Sie beehren den HiFi- und Heimkino-Fachmann Ihres Vertrauens mit Ihrem Besuch, tauschen so, wie es sich gehört, ein paar Nettigkeiten aus und versuchen dann so unauffällig wie möglich, den Verkäufer in eine stille Ecke des Ladens zu bugsieren, um ihm eine Frage zu stellen, die Ihnen auf den Nägeln brennt, von der sie aber auch wissen, dass Sie „peinliche“ Reaktionen auslösen kann:

„Hören sie zu, alter Freund – ich bin auf der Suche nach einem qualitativ wirklich hochwertigen Boxen-Setup für meinen Sohn. Es soll überdurchschnittlich gut klingen, sauber verarbeitet sein, etwas hermachen und darf keine 500 Euro kosten. Gibt´s da auch was von, hüstel, quadral?“

Die germanische Lautsprecher-Schmiede

Bis vor wenigen Jahren hätten Sie den bedauernswerten Experten in eine äußerst verzwickte Situation gebracht. Er hätte sich stark zusammenreißen müssen, um nicht laut loszuprusten. Wäre dazu verdammt gewesen, Contenance zu bewahren, um Sie nicht zu diffamieren.

Denn jeder auch nur oberflächlich Eingeweihte wusste seinerzeit (und weiß bis heute), dass quadral die germanische Lautsprecher-Schmiede schlechthin ist. Die „Vulkan“ und die „Titan“ galten von Anbeginn der Stereo-Zeit quasi als Säulen der Macht in anspruchsvollen Hörräumen und tun es noch heute.

Ab- und Aufstieg in „bürgerliche Preisklassen“

Wer Billigheimer suchte, dem schleuderte der oberste Germanengott Wotan Blitze nach, so dass er sich schleunigst verkrümeln und woanders hin gehen musste, um sich erst einmal furchtbar zu schämen. Dem ist – bis auf das Blitzgeschleuder – immer noch so, doch haben sich die Akustik-Götter in ihrem Olymp in Hannover besonnen und entschlossen, fürderhin nicht nur mehr Boxen für high-endige Regionen zu bauen, sondern selbst „bürgerliche Preisklassen“ (Original-Zitat) zu bedienen.

Dem vielfachen Wunsch nach akustisch exzellenter Signalreproduktion kommt man nach und präsentiert das brandneue QUINTAS 6500 5.0 Lautsprecher-System. „Die Kombination aus dynamisch-spritzigem Klang, solider Verarbeitungsqualität und einer schlichten, aber sehr eleganten Optik bietet ein überdurchschnittlich hohes Preis-/Leistungsverhältnis“, verrät der Prospekt.

Tiefe Töne auch ohne Subwoofer

Die Integration von jeweils zwei großzügig dimensionierten 130-Millimeter Tieftönern in den Standlautsprechern sorge selbst ohne zusätzlichen (aktiven) Subwoofer für einen kraftvollen und voluminösen Tieftonbereich.

Mit dem Seidenkalotten-Hochtöner, der sowohl in der Bassreflex- Konstruktion der Frontboxen als auch in den geschlossenen Komponenten Base (Center) und den Rears zum Einsatz kommt, realisiere das QUINTAS 6500-System einen Frequenzbereich von 26 bis 30.000 Hertz. Donnerwetter!

Natürlich Folie statt Lack

Die Gretchenfrage: Kann ein renommierter Hersteller wie quadral so ein komplettes 5.0-Setup für 350 Euro in Deutschland produzieren? Natürlich nicht. Die Lautsprecher werden in Fernost zusammengebastelt – aber nach allen Regeln der Kunst!

Die Oberflächen sind natürlich nicht lackiert, sondern mit Holzdekor-Folie überzogen, sämtliche Chassis wurden in passgenau gefräste Vertiefungen in die Frontplatten der Gehäuse eingesetzt. Testredakteur Michael Voigt von HiFi-test.de brachte es auf den Punkt: Alles in allem seien die Quintas-Lautsprecher sicher keine Schmuckstücke, auch deute ihr recht geringes Gewicht auf eher dünne Gehäusewände hin, doch sehe das Quintas-Set auf den ersten Blick recht anständig aus.

Nahe an der Wand legt der Bass zu

Die 90 Zentimeter hohen Standlautsprecher eignen sich selbst für eine wandnahe Aufstellung in kleinen Räumen perfekt. In dieser Position erhöht sich ihr Tiefbasspegel sogar vorteilhaft. Solide Schraubklemmen für die Kabel erzeugen bei Kennern der Materie ein zufriedenes Bauchgrummeln, welches sich beim Blick auf die kleinen Satelliten in Zwei-Wege-Konstruktion sowie den Center allerdings hurtig verflüchtigt.

Billige, kleine Federclips, die keine Kabelquerschnitte von mehr als 2,5 Millimetern zulassen und in die man gezwungenermaßen so etwas Ähnliches wie Antennendraht friemeln muss! Das ist für quadral-Maßstäbe ein grober Schnitzer. Ich bin mir sicher, dass der Kunde gern 20 Euro mehr investieren würde, um ordentliche Anschlüsse vorzufinden.

Selbst Götter müssen Kompromisse finden

Schon klar, dass man für die „Bürgerlichen“ irgendwo die Preisbremse drücken muss – aber bitte doch nicht gerade da! Man kommt allerdings ins Grübeln, wenn man bedenkt, dass die Hauptlautsprecher vom Typ Quintas 606 allein schon 280 Euro kosten. Surround-Lautsprecher plus Center schlagen demnach mit lediglich 70 Euro zu Buche – da müssen selbst Götter Kompromisse finden.