Die Spannung steigt, die Streaming-Riesen Netflix und Amazon Prime geben sich lässig: „Disney+ wird den Wettbewerb neu entfachen“, versichert hingegen die auf Medien, Entertainment und Telekommunikation fokussierte Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia.

„Immerhin 3,7 Millionen VoD-Fans in Deutschland geben schon jetzt an, Disney+ nach dem Start Ende März nutzen zu wollen. Mehr Angebote werden künftig aber auch zu mehr Nutzerwanderungen führen: VoD-User abonnieren hierzulande durchschnittlich nur zwei Streamingdienste und wollen dafür maximal rund 20 Euro ausgeben. Exklusive Inhalte werden noch wichtiger“.

Repräsentative Befragung

Dieses Fazit untermauern die Ergebnisse einer deutschlandweiten repräsentativen Befragung von Streamern, durchgeführt über die Video-on-Demand-Analyseplattform VoD-Ratings, die zu Goldmedia gehört.

Die langfristige Ankündigung des Deutschlandstarts von Disney+ hat – lässig ausgedrückt -, viel Staub aufgewirbelt. Insgesamt 54 Prozent der VoD-Nutzer haben bereits vom Start des neuen Anbieters gehört. Etwa 34 Prozent wollen Disney+ direkt ab Start nutzen oder abonnieren – aktuell ein Potenzial von 3,7 Millionen Zuschauern.

Keine Alternative zu Netflix?

Die meisten Interessierten möchten den neuen Anbieter zusätzlich zu ihren bestehenden Abonnements beziehen (67 Prozent). Lediglich ein Drittel der möglichen Disney+ Kunden plant, einen anderen Dienst dafür zu kündigen (33 Prozent).

Von einer Nutzerabwanderung am stärksten betroffen wäre jedoch nicht Netflix, wie häufig prophezeit. Lediglich sechs Prozent der befragten Kundschaft spielt mit dem Gedanken, einfach zu Disney+ zu wechseln.

Zwei Abos meist das Maximum

Dagegen wäre Sky Ticket den Umfrage-Ergebnissen zufolge weit stärker beeinflusst: 15,8 Prozent der Kunden erwägen eine Abwanderung. Die geplante Integration von Disney+ auf der Plattform Sky Q – wie auch schon bei Netflix geschehen – erscheint vor diesem Hintergrund als gutes „Gegenmittel“.

Mehr als zwei Dienste wollen die meisten Streamer in Deutschland derzeit nicht abonnieren. Für 75 Prozent der Befragten sind zwei Abos sogar das Maximum. Durchschnittlich sind VoD-Nutzer bereit, 20,50 Euro monatlich für Videostreaming auszugeben.

Häufiger wechseln?

Etwa die Hälfte der VoD-Abonnenten denkt darüber nach, das eigene Nutzungsverhalten den Veränderungen anzupassen. Viele Umfrage-Teilnehmer bekunden, ihre Dienste häufiger wechseln zu wollen. Ganz nach dem Motto: Wer die für spannendsten Inhalte bereitstellt, gewinnt.

Besonders auch die Exklusivität von Content spielt eine wichtige Rolle: Für 20,7 Prozent der Streamer durchaus ein Grund zum Wechsel. „Password Sharing“ dürfte nach Meinung der Experten in naher Zukunft noch relevanter werden. 19,6 Prozent der Befragten gaben an, von dieser Möglichkeit in Zukunft häufiger Gebrauch machen.

Alternative Illegales Streamen

Immerhin 13 Prozent der Abonnenten wären bereit für die Nutzung einer weiteren Service-Plattform, um auf Lieblingsinhalte zugreifen zu können. Werbefinanzierte Plattformen werden, wie Goldmedia mitteilt, weiter an Bedeutung gewinnen.

Illegales Streaming wird vor allem bei jungen Leuten häufiger als Alternative genannt. Insgesamt 6,4 Prozent der Umfrage-Kandidaten beichteten, wieder häufiger „schwarz“ zu streamen, wenn Filme, Reportagen oder Serien, die sie sehen wollen, nicht auf den bereits abonnierten Services zu finden sind.