Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass ich einmal sterben muss. „Nun denn“, dachte ich bis vor kurzem. Machst du eben eines fernen Tages die Augen zu, wartest artig auf den geflügelten Gaul Pegasus, schwingst dich behende in den Sattel und reitest in eine andere Welt.

In eine Bessere, hoffentlich. Ich bin Atheist. Aus pragmatischen Gründen. Ich denke mir, wenn ich keinen Gott akzeptiere, kann keiner der eventuell vorhandenen Herrschaften sich auf die Zehen getreten fühlen und mich verdammen.

Keine Engel, keine bärtigen Greise

Deswegen schließe ich aus, dass mich nervende, die Harfe zupfende Halleluja-Engel und weißhaarige Greise empfangen werden, wenn ich im Jenseits eintrudle. Das würde mich auch ziemlich frustrieren, wenn ich ehrlich bin. Ethnisches Gesäusel, Vollbärte, Askese, 72-jährige Jungfrauen – nicht mein Ding. Kann man mich mit jagen…

Was also wird passieren? Obgleich gottlos, hege ich den dumpfen Verdacht, dass man sich dereinst schon einmal für das, was man so angestellt oder unterlassen hat, irgendwie rechtfertigen muss. Es kann ja schließlich nicht angehen, dass Halunken wie Hitler, Gaddafi, Saddam Hussein oder mein Steuerberater im Jenseits einfach weiterleben wie die Maden im Speck!

Ein vorbildliches Leben

Die müssen auf jeden Fall woanders hin als ich, der ich – ohne jetzt auf den Putz zu hauen – ein meiner Meinung nach vorbildliches Leben führte. Übergewichtiges Baby, trotz einiger Ausbruchsversuche braves Kindergartenkind, bemühter, wenn auch nicht überaus erfolgreicher Schüler, tapferer Wehrdienstleistender.

Zu Hochzeiten des Kalten Krieges grenznah eingesetzt zur Abschreckung des Feindes, unbestechlicher Redakteur, famoser Ehemann, Vater einer quietschfidelen Tochter, Opa von drei Enkeln, Hundeliebhaber, Heavy-Metal-Freak und jetzt auch noch Mitarbeiter bei Ultra HDTV.net! Mehr braucht es nicht zur spontanen posthumen Heiligsprechung, oder?

Oppo, die verbotene Frucht

Insofern waren mir Gevatter Hein oder sein bayerisches Pendant, der „Boandlkramer“, bis vor ein paar Wochen relativ schnuppe. Hauptsache es geht einmal schnell und tut nicht weh. Dann aber – ich kann es in der Retrospektive nicht anders ausdrücken – kam der Sündenfall. Im Paradies von Ultra HDTV.net wagte ich es, an einer verbotenen Frucht zu nagen, die da „Oppo“ hieß.

Kein Fallobst, sondern ein formidabler Ultra-HD Blu-ray Player. Aber das glaubt mir heute ja niemand mehr! Ich verstieg mich nämlich dazu, dessen Schöpfer – also Herrn Oppo oder so – zu schmähen! Ich sabotierte den Chor der inbrünstigen Lobeshymnen-Sänger mit lauten Unkenrufen! In das „Gloria“, welches die einzigartige Qualität des chinesisch/amerikanischen Scheibendrehers in höchsten Tönen pries, rappte ich Dissonanzen, die mir sehr übel genommen wurden.

Hinterhältige Taktik

Dabei ging es mir gar nicht um das zu Recht bejubelte Gerät 203 selbst, sondern nur um eine meiner Auffassung nach hinterhältige Taktik der Oppo Marketing-Abteilung. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Autohändler „Ihrer“ Marke und bestellen sich einen neuen Golf oder Astra oder Prius oder was-weiß-ich.

„Ei freilich“, säuselt der schlitzohrige Verkäufer, lässt Sie kaltblütig unterschreiben und teilt Ihnen zwei Wochen später mit, dass in Kürze ein neuerer, besserer, raffinierterer Golf, Astra oder Prius oder was-weiß-ich rauskommt, der Sie aber nicht mehr interessieren dürfte, da Sie ja schon das Vorgängermodell geordert haben – Ätsch!

Das hüpfende Komma

Genau das war der springende Punkt, das hüpfende Komma – ach: nennen Sie es wie Sie wollen! Seit dieser Zeit bin ich für alle Oppo-Jünger der Staatsfeind Nr. 1 und mache mir Sorgen um eine friedvolle Ewigkeit. Immer noch trudeln ziemlich angepisste (pardon!) Kommentare ein.

