„Wir glauben, dass die Mini-LED Technologie die Zukunft der Branche prägen wird. Als Vorreiter zeigt TCL diese Technologie bereits in seinen TV-Geräten. Dieses Jahr bringen wir die weltweit erste Vidrian™ Mini-LEDs auf den Markt. Als Teil unseres Engagements, den Menschen auf der ganzen Welt ein besseres Fernseherlebnis zu bieten“, verkündet Kevin Wang, CEO von TCL Industrial Holdings und TCL Electronics wie ein Prophet.

„Das auch noch!“, möchte man als mittlerweile genervter Beobachter der, ähm, „internationalen TV-Szene“, stöhnen: Bierernste Koryphäen aus dem Land des Lächelns scheinen plötzlich einer völlig neuen Überzeugung zu folgen, rudern bei genauerer Betrachtung allerdings doch nur wie wild im Kielwasser von Samsung mit seiner QLED-Technologie.

Was ist „die Zukunft“?

Die Koreaner streiten mit den anderen Koreanern von LG wie die Kesselflicker darüber, ob OLED oder QLED „die Zukunft“ ist, die Japaner von Sony preisen ihre Full Array-LEDs über den Schellnkönig. Panasonic, Philips und Co. kochen optimistisch ihr eigenes Süppchen weiter und das Schwert des Damokles baumelt über den Häuptern von 4K-Traditionalisten und 8K-Futuristen!

Die neuen „Glas-Lichtklingen“ von TCL. Steckt in ihnen das Potenzial, den Markt umzukrempeln?

Was ist zu tun? Erst einmal würde ich dem geneigten Leser dringend anraten, tief durchzuatmen, irgendetwas zu konsumieren, das die Stimmung hebt und sich dann ganz lässig wieder der Lektüre dieser Schmähschrift zu widmen. Herzlichen Dank für Ihr Entgegenkommen.

Zauberwort Vidrian Mini-LED

Wo waren wir? Ach ja: TCL stellte als einer der weltweit größten TV-Hersteller auf der Consumer Electronics Show erstmals die zweite Generation seiner Vidrian™ Mini-LED Technologie vor. Das, was wohl eine firmeneigene Lobeshymne werden sollte, klingt schwarz auf weiß zunächst einmal banal:

„Unsere innovative Displaytechnologie ermöglicht die Anzeige von Bildern in beeindruckender Qualität. Sie ist die weltweit erste TV-Hintergrundbeleuchtung, die eine ansteuerbare Halbleiterschaltung mit Zehntausenden von Mini-LEDs der Mikro-Meter-Klasse kombiniert, die direkt in ein kristallklares Glassubstrat eingelassen sind“. Weißte Bescheid, oder?

Schärfer, brillanter, ausdauernder

Dann wird der Ton schroff: „Dank der Vidrian™ Mini-LED Technologie können LCD-LED Fernseher mit konkurrenzlos scharfen Kontrasten, brillanter Leuchtkraft und stabiler, lang anhaltender Leistung glänzen. In Kombination mit den großformatigen 8K-LCD Panels von TCL verschafft diese hochleistungsfähige Hintergrundbeleuchtung dem Nutzer ein eindrucksvolles Erlebnis bei allen Lichtverhältnissen“.

Im Gegensatz zu „TV-Display Technologien älterer Generation“, die nach Überzeugung der selbstbewussten China-Delegation bei hellen Raumbedingungen oder bei langfristiger Nutzung in der Leistung nachließen, lieferten TCL Vidrian™ Mini-LED-Fernseher „einen außergewöhnlichen Kontrast und eine kraftvoll brillante Leuchtkraft, die perfekt zu jedem Betrachtungsstil passt“.

„Reine Glasscheiben“

„Durch die Kombination von reinen Glasscheiben, die 65 Zoll, 75 Zoll und größer sind, mit Zehntausenden von winzigen Lichtquellen, die alle einzeln präzise gesteuert werden, wird diese TV-Leistung eine Klasse für sich sein“, schallt es angriffslustig aus dem Reich der Mitte.

TCL habe schließlich nicht aus Spaß an der Freude acht Milliarden US-Dollar in eine kürzlich eröffnete und hochmoderne Panel-Fertigungsanlage investiert. Das gesamte Design und die automatisierte Produktion der LCD-Panels sowie die neuen – hoppsa! -, „Glas-Lichtklingen mit der Vidrian™ Mini-LED Technologie“ würden von TCL gesteuert.

Verschmolzenes Kristallsubstrat

Und um zu guter Letzt noch einmal zu mehr Verwirrung beizutragen: „Der neu entwickelte Prozess, bei dem die Halbleiterschaltkreise mit einem Kristallsubstrat verschmolzen werden, bietet eine höhere Effizienz, Lichtpräzision und Luminanzleistung als die bisherige Verarbeitung (der herkömmliche LED-LCD-Produktionsprozess verwendet traditionelle Halbleiterfertigungstechniken)“.