Kamera in diesem Modus quasi ständig filmt – jedoch ohne die Daten auf die Speicherkarte zu schreiben“. Erst das Betätigen des Auslösers sorgt für grünes Licht.

Ein lange unvorstellbarer „Lichtriese“

Besondere Erwähnung durch meine Wenigkeit muss an dieser Stelle einfach nochmal die Leica-Optik finden. 25 bis 600 Millimeter Brennweite bei konstanter Blende 2,8! Wie es technisch möglich ist, einen solchen „Lichtriesen“ dermaßen kompakt zu bauen, kapiere ich nicht. Da bin ich mit meinem Latein am Ende. Muss ich zugeben. Weiß nur, dass „wir Sportfotografen“ früher, in den 1990er Jahren, nach erschöpfenden Einsätzen oft gefeixt und wild fantasiert haben, wie toll es doch wäre, wenn es jemals – in gaaaanz ferner Zukunft – so ein Objektiv gäbe. Wir waren uns absolut sicher, dass dieses dann weit mehr als 25000 Euro (oder damals eben 50000 Mark) kosten wird und an einer Spiegelreflex bestimmt so lang wie eine Panzerfaust wäre. Als Mindestgewicht schwebten uns 25 Kilo vor. Irgendwie lagen wir knapp daneben…

Ich bin mir absolut sicher, dass noch viele Überraschungen und „Schmankerl“ auf 4K-Fotografen und Videofilmer zukommen. Doch auch, wer sich mit Überzeugung im Lager der Puristen wähnt, genießt Vorteile, wenn er sich einen

Die Nikon D500 lässt keine Wünsche offen. Nur Vollformat "kann" sie nicht

Die Nikon D500 lässt keine Wünsche offen. Nur Vollformat „kann“ sie nicht

Ultra-HD Monitor oder Flatscreen anschafft. Erstens: nie dagewesene Auflösung. Zweitens: selbst gestaltete Dia-Shows haben mit den in früheren Jahren „gefürchteten“ Dia-Abenden bei Onkeln, Tanten oder Nachbarn nichts mehr gemein. Kein Familienoberhaupt muss klapprige Leinwände aufbauen, das Zimmer verfinstern und sich mit quietschenden, heißlaufenden Uralt-Projektoren oder klemmenden, falsch einsortierten Dias herumärgern.

Bei Verwendung eher einfacher kostenloser oder raffinierter gekaufter Software kann man wie ein Regisseur agieren und beeindruckende, mit enormen technischem Schnickschnack aufgepeppte und mit Musik oder Originaltönen unterlegte Foto-Shows kreieren. Wer sich die Mühe macht, seine alten Negative oder Dias einzuscannen und zu brennen, wird bei der ersten Sichtung auf dem 4-K-Flatscreen begeistert sein. Vor allem was die Qualität vermeintlich veralteter Aufnahmen auf 35-Millimeter-Film anbelangt. Nahezu alle Profis sind sich einig, dass noch „Luft nach oben“ ist, bis die Digital-Technik diesen Standard erreicht hat.

Kleine attraktive Schwester und Wolf im Schafspelz

Umso mehr strengt man sich an, Spiegelreflex-Kameras mit Vollformat- bzw. APS-C-Sensoren zu „pimpen“. 4K ist derzeit das bevorzugte Mittel der Wahl. Sony und Nikon legen sich mächtig ins Zeug und statten semiprofessionelle Modelle für eine neue Ära aus. Ein „heißes Eisen“ ist die Nikon D500, die man getrost als kleine Schwester der jetzt schon legendären D5 bezeichnen darf. Nicht nur, weil sie mit 2500 Euro ungefähr halb so teuer ist. Schon mit ihrer robusten Verarbeitungsqualität und ihrem Bedienkonzept präsentiert sie sich als echtes Profiwerkzeug. Ein weiterer Vorzug ist ihre rasante Geschwindigkeit. Eine Kombination aus kompaktem Sensorformat, einem leistungsstarken AF-System mit 153 Sensoren und dem neuesten Bildverarbeitungsprozessor EXPEED 5, der Videos in 4K UHD sowie Highspeed-Serienfotografie ermöglicht, sind das Rezept. Mit Werten von bis zu ISO 51200 liefert die D500 dabei auch noch unter ungünstigen Lichtverhältnissen herausragende Bildqualität.

Sony hat sich in der Szene der größten und erfolgreichsten Kamera-Hersteller längst etabliert und neckt die Konkurrenz stets mit Details und Ausstattungsmerkmalen, die es bis dato so noch nicht gab. Wie ein Wolf im Schafspelz kommt die Sony Alpha 7RII daher. Kantiger Vintage-Look, robuste Einstellräder statt zu vieler Druckknöpfe und Wippen. Herzstück ist ein 42,2 Megapixel auflösender Exmor-R-Vollformatsensor (35,9 x 24,0mm) mit rückwärtiger Belichtung. Von ISO 50 bis ISO 102400 lässt sich dessen Empfindlichkeit bestimmen. Zudem erlaubt der Bildwandler die Videoaufnahme in 4K-Auflösung. Bei 3840 x 2160 Pixel sind bis zu 30 Vollbilder pro Sekunde möglich.

Der Wolf im Schafspelz von Sony

Der Wolf im Schafspelz von Sony

Der Autofokus arbeitet bei der Digitalkamera sowohl mit der Kontrastmessung als auch der Phasendetektion. 399 AF-Felder im Bildzentrum stellen bewegte Motive präzise scharf. Im Serienbildmodus hält die Sony bis zu 5,1 Bilder pro Sekunde fest, der Pufferspeicher ist für 23 RAW-Aufnahmen in Folge ausreichend.

Als Verschluss steht eine mechanische und eine elektronische Variante zur Verfügung, bei beiden ist eine Belichtungszeit von bis zu 1/8000 Sekunde möglich. Das Display der spiegellosen Systemkamera misst drei Zoll. Es lässt sich nach oben sowie unten schwenken. Der elektronische Sucher stellt 2,36 Millionen Subpixel dar und vergrößert 0,78-fach.

Bei den Fotoprogrammen wird von der Vollautomatik bis zum manuellen Modus alles angeboten. Das Kameragehäuse ist gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt und bringt 624 Gramm auf die Waage. Neben vier Kabelschnittstellen, darunter einem Mikrofoneingang und einem Kopfhörerausgang, sind auch WLAN sowie NFC mit an Bord. Zudem werden die PlayMemories Camera Apps unterstützt.

Billig ist das Prachtstück nicht: das Gehäuse kostet 3500 Euro. Die Palette passender Objektive kann sich sehen lassen, ist aber natürlich nicht so gigantisch wie bei Nikon.