Selbst die edelsten Ultra-HD oder OLED-Fernseher haben ein kleines Problem. Sie liefern zum bombastisch guten Bild nicht den entsprechenden Ton. Das liegt in ihrer „Natur“. Ist hauptsächlich ihrer Bauart geschuldet. Es gibt keine wuchtigen Gehäuse mehr, die direkt nach vorn abstrahlenden Lautsprechern Platz bieten. Der Trend geht – ganz im Gegenteil – immer mehr in Richtung dezenter Bilderrahmen oder gar Folien (bei OLED). Solche Bildschirme werden an exponierter Stelle innerhalb der eigenen vier Wände installiert und taugen durchaus als edle Accessoires. Wer bloß Tagesschau, Börsenberichte, Berieselungs-Fernsehen oder Daily-Soaps guckt und sowieso mehr ein Freund angenehm temperierter Zimmerlautstärke ist, wird mit den in der Regel sehr flachen, nach hinten gerichteten, die Wand als Schallreflektor nutzenden Tonsystemen zufrieden sein. Über die Fernbedienung lassen sich sogar individuelle Veränderungen des Klangbildes einstellen. Zu viel darf man allerdings nicht erwarten. Wer als Cineast mit Herzblut krachende Surround-Effekte vermisst oder als Fußball-Fan keinerlei Stadion-Atmosphäre aufkommen spürt, wird alsbald darüber grübeln, wie er Abhilfe schaffen kann. Keine leichte Herausforderung – das kann schon an dieser Stelle ruhigen Gewissens verraten werden. Freilich gibt es die einfache Lösung: AV-Receiver kaufen, fünf, sieben, neun oder noch mehr Lautsprecher nach Vorgabe dem Wohnraum einverleiben und ab geht die Post! Pragmatisch veranlagte Menschen handeln nicht selten so und fühlen sich pudelwohl.

Wenn Welten aufeinander prallen…

Schwieriger wird es, wenn man verheiratet ist und der Gattin/dem Gatten nicht nur ewige Treue, sondern auch unbedingtes Mitspracherecht bei der Ausgestaltung des eigenen Nestes geschworen hat. In geschätzt 98 bis 99 Prozent aller mir bekannten Fälle prallen Welten aufeinander. „Er“ tendiert nach dem Prinzip „wenn schon, denn schon“ zu großkalibrigen Boxen nebst ähnlich dimensionierten Subwoofern und stört sich nicht im Geringsten daran, auf dem Weg von der Couch zum Kühlschrank ab und zu über kreuz und quer verlaufende Kabel zu stolpern. „Sie“ (oder wiederum Er oder umgekehrt) will von dem ganzen Technik-Kram am besten überhaupt nichts sehen, lieber hier noch ein Tischchen und dort noch ein Schränkchen platzieren. Es kommt zu hitzigen, fintenreichen Verbal-Gefechten, argumentativen Scharmützeln und gegenseitigen Anbrüllungen weit jenseits der bereits erwähnten Zimmerlautstärke. Am Ende des Tages werden Wunden geleckt, schlimmstenfalls erwägt man erschöpft, einen erfahrenen Scheidungs-Anwalt zu konsultieren, rauft sich meistens zum Glück wieder zusammen und beschließt für alle Zukunft, Vernunft obwalten zu lassen.