Ein paar Auszüge gefällig? „Geht´s noch?“ „Selten so einen blöden Beitrag gelesen“. „Verstehe dein Rumgeheule nicht“. „Komm wieder runter, ist ja echt peinlich“. Einerseits finde ich es rührend, wenn sich Leute so dermaßen für ihre Überzeugung und ihre „Colours“ einsetzen, andererseits fürchte ich partiell um mein Seelenheil.

„Das ist schon immer so“

Zugegeben, es waren auch durchaus nette und wohlmeinende Zuschriften dabei. In denen ich mehr oder weniger darum gebeten wurde, zur Vernunft zu kommen, mein harsches Urteil noch einmal zu überdenken und die mich sanft in die „richtige Richtung“ bugsieren wollten. Dabei habe ich doch gar nichts gegen Oppo, sondern nur gegen hinterfotzige Verkaufs-Aktionen wie die beschriebene.

Wieder lief ich gegen eine Wand. Oppo-Fans schrieben, dass „jeder wisse“, dass dieses Prozedere bei Oppo schon immer so sei. Dass automatisch nach einem Gerät mit der Endnummer 03 in absehbarer Zeit ein Gerät mit der Endnummer 05 auf den Markt komme, welches dann ein wenig besser ausgestattet, insgesamt halt einfach raffinierter sei.

„Oppositionelle“ mögen Galgen zimmern

An dieser Stelle erhebe ich so laut wie möglich meine Stimme und brülle: „Es gibt aber auch Leute, die Oppo nicht kennen und solche undurchsichtigen Manöver für genauso verfehlt wie ich selbst erachten“. Dazu stehe ich nach wie vor. Selbst wenn „Oppositionelle“ im fahlen Mondlicht bereits einen Galgen für mich zimmern.

Man muss den Leuten stets reinen Wein einschenken. Darf ihnen keinen Sand in die Augen streuen. Sie nicht aufs Glatteis führen. Keine Falltüren verstecken. Niemand über den Löffel barbieren. Bessere Metaphern fallen mir im Moment nicht ein.

Verzweifeltes Knocking On Heavens Door

Woher, zum Teufel, (streichen Sie das bitte gleich wieder) soll ich wissen, was in der anderen Welt angesagt ist, wenn ich in 124 Jahren oder so „Knock Knock Knock“ on Heavens Door mache? Am Ende hört man mich gar nicht, weil das Personal gerade den neuen 905er Oppo voll aufgedreht hat und engelsgleich über die himmlische Performance eines intergalaktischen UHD-Players schwärmt, der selbst das antiquierte Audioformat SACD gar vorzüglich beherrscht? Vielleicht ziehen sich die auch gerade einen Blockbuster wie „Armageddon“ oder „The Day After Tomorrow“ rein und kriegen gar nicht mit, dass da ein Verzweifelter Einlass begehrt?

Wie kann die Maximal-Strafe für einen Oppo-Frevler ausfallen? Wird der für alle Zeiten vor das legendäre Nachkriegs-Grundig-Selbstzusammenbastel-Radio „Heinzelmann“ gesetzt? Muss der bis zum End of Days mit dem Ultra-HD Testbild vom Vatikan Vorlieb nehmen? Darf der nur noch mit dem antiquierten Fraunhofer-Teleskop ins All gucken, statt Satelliten-TV in 4 bis 16K zu genießen?

Hell Ain´t A Bad Place To Be

Ich mag es mir gar nicht in allen grausamen Einzelheiten ausmalen und beschließe hier, heute und jetzt sofort feierlich, dass ich zur Strafe noch ein bisschen lebe. Oppo-Fans mögen es gnädig erdulden. Sollte final keine Himmelfahrt auf mich warten, erinnere ich mich gern an den Song „Hell Ain´t A Bad Place To Be“ von AC/DC und freue mich auf einen Bar-Tresen, an dem ich neben Lemmy, Ronnie James Dio, Randy Rhoads, Jon Lord, John Bonham und vielleicht sogar Ozzy Osbourne sitze.

Wir werden Oppo-Raffinessen nebst anderem hoch-auflösendem Tand ächten und stattdessen die brachiale Gewalt von Marshall-Amps und Boxen favorisieren! Eine knapp bekleidete, höllisch heiße Hexe wird uns Schallplatten von Motörhead, Rainbow, Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin auflegen. Jack Daniels wird in Strömen fließen, aber wir werden nie betrunken werden und sämtliches weibliche Höllenpersonal wird die „Emma“ von Oberhexe Alice Schwarzer lesen.

Wie heißt es im Sabbath-Song „Heaven and Hell“ so treffend: „The World is full of Kings and Queens who blind Your Eyes, then steal Your Dreams – it´s Heaven and Hell“.