So ein Ultra-HD-Flatscreen schmückt die eigenen vier Wände ungemein und wird schnell zum steten Quell der Freude. Sind die Sender gespeichert, Kontrast, Farben und Bildstil eingestellt, gelangt man zum Menü-Punkt „Ton“. Und merkt in den meisten Fällen sofort, dass man sich entscheiden muss, entweder auf die höchstens ausreichende Leistung der verbauten, meist nach hinten abstrahlenden Lautsprecher zu vertrauen oder Nägel mit Köpfen zu machen und die Aufgabe der Beschallung auszulagern. „Outsourcing“ im Wohnzimmer sozusagen.

So muss das aussehen: Anschlussfeld eines Top-Receivers

So muss das aussehen: Anschlussfeld eines Top-Receivers

Im ersten Teil dieser Mini-Serie wurden Soundbars oder 5.1-Lautsprecher-Sets als Kompromiss-Lösungen vorgestellt. Man kann natürlich auch den „Königsweg“ wählen und sein Wohnzimmer/ Heimkino klangtechnisch so richtig nach allen Regeln der Kunst auf Vordermann bringen. Wichtigster zentraler Baustein ist dann ein AV-Receiver, der Dolby- oder DTS-Spuren dekodiert und Raumklang wie im Kino erzeugt. Außerdem sollte er natürlich auch Club-Atmosphäre zum „Chillen“ zaubern, klassischen Stereo-Sound liefern, als Radio verwendbar sein und genügend Anschlüsse für liebgewonnene Gerätschaften wie CD-Player oder voll im Trend liegende Schallplattenspieler bereit halten.

Eine Selbstverständlichkeit stellt es bei modernen Mulitmedia-Receivern dar, sämtliche Videosignale von Blu-ray- oder DVD-Playern, Sat- oder Kabelreceivern durchzuschleifen. Je mehr HDMI-Eingangsbuchsen sich auf der Rückseite finden, desto teurer und hochwertiger die „Zentrale“. Ein einziges Kabel liefert über „HDMI-Out“ Bild und Ton zum TV. Kabelsalat ade! Gibt es noch „HDMI Sub-Out“, lässt sich beispielsweise ein Beamer bequem in das System integrieren.

Keine alten Kisten kaufen!

Auf keinen Fall – das tippe ich jetzt mit erhobenem Zeigefinger – sollte man ab sofort Geräte wählen, die das „Dolby Atmos“ oder „DTS:X“-Siegel NICHT tragen. Diese Standards sind zwar jung, verfügen aber über revolutionäres Potenzial. So wie Ultra-HD und 4k-Technik zurzeit Full-HD überflügeln, wird es auch im Audiobereich bald selbstverständlich sein, dass Tonspuren „höher auflösen“, genauer gesagt, das brillante Bild mit glasklaren, dreidimensionalen Raumklang-Landschaften ergänzen. Wir haben darüber an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet. Liebe Leser! Lasst euch keine alten Kisten mehr andrehen, wenn ihr Blu-ray, Ultra-HD Blu-Ray oder den Content von ehrgeizigen Streaming-Anbietern wie Sky, Netflix oder Amazon in vollem Umfang genießen wollt. Ihr könnten sonst der Versuchung erliegen, euch in naher Zukunft selbst in den Allerwertesten zu beißen.

Sämtlich Hersteller haben offensichtlich nicht mit einer so rasend schnell steigenden Nachfrage gerechnet und geben sich im Moment große Mühe, die Kundschaft umgehend mit Dolby-Atmos Hardware zu versorgen. In der Szene hat sich etabliert, dass das DTS-Raumklang-Format DTS:X per Firmware nachgereicht wird. Wie immer stellt man sich bei Yamaha, Onkyo, Sony, Pioneer, Marantz & Co. möglichst breit auf, um mit maßgeschneiderten Lösungen zu locken. Das bedeutet, dass es bei jeder Marke ein Einsteiger-Modell mit moderater Leistung und ein mit High-Tech vollgepacktes Flaggschiff gibt. Dazwischen tummeln sich im mittleren Segment Geräte, deren Preise sich in erster Linie über die Ausgangsleistung der Endstufen definieren. Je mehr Watt, desto mehr Euro – ganz einfach.

Fit für die Zukunft: Pioneers Mittelgewichtler

Fit für die Zukunft: Pioneers Mittelgewichtler

Beginnen wir die Wanderung auf dem Königsweg mit der Vorstellung eines üppig ausgestatteten Netzwerk-Receivers, dem Pioneer VSX-1131-B, der viele Fliegen mit einer Klappe schlägt. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift video wurde die 7.2-Medienzentrale reichlich gelobt: „Dank Apple AirPlay arbeitet der Pioneer reibungslos mit iPhone, iPad und iPod zusammen. An Streaming-Diensten unterstützt er schon heute Spotify Connect. Tidal und Deezer will Pioneer per Software-Update nachreichen. An den Klangeigenschaften des VSX-1131 dürften die Software-Updates jedoch nichts verändern – was sich wohl auch niemand wünschen wird. Denn der VSX-1131 überzeugt von der ersten Sekunde an durch seinen natürlichen und musikalischen Sound“. Für knapp 650 Euro geht der in vielerlei Hinsicht „zukunftssichere“ Japaner über den Ladentisch.

