Wir sind doch längst im hochauflösenden Zeitalter angekommen, oder? Ultra-HD-Fernseher lösen langsam aber sicher den HD-Standard ab, 4K-TVs mit HDR und/oder Dolby Vision sind angesagt und auch der gute Ton ist nicht mehr das, was die CD in den 1980er-Jahren etablierte.

Hi-Res Audioformate haben die Qualität der lange Jahre gepriesenen Silberlinge getoppt, MP3 ist Kinderkram, der Audiophile von Format lässt nur noch Wasser und FLAC an seine Ohren, könnte man sagen. Kameras aller Bauarten bieten in beinahe sämtlichen Preisklassen 4K-Video und -Fotografie an, Panasonic öffnete für Amateure sogar die Tür zu 6K-Formaten. Professionelle Filmkameras, die durch 8K-Objektive in 8K aufzeichnen, werden nicht nur in Hollywood eingesetzt.

IFA bietet eine Menge neuer Anreize

Was – so fragt man sich – soll da noch groß kommen? Welche Anreize könnte die IFA 2017 in Berlin bieten, die einen Besuch dieser weltweit bedeutendsten Messe für Consumer Electronics rechtfertigen? Die gfu Consumer & Home Electronics verweist auf deutliche Trends für 2017, die wir an dieser Stelle gern zitieren.

Für die Bildqualität von Fernsehgeräten gilt: Es gibt immer noch Luft nach oben. So zeigen die neuen Modelle des Jahrgangs 2017 deutlich sichtbare Fortschritte in allen Schlüsseldisziplinen. Dazu zählen Kriterien wie Helligkeit, Kontrast, Farbumfang und die Größe des Betrachtungswinkels.

Spitzenhelligkeit steigt ständig an

Das heißt, der Bildeindruck wirkt enorm realistisch, gerade auch in Tageslicht-Umgebung. Dabei steigt der Energieverbrauch der jüngsten TV-Modelle nicht annähernd im selben Maß wie die Spitzenhelligkeit.
Noch klarer gestaltete Bedienoberflächen, höhere Leistungen der eingebauten Prozessoren, ein erweitertes Angebot an Online-Inhalten und immer öfter auch die Unterstützung von smarten Funktionen – beispielsweise für die Hausautomatisierung – runden das Bild ab.

Auch die Wohnästhetik steht im Pflichtenheft der TV-Entwickler. So kommen in diesem Jahr Fernsehgeräte auf den Markt, die so flach gerieten wie eine Schaufensterscheibe. Sie lassen sich zum Beispiel mit Magnetbefestigungen fugenlos an der Wand installieren, wo sie nur um wenige Millimeter aus der umgebenden Fläche herausragen.

Blick aus dem Fenster das Maß aller Dinge

Der Bildeindruck ähnelt damit einem Blick aus dem Fenster. Die nötige Elektronik zur Ansteuerung der Geräte und sämtliche Anschlüsse stecken in separaten Gehäusen. Von dort führen extrem flache Kabel, die man sogar unter einer Tapete verstecken kann, zu den Bildschirmen – oder fast unsichtbare, sehr dünne optische Signalverbindungen.

Weitere Verbesserungen zeigen auch die Bedienoberflächen der jüngsten TV-Modelle. Klare Strukturen und plakative Icons bestimmen das Bild. Besonders komfortable Lösungen zeigen alle Programmquellen auf einen Blick, ganz gleich, ob das audiovisuelle Angebot über Fernsehkanäle, Online-Dienste oder angeschlossene Player kommt.

Mehrkern-Prozessoren so stark wie Tablets

Populäre Videoportale sind immer öfter über vorinstallierte Apps zugänglich – ganz ohne zusätzliche Hardware. Und damit all dies reibungslos und ohne Verzug funktioniert, haben die besten unter den neuen Fernsehern starke Mehrkern-Prozessoren an Bord, die mit ähnlichen Rechenleistungen wie moderne Tablets und Smartphones aufwarten.

Auch smarte Funktionen der Hausautomatisierung halten Einzug in die Fernsehgeräte. Damit wird der Bildschirm im Wohnzimmer zur Steuerzentrale des vernetzten Haushalts – neben mobilen Geräten.
Zum brillanten, kontrastreichen Bild gehört satter, raumfüllender Ton. Je flacher die Fernseher werden, desto schwieriger wird es für eingebaute Lautsprecher, kräftige Klänge zu produzieren – die Physik lässt sich nicht austricksen.

Soundbars, Soundbases, Surround Setups

Abhilfe gibt es in vielen Varianten. Soundbars, also schmale Lautsprecherleisten, die man unter dem Bildschirm platziert, sind ein geeignetes Mittel. Als Alternativen kommen immer öfter auch kompakte Modelle ins Spiel, die zwischen seitliche Bildschirm-Füße passen. Eine andere Lösungsvariante sind Soundbases – sehr flache Lautsprecher also, die man einfach unter den Fernseher schiebt.