Was kann man tun? Eine Soundbar würde schon mal viel bringen. So eine Art unaufdringliche Leiste, in der Verstärker, modernste Prozessoren zur Erzeugung von Raumklang und raffiniert angeordnete Lautsprecher untergebracht sind und zu der es in den meisten Fällen auch einen passend dimensionierten Subwoofer gibt, der selbst dort vorzüglich sein Werk verrichtet, wo man ihn nicht sieht, da er ja nur für die tiefen Frequenzen zuständig ist, die das menschliche Ohr nicht orten kann. So ungefähr bei 200 Euro geht’s los, Bluetooth-Verbindung zum Tieftöner ist eigentlich schon Standard. Wer richtig protzen will, ist problemlos tausend Euro ärmer. Ständig steigende Nachfrage nach diesen unkompliziert zu verwendenden „Bausteinen“ spornt im Wettbewerb befindliche Unternehmen enorm an. In kurzen Abständen kommen Soundbars in den Handel, die – immer noch eine Schippe drauflegend – verblüffend weiträumige Klangkulissen reproduzieren, die man solch filigranem „Werkzeug“ niemals zugetraut hätte. Soundbars sind weit mehr als geschickt versteckte Lautsprecher in für nahezu alle Wohnräume kompatiblen Gehäusen. Im oberen Preissegment werden schon mal 50 bis 100 Schallwandler verbaut, die in unterschiedlichste Richtungen abstrahlen, dabei gleichfalls – aber wesentlich effektiver – Wände sowie Decken als Reflektoren nutzen oder, besser gesagt, „einbauen“. Clever, dass die meisten Anbieter beim Design des audiophilen Zubehörs genau darauf achten, dass dieses ihre eigene Fernseher-Produktlinie geradezu perfekt ergänzt. Ideal, dass Heimkino-Fans, die einen 4k-Beamer einsetzen wollen, nicht im Dunkeln tappen müssen, was den Sound anbelangt. Super, dass auch Gamer den satten Sound beim Daddeln bald nicht mehr missen möchten. Genial, dass Soundbars ein Ersatz für althergebrachte Stereo-Anlagen sind. Der Radio-Tuner des TVs kann genutzt werden, Silberlinge aller Art verdaut der angedockte DVD-Player. Ein Wermutstropfen bleibt im Kelch: Trotz aller respektablen Fortschritte und den bemerkenswerten Anstrengungen sämtlicher Hersteller muss man auf dem Boden bleiben und eine Soundbar als Kompromiss, nicht als Ersatz für echten 5.1, 7.1 oder gar 9.1 Sound sehen. Dafür gibt’s natürlich auch was! Nein, nicht von Ratiopharm, sondern – wie bei den Soundbars – von Samsung, Sony, LG, Panasonic, Canton, Philips, Yamaha oder Teufel bis hin zu JBL oder Bose.

Komplette, maßgeschneiderte Lautsprecher-Pakete

Soundbar oder Teufel Set?
Zwei Frontlautsprecher (meist deutlich größer als der Rest), ein Center-Speaker für die Dialog-Wiedergabe, Surround-Boxen hinten links und rechts für den räumlichen Eindruck – natürlich ein Subwoofer, damit es nicht dünn und klinisch klingt – fertig ist das 5.1-Paket. Nicht selten werden die rückwärtigen Boxen „angefunkt“, was Kabel überflüssig macht, Hifi-Puristen indes mühelos auf Zimmerpalmen treibt. Davon an anderer Stelle mehr. Receiver oder Blu-Ray-Player sind zum Beispiel bei LG oder Teufel oft inklusive; dem ersten Einsatz des Terminators im Wohnzimmer steht nichts mehr im Wege. Richtig donnern, rummsen und krachen wird es allerdings nicht, wenn Arnie „back“ ist. Dafür ist Equipment bis – sagen wir mal: tausend Euro – einfach zu schwach auf der Brust. Wer ein braver, umsichtiger Mensch ist, der seine Nachbarn nicht vergraulen will, wird sich den Geboten der Bescheidenheit beugen und resignierend seufzen „mehr geht nicht“. Womit er zugleich Recht und Unrecht hat. Denn da draußen, oh ihr Kinder der Nacht, lauern himmlische Versuchungen, die höllisch Spaß bereiten! Mehr davon in Kürze. (Wer Angst vor Risiken und Nebenwirkungen hat, sei bereits jetzt vor der Lektüre der Fortsetzung gewarnt).