Spioniert Ihr Ultra-HD Fernseher Sie aus? Die meisten Besitzer der smarten Dinger werden müde abwinken, mit den Achseln zucken und vielleicht antworten „möglich, na und?“ Denn „Ausspionieren“ ist ein großes Wort, eine schwere Anklage, die mit dem scheinbar harmlosen Procedere gängiger Flatscreens nicht viel am Hut zu haben scheint.

Smart-TVs bieten dank des Internetzugriffs per WLAN oder Netzwerk zahllose Zusatzfunktionen, die weit über das herkömmliche Fernsehen hinaus reichen. So zum Beispiel die Nutzung von Mediatheken, Online-Videotheken sowie Online-Spiele oder auch sozialer Netzwerke, um nur einige wenige der vielen Smart-Funktionen zu nennen.

Meistens kann der Besitzer entscheiden

Besitzer von Samsung-Geräten werden beim Einrichten mit der Frage konfrontiert, ob sie einer Datensammlung zustimmen? So sie das nicht möchten, können sie jederzeit über den Menüpunkt „Unterstützung“ ein Veto einlegen.

Neuere TVs von Philips und Sony sind mit dem Google Betriebssystem Android ausgestattet. Und dass Google recht gern und eifrig Daten sammelt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Der niederländische und der japanische Hersteller haben in weiser Voraussicht eine Art „Not-Aus“-Taste installiert. Über den Menüpunkt „Hilfe“ kann der Schutz der Privatsphäre aktiviert werden.

2,2 Millionen Dollar Geldstrafe

Sämtliche Fernseher der südkoreanischen Marke LG, die mit „Live Plus“ ausgestattet sind, greifen auf diesem Weg Daten ab – doch auch bei ihnen gibt es eine Option, die diese Funktion unterbindet. Wenn solche Datensammlungen normal sind, wenn es fast alle tun, warum wurde der amerikanische Hersteller Vizio dann vor kurzem zu einer Strafzahlung in Höhe von 2,2 Millionen Dollar verdonnert?

Simple Antwort: weil Vizio verschwieg, dass Smart-TVs schon seit zwei Jahren Daten der Kundschaft sammelten! Und das ist verboten. Der Schock, den „Vizio-Gate“ im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auslöste, hielt sich allerdings in Grenzen.

Muss man sich Sorgen machen?

Was kann so eine Glotze auch schon für Daten sammeln, fragte man sich. Soll die Kiste doch „petzen“, wie lange sie täglich läuft, welche Programme bevorzugt geschaut werden – wen interessiert das? Nun ja. Vizio arbeitete mit einem Drittanbieter zusammen, der Daten über das Geschlecht des Betrachters, den Status seiner Beziehung, seines Gehalts und seines Alters beisteuerte – und das ist dann schon eine solide Basis für Gauner, die mit geklauten Daten – dem Gold der Gegenwart – Kohle machen.

Verbraucherschützer sehen die Gefahr, dass anhand der gesammelten Daten nicht bloß Rückschlüsse auf Sehgewohnheiten und Internetnutzungsverhalten gezogen werden könnten, sondern sich darüber hinaus auch Nutzerprofile über persönliche Interessen bis hin zum Tagesablauf erstellen ließen.

„Daten sind anonymisiert“

Vonseiten der Gerätehersteller, Smart-TV-Dienstanbieter und der Deutschen TV-Plattform sowie der Sendeanstalten selbst heißt es hingegen stets, dass die gesammelten Daten anonymisiert seien und alleine der Angebotsoptimierung dienen. Außerdem würden Daten erst dann erhoben, wenn dem bei der Erstinstallation des Smart-TV-Geräts ausdrücklich zugestimmt worden wäre.

Vizio bewies, dass es auch anders geht. Außerdem darf man keinesfalls vergessen, dass es heutzutage durchaus möglich ist, Fernseher, die mit dem Internet verbunden sind, mit Schadsoftware zu verseuchen. Da viele moderne TVs auch über eingebaute Videokameras verfügen, fällt es leicht, sich weitere „Ausspähungen“ vorzustellen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, das elektronische Auge einfach abzukleben und das Motto des alten Lenin „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ zu beherzigen.

 

[Quelle: Entain.de]