Ihr Vorteil: Sie nehmen kaum zusätzlichen Platz in Anspruch und brauchen keine feste Installation. Beide Gerätearten unterstützen zunehmend Surround-Tonformate – mit einer horizontalen Reihe von kleinen Frontlautsprechern und weiteren Exemplaren, die den Schall zur Seite abstrahlen.

Dolby Atmos über die Zimmerdecke

Durch gezielt erzeugte Raumreflexionen entsteht so der akustische Eindruck von Raumtiefe. Virtuelle Surround-Wiedergabe funktioniert sogar mit 3D-Tonformaten wie Dolby Atmos. Die für die Höhendimension zuständigen Tonkanäle werden einfach über Lautsprecher wiedergegeben, die gegen die Zimmerdecke strahlen und den Ton somit zurückwerfen.

Viele Soundbars und Soundbases lassen sich mit zusätzlichen Surround-Lautsprechern und Subwoofern zu echten Mehrkanalsystem kombinieren. Auch über WLAN angesteuerte Multiroom-Systeme bieten diese Möglichkeit. Lautsprecher, die Musik über WLAN oder Bluetooth empfangen, zählen zu den IFA-Trendprodukten für den guten Ton. Es gibt sie in unzähligen Varianten: Manche setzen nur auf eine der beiden Funktechniken, andere unterstützen beide.

Programmquellen aus dem Internet

Übertragungsprotokolle wie Apple Airplay und immer öfter auch Google Cast sind beliebte Ausstattungsmerkmale. Als Musikquellen für die drahtlose Übertragung kommen NAS-Festplatten, Computer, Tablet-PCs, mobile Musikplayer und Smartphones infrage.

Das Internet steuert weitere Programmquellen bei: ein ganzes Universum an Radiostationen aus aller Welt und natürlich Streaming-Dienste für jeden Musikgeschmack. Auch Kopfhörer lassen sich die Musik immer öfter drahtlos zuspielen. Dass einige Smartphones der jüngsten Generation keinen analogen Kopfhörer-Anschluss mehr haben, stützt den Trend: Bluetooth ist hier das Übertragungssystem der Wahl.

Störgeräusche werden „gecancelt“

Immer mehr Hersteller kombinieren die digitale Übertragungstechnik mit Noise-Cancelling-Funktionen zur Unterdrückung der Umfeld-Geräusche: Winzige eingebaute Mikrofone fangen den Umgebungslärm ein, generieren daraus ein spiegelbildliches Signal und mischen es der Musik hinzu. So lassen sich Störgeräusche beinahe restlos auslöschen.

Manche Headphones bieten auch Geräuschunterdrückung nach Maß: Im Flugzeug lassen sie sich auf die maximale Wirkung einstellen, um den Lärm der Triebwerke auszublenden. Im Stadtverkehr aber ist die starke Dämpfung aller Umgebungsgeräusche gefährlich: Wer herannahende Fahrzeuge nicht hört, kann nicht immer rechtzeitig reagieren. Also lässt sich die Geräuschunterdrückung in mehreren Stufen abschwächen.

CD ist längst ein alter Hut

Die CD hat – wie oben angedeutet – vor rund 35 Jahren Maßstäbe für die Qualität digitaler Musik gesetzt. In der Studiowelt sind längst weit höhere Qualitätsparameter üblich. Und immer mehr Musikportale bieten Tonkonserven auf diesem Niveau an – zum Beispiel mit der Abtastfrequenz 96 Kilohertz und 24 Bit Auflösung.

Das deutlich feinere Audio-Raster der sogenannten HiRes-Tonkonserven ist hörbar – gute Wiedergabesysteme und perfekte Aufnahmen einmal vorausgesetzt. Luftigere Klänge und schärfere Raumdefinition gehören zu den typischen Phänomenen. Download-Portale bieten HiRes-Dateien in verschiedenen Kodierungen an, besonders häufig im verlustfreien Kompressionsformat FLAC. Aber auch Dateien im Format DSD, der Audio-Kodierung der Super Audio CD, stehen hoch im Kurs.

Helligkeit allein macht kein HDR

Ultra HD, die vierfache Pixelauflösung von Full-HD-Bildschirmen, hat sich im Markt der TV-Geräte etabliert. Mittlerweile setzen weitere Qualitätseigenschaften neue Maßstäbe. Dazu zählt vor allem HDR. Das Kürzel für High Dynamic Range steht für einen extremen Kontrastumfang von den dunkelsten Bildpartien bis hin zu gleißend hellen Details. Was braucht man zum Genuss der spektakulären Bilder?