Darf´s ein bisschen mehr sein? Von Marantz gäb´s was Edles. In Mattsilber oder Schwarz. Der Dolby Atmos-Receiver „Marantz SR7009“ (9.2) bringt dank seines elegant-gediegenen Gehäuses Glanz in jede Hütte. Die Kollegen vom Magazin Heimkino zeigten sich begeistert und ordneten das um die tausend Euro teure Gerät ohne zu zögern in die Spitzenklasse ein.

Rekord für Heimkino-Receiver

„Ebenso wie seine Vorgänger wird der Neue selbst anspruchsvolle Heimkinonutzer mit seinen Qualitäten überzeugen. Der Receiver punktet mit einer ausgezeichneten Stereoverstärkung, die das ganze Spektrum an Tonhöhen und Lautstärken einwandfrei wiedergibt. Gleichermaßen werden die Videoeigenschaften des Receivers von der Redaktion gelobt. Im Test der inneren Werte des SR7009 fielen eine detaillierte Feinzeichnung des Klangs und eine immense Räumlichkeit sofort auf. Ein Einrichtungsassistent macht vor allem Einsteigern auf dem Dolby-Atmos-Gebiet das Leben sehr viel leichter, wenn es um die korrekte Konfiguration des Receivers geht“.

Ein großer Trumpf ist, dass der Marantz sich sogar für Auro 3D – sozusagen ein Konkurrenz-Format von Dolby-Atmos – aufrüsten lässt.

Vornehme Erscheinung: der Marantz-SR7009

Vornehme Erscheinung: der Marantz-SR7009

Mit einem Heimkino-Receiver-Rekord wartet der Onkyo TX-NR3030 auf: er hat elf Endstufen mit jeweils 185 Watt Leistung unter der Haube, die es erlauben, Dolbys neues Sound-System in voller Pracht zu genießen. Acht HDMI-Eingänge, drei HDMI-Ausgänge, 4K-Videoverarbeitung mit HDMI 2.0 und HDCP 2.2, Unterstützung der meisten Streamingdienste, THX-Lizenzierung nach Select2-Plus-Standard, Präzision, Transparenz und Straffheit bis in den Tiefbass beim Klang – viel mehr brauchen nur wenige Freaks. 1700 Euro sind zwar eine ganz schöne Stange Geld, dennoch darf man von einem angemessenen Preis sprechen.

Selbst verwöhnte Musikliebhaber und eingefleischte Puristen lobten den neutralen, dennoch aber weichen Klang und schwärmten von den immensen Leistungsreserven des Boliden. Er schaltet auf Wunsch Stereo-Signale direkt zu den Endstufen durch und lässt jenen analogen Klang aufleben, den gerade Schallplatten-Fans oft schmerzlich vermissen. Auch CDs oder SACDs klingen genau so, wie der Toningenieur das beim Abmischen ausgetüftelt hat. Wer nicht alle elf Kanäle für Dolby Atmos oder DTS:X nutzen will, kann über die Multiroom-Funktion andere Zimmer beschallen. Komplizierte Einmessvorgänge erspart das Audyssee-System. Ein (mitgeliefertes) Mikrofon wird am bevorzugten Sitzplatz (Hotspot) aufgestellt, der Onkyo sondert rauschende und zischende Testsignale ab – schon passt der Sound perfekt.

Nicht unbedingt Regal-kompatibel

Aber Aufpassen beim Aufstellen! In der Schwergewichtsklasse der Unterhaltungselektronik sind die Champions 20 Zentimeter hoch und 47 Zentimeter breit. Es ist keine gute Idee, sie in enge Regalsysteme mit dünnen Böden zu zwängen, da sie viel Luft brauchen, um die Endstufen und das Netzteil zu kühlen. Außerdem bringen sie 25 Kilo oder mehr auf die Waage.

Onkyos Flaggschiff protzt mit elf Endstufen

Onkyos Flaggschiff protzt mit elf Endstufen

Zu guter Letzt ein Versuch des Autors, diese magische Formel „mehr Watt = besserer Klang“ aufzudröseln. Vielleicht so: Sowohl mit einem VW-Polo, als auch mit einem 7er BMW kann man auf der Autobahn mühelos 130 Stundenkilometer schnell fahren. Um zu erahnen, was den Unterschied ausmacht, muss man kein KfZ-Experte sein. Während der kleine Polo sich bereits seiner Höchstgeschwindigkeit nähert und sein kleiner Motor beachtlich „kurbeln“ muss, nimmt man im BMW noch überhaupt keine Anzeichen von „Anstrengung“ oder gar „Grenzbereich“ wahr.

Ähnliches spielt sich in Verstärkern ab. Die Kleinen, die schwach auf der Brust sind, fangen schon an zu schreien, (Clipping) wenn ihnen von schnellen Impulsen in kurzen Abständen harte Spurts abverlangt werden, die Großen schalten die Lüfter erst dezent zu, wenn sich Film- und Musikfans längst an Open-Air-Festival-Niveau oder Volldampf im Multiplex-Kino gewöhnt haben. Letzte Anmerkung: von den drei hier vorgestellten Geräten kommt bei „Tempo 130“ keines ins Schwitzen.

Im nächsten Teil dieser (hoffentlich interessanten) Ausführungen widmen wir uns der Boxen-Frage. Sieben, neun oder elf Stück? Kabel, Bluetooth oder Funk? Front, Center, Surround, Dipol, Down- oder Top-Fire? Welche Mixtur macht am Glücklichsten?