Eigentlich sollten Fernseher mit 8K-Auflösung erst im Jahr 2020 auf dem Markt eingeführt werden. Wie mittlerweile hinlänglich bekannt, hielt sich Samsung nicht an diese brancheninterne Vereinbarung, preschte energisch vor und bot bereits heuer mit seinen Q900R-Flatscreens revolutionäre Technik an.

Nachdem die Champagner-Korken knallten, stellt sich jetzt so etwas wie Katerstimmung ein. Die Gretchenfrage lautet: war die hektische Premiere ein Schuss ins Knie? Vieles deutet darauf hin. Die prognostizierten Verkaufszahlen erwiesen sich so belastbar wie tägliche Fake-News von Donald Trump, echte 8K-Inhalte sind weder, was Filme anbelangt, noch, was Games betrifft, in Sicht.

Die Latte liegt zu hoch

Noch ein Manko: für eine 8K-Fotowiedergabe reichen nicht einmal die technischen Kapazitäten der besten gängigen Kameras aus. Die Megapixelzahl bei CMOS-Fotosensoren ist selbst bei Sonys 42 MP-Vollformat-Body Alpha 7RII viel zu gering. Wer mitspielen möchte, müsste sich schon eine Hasselblad H6D mit 100-MP-Sensor zum (Gehäuse-) Preis von 48000 Euro gönnen.

Doch damit nicht genug. „Im Unterschied zur 4K-TV-Einführung können die TV-Hersteller beim Thema 8K nicht auf die Unterstützung der Kinobranche bauen“, schrieb das Fachmagazin HDTV in seiner Ausgabe 6/2018 und brachte damit ein Argument aufs Tablett, das nachgerade als Warnung vor einem verfrühtem Umstieg von 4 auf 8K durchgeht.

Frühstart als Prinzip?

Die Experten von HDTV deuten an, dass „Frühstarts“ fast ein Prinzip bei Samsung darstellen und nennen als Beispiel die übereilte Markteinführung von Samsung OLED-TVs, die kurz nach dem Launch im Jahre 2013 „in Rekordzeit zurückgezogen wurden“.

Schlechte Vorzeichen also. Dennoch lässt sich die Konkurrenz nicht lumpen. Samsungs Erzrivale LG sah sich auf der IFA in Berlin mehr oder weniger genötigt, ebenfalls ein 8K-Display zu präsentieren. Und zwar nicht auf Basis eines LED LCD-Displays, sondern mit OLED-Pixeln. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wollen die Koreaner Geräte dieser Bauart verkaufen.

Warten auf neue Hardware

Warum so zögerlich? Weil sie Nägel mit Köpfen machen und HDMI 2.1-Hardware verbauen wollen. Plausibler Grund ist, dass sich 8K-Quellen in 50 oder 60 Hertz mit HDMI 2.0-Schnittstellen nicht zuspielen lassen. Natürlich ist das auch der Konkurrenz im eigenen Land bekannt und Samsungs Lösung sieht deshalb einen Austausch der One-Connect-Box vor, die an die Displays angeschlossen wird.

Das einleuchtendste Argument für einen Umstieg von 4K auf 8K ist in den meisten Fällen die Verkürzung des Sitzabstandes in Zeiten kontinuierlich „wachsender“ Bildschirmdiagonalen. HDTV-Redakteur Christian Tronzinski zitiert eine Faustregel, nach der 4K-Displays bei einem Sitzabstand der 1,5-fachen Bildhöhe keine störende Pixelstruktur aufweisen. Bei 8K-Schirmen verkürze sich der gebührende Abstand auf das 0,75-fache. Aber Hand aufs Herz: wer setzt sich bei eineinhalb Metern Distanz vor einen 75-Zöller?