Zusammen mit seinen beiden „kleineren Brüdern“ AVR-X4300H und AVR-X6300H, die wir an dieser Stelle bereits vorgestellt haben, kommt nun auch Denons aufgepeppter „dickster“ AV-Receiver in den Handel. Der Denon AVR-X7200WA (UVP: 2999 Euro) legt vor allem in puncto Ausgangsleistung eine Schippe drauf: Sein kräftiges Verstärker-Herz pumpt an 6 Ohm Widerstand 210 Watt in alle neun Kanäle und schafft damit massig Reserven selbst für leistungshungrige Lautsprecher in großen Räumen.

Die Reproduktion des guten alten „Stereo-Dreiecks“ (links und rechts eine Box, exakt in der Mitte der Zuhörer) ist zwar ein alter Hut, hat aber für eine große Zahl audiophiler Menschen keinesfalls an Attraktivität verloren. Denons Multimedia-Kraftwerk verwandelt sich auf Knopfdruck (Pure Direct) in ein sensibles Instrument, das alle den Klang in irgend einer Weise verändernden oder beeinflussenden Hindernisse, die man für Surroundsound oder Equalizer-Korrekturen braucht, zur Seite räumt und die gewählte Audio-Quelle schnurstracks an die Endstufen schickt. Nicht nur die stetig wachsende Fangemeinde der Vinyl-Langspielplatte weiß solche aufwändigen Extras ebenso zu schätzen wie den Phono (MM)-Eingang.

Drei Mal Dreidimensional

Raumklang – also Dolby Digital oder DTS – ist längst Standard. Die Mittel für die Schaffung lebendigster dreidimensionaler Klang-Kulissen nennt man Dolby Atmos, DTS:X und Auro-3D. Dass der Kunde, der knapp 3000 Euro (oder weniger) für einen Denon-Luxus-Receiver hinlegt, alle drei an Bord haben will, leuchtet ein. Insofern fühlt er sich erst einmal verwöhnt. Aufgrund von vier DSP-Einheiten (digitale Sound-Prozessoren) sind 5.1.2-, 5.1.4- sowie 7.1.2-Setups überhaupt kein Problem. Aber auch keine Besonderheit in dieser Preis- und Leistungs-Klasse. Ebenso wenig wie ein leistungsstarkes Audyssey-Paket zur Kalibrierung des Raum-Akustik nicht fehlen darf.

Dass der AVR-X7200 Auro-3-D-fähig ist, klingt auf Anhieb prima, ist aber weder kostenlos noch billig. Nach ganz spezieller Konfiguration der Höhenkanäle werden beim Auro-3D-Verfahren akustische Reflexionen erzeugt und äußerst realistisch wiedergegeben. Je nach Raumgröße müssen ein oder zwei zusätzliche Lautsprecherpaare (Height) über der Surround-Ebene auf Ohrhöhe montiert und am besten noch mit einem Schallwandler direkt über den Sitzplätzen, der „Voice of God“, ergänzt werden.

Da Auro-3D bei Denon „optional“ ist, steht es erst nach einem kostenpflichtigen Online-Upgrade für 149 Euro zur Verfügung. Selbstverständlich benötigt man auch für Dolby-Atmos oder DTS:X zusätzliche Boxen, aber hier können auch relativ preisgünstige kombinierte Lautsprecher mit nach oben abstrahlenden Schallwandlern eingesetzt werden und eine fünfte akustische Quelle fällt gänzlich weg.

Zweite Endstufe für die „Mutterstation“

Was eine 11.2-Kanalverarbeitung und die 13.2-Vorverstärkerausgänge anbelangt, die Denons Dicksten, wie im Prospekt vollmundig angekündigt, fit für 7.1.4- oder 9.1.2-Dolby Atmos Konfigurationen machen, ist zu beachten, dass das nur klappt, wenn eine weitere zweikanalige Endstufe angedockt wird. Und die sollte möglichst vom gleichen Kaliber wie die „Mutterstation“ sein. Problem: Denon stellt solche Endverstärker, die sowieso als Exoten gelten, nicht mehr her. Adäquater Ersatz ist kurioserweise ausgerechnet bei Onkyo zu finden; aber dann wird´s richtig teuer! Denon – das muss man dazu sagen – macht nur, was zahlreiche Konkurrenten auch tun. Ob es die richtige Strategie zweifelsohne seriöser Hersteller hochwertiger Geräte ist, dem Kunden nicht von Anfang an reinen Wein einzuschenken und ihm lieber vorzugaukeln, dass die Erweiterung seiner Lautsprecher-Anlage ein Klacks ist?

Onkyo macht mit dem AV-Receiver TX-RZ3100 vor, dass es zum offiziell identischen Preis von 2999 Euro auch anders geht. Dieser Kraftsportler liefert jeweils 200 Watt an elf Kanäle, muss also nicht mehr „gepimpt“ werden. Auro-3D, die Technik mit der Gottesstimme, kann er nicht – dafür ist er THX Select 2 Plus zertifiziert und verfügt selbstverständlich über eine Direkt-Schaltung zu den Endstufen plus Phono-Eingang. Rabatt ist ebenfalls drin.

Beide Boliden sind, was die Anschlussmöglichkeiten für digitale und analoge Quellen, Netzwerkfähigkeit, HDMI Ein- und Ausgänge, Bluetooth, WLAN und sonstiges Pipapo anbelangt, erste Sahne. Da muss man nicht anfangen, Erbsen zu zählen, sondern soll zum Beispiel lieber darauf achten, ausschließlich Kabel anzuschaffen, die die hohen 4K-Standards meistern, ohne dass das Bild ruckelt oder der Ton stottert (was die Freude am tadellos funktionierenden, völlig zu Unrecht „verdächtigtem“ Receiver gewaltig trüben kann). Letztlich lastet die Qual der Wahl auf den Schultern des Verbrauchers: „Elf oder nicht Elf – das ist in diesem Fall die Frage…“