Zunächst einen Fernseher, der das Gütesiegel „Premium Ultra HD“ trägt. Denn diese Geräte strahlen hell genug, um den erweiterten Kontrastumfang in Szene setzen zu können. Große Helligkeit allein macht aber noch kein HDR-Bild. Es kommt darauf an, die Informationen der Bildquellen so an den Bildschirm anzupassen, dass dunkle Partien zwar finster wirken, aber dennoch differenziert genug auf der Bildfläche erscheinen, um nicht in einer schwarzen Fläche unterzugehen. Und Helles soll nicht überstrahlen, weiße Wölkchen am Himmel ihre subtile Struktur behalten.

HDR10 versus Dolby Vision

Dazu brauchen die Bildschirme Anweisungen. Blu ray-Filme mit HDR-Kontrast liefern sie in Form von Zusatzdaten nach dem Standard HDR10. Die Zahl in diesem Kürzel steht für eine Signalverarbeitung mit 10 Bit. Das bedeutet: Die drei Grundfarben eines jeden Bildpunkts lassen sich mit 1024 Helligkeitsabstufungen darstellen; bisher sind 8 Bit, also 256 Abstufungen, das übliche Maß. Die IFA zeigt viele neue Ultra-HD-Blu ray-Player, die solche Signale verarbeiten und samt Metadaten an den Fernseher weiterleiten können.

Als Alternative bietet sich das System Dolby Vision an. Es kann – anders als HDR10 – den Kontrastumfang nicht nur für den ganzen Film, sondern sogar Szene für Szene festlegen. Zudem gibt Dolby Vision lückenlose technische Regeln vom Produktionsstudio bis zum Bildschirm im Wohnzimmer vor.

Der Dritte im Bunde: Hybrid-Log-Gamma

Zur IFA 2017 wird es viele neue TV-Modelle geben, die neben HDR10 auch Dolby Vision unterstützen. Neue UHD-Blu-ray Player, die bewegte Bilder in Dolby Vision verarbeiten können, sind ebenfalls zu erwarten.
Und noch ein dritter HDR-Standard macht von sich reden: Hybrid-Log-Gamma (HLG) stammt aus einer Kooperation der BBC und des japanischen Fernsehens NHK.

Satellitenbetreiber liebäugeln bereits damit, weil die HDR-Zusatzinformationen hier im Videosignal stecken, was den Transport vom Studio über die Sendestrecke bis zum Bildschirm vereinfacht.
Hat auch dieses System Chancen, sich durchzusetzen? Einige IFA-Highlights unter den neuen Fernsehern sind darauf schon heute vorbereitet: Sie nehmen die HDR-Signale, wie sie kommen, ganz gleich, nach welchem Standard sie aufbereitet wurden.

HDR kommt auch für Hobby-Filmer

Schon jetzt bieten Onlinedienste Filme in Ultra HD und mit HDR-Kontrast an. Aber auch Hobby-Filmer können die neue Technik bald für faszinierende Bilder nutzen. Die IFA zeigt erste Systemkameras, die nicht nur im superscharfen Ultra-HD-Raster filmen, sondern jedes Bildpünktchen auch mit 10 Bits kodieren.

Mit so feinen Helligkeitsabstufungen also, dass sie HDR-Aufnahmen in voller Qualität auf den Bildschirm bringen. Bisher war die 10-Bit-Aufnahmetechnik ausschließlich professionellen Videokameras vorbehalten.

Medienmacher experimentieren mit VR-Brillen

Fernsehen und virtuelle Realität – passt das zusammen? Natürlich, sagen experimentierfreudige Medienmacher und produzieren schon eifrig für ein Publikum mit VR-Brillen auf der Nase. So verlagern sie bereits Fußball-Übertragungen in virtuelle Umgebungen, drehen Dokumentarfilme, durch die der Betrachter im 360-Grad-Winkel rundum manövrieren kann, nehmen Konzerte mit 360-Grad-Kameras auf und ergänzen Nachrichtensendungen mit Live-Streams in Rundum-Technik.

Dies alles können die IFA-Besucher vom 1. bis 6. September anschauen – nicht nur an den Ständen der großen Medienhäuser, sondern auch in der neuen Zukunfts-Sektion IFA Next (in der Messehalle 26).
Passende Hardware zum Thema gibt es längst in großer Auswahl: 360-Grad-Kameras für den mobilen oder stationären Einsatz, Modelle, die mit professioneller Auflösung filmen, 360-Grad-Zusatzlinsen für Smartphones und natürlich VR-Brillen mit immer feineren Auflösungen und immer höherem Tragekomfort.

 

[Quelle: gfu Consumer & Home Electronics]