Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen neuen, modernen Fernseher anzuschaffen, kommt um Samsung nicht herum. Die südkoreanische Marke ist quasi zum Synonym für Ultra-HD-TVs geworden. Allerdings besteht das, was man sich im weitesten Sinne unter dem Begriff „Heimkino“ vorstellt, längst nicht mehr nur aus einem Flatscreen an der Wand.

Zwar hat auch Samsung allerhand Soundbars und Surround-Set-Up-Systeme im Portfolio, aber so richtige Kois im Karpfenteich sind die Seouler, was den Audiobereich anbelangt, nicht. Gegen den japanischen Konkurrenten Sony mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich Unterhaltungs-Elektronik nehmen sie sich beispielsweise eher unscheinbar aus.

Divide et Impera

Was tut ein finanzstarkes, innovatives Unternehmen in so einem Fall? Genau – es investiert. Kauft auf. Hersteller von Rang und Namen, die ein wenig „schwächeln“, werden sozusagen freundlich übernommen. Sodann verfährt man nach dem altrömischem Grundsatz Divide et Impera – „Teile und herrsche“. Jeder darf sein eigenes Süppchen weiter kochen, unterm Strich bildet man eine Einheit.

Von wegen „die spinnen, die Römer“! Genau so wenig wie die Koreaner, die sich schon renommierte Audio-Profis wie AKG, Harman, Infinity oder JBL „einverleibt“ haben und nun auch nach der britischen HiFi-Schmiede Arcam griffen.

Die Gentlemen aus Cambridge

Wer sich jetzt verlegen am Kopf kratzt, weil ihm der Name nicht geläufig ist, muss sich nicht grämen. Das Unternehmen aus Cambridge ist für qualitativ hochwertige, hochpreisige Lautsprecher und Empfänger bekannt, die gewöhnlich nicht in den Regalen von Elektronik-Märkten zu finden sind. Very fine, very British, very expensive!

Scott Campbell, Director Sales und Marketing bei Arcam, spricht einen Toast aus: „Wir erwarten, dass die Kombination Wachstumschancen und Vorteile für unsere Kunden bringt. Wir glauben, dass dies eine beispiellose Gelegenheit ist, die Entwicklungsmöglichkeiten von Arcam zu erweitern und seine Produktpalette in neue Märkte zu bringen.“

Armada unter neuem Flaggschiff

Arcam hat in jüngster Zeit in der high-endigen „Szene“ vor allem mit seinen AV-Receivern für Aufsehen – besser gesagt: Aufhorchen – gesorgt. Flaggschiff einer neuen englischen Armada ist der neue, 5500 Euro teure Arcam AVR850. In hifitest.de war zu lesen, dass dieses Gerät im biederen Gewand bereits im Stereo-Modus mit einer unglaublich opulenten Räumlichkeit glänzt, ohne es an Präzision mangeln zu lassen.

Dieser AV-Receiver sei „ein klanglicher Überflieger, der bei Musik und Film Zeichen setzt“. Heimkino-Perfektionisten und Musikliebhaber würden mit dem AV-Boliden ihre wahre Freude haben. Sieben HDMI-2.0a-Eingänge und drei HDMI-Ausgänge sind ein Fundament, auf das man bauen kann.

Endstufen sind eigene Spezialität

Alle sind HDCP2.2-tauglich, selbstverständlich gibt es ARC und natürlich besteht die Möglichkeit, 4K/UHD in üblicher Manier zu verarbeiten. Sieben Endstufen warten auf Einsatzbefehle von Deck: Hier setzten die Entwickler mit ihren G-Klasse-Verstärkern auf eine Arcam-Spezialität, die rund 100 Watt Leistung je Kanal bereitstellen soll.

Bei der G-Klasse handelt es sich laut it.wissen-info um eine spezielle Ausführung des AB-Verstärkers, die mit einer höheren Amplitudenaussteuerung arbeitet. Der AVR850 dekodiert sämtliche derzeit gängigen Tonformate, inklusive Dolby Atmos. DTS:X wird in naher Zukunft per Update nachgereicht.

Der übliche Haken

Bekannter Haken an der Sache: Für ein 7.1.4-Setup wird eine weitere Endstufe benötigt. Ein UKW- und DAB+-Tuner sind an Bord, ebenso gibt es eine kostenfreie App namens MusicLife in den Stores, der Receiver kann über das Netzwerk oder per RS232 und IR-Eingang gesteuert werden. So weit, so gut, aber eben nicht revolutionär.

Diesen Kaufanreiz deckt – zumindest für Audiophile – allein schon das „Dirac Live“ Raumkorrektur-System von Arcam ab. Es wurde nach Herstellerangaben speziell auf die „Bedürfnisse“ der Arcams zugeschnitten. Üblicherweise haben die Receiver die nötige Rechenpower an Bord, um die Raumakustik-Berechnungen durchführen zu können.

Mac oder PC wird verlangt

Der AVR850 benötigt im Gegensatz dazu einen Mac oder PC, der mit der mitgelieferten Mini-Soundkarte und dem Messmikrofon  an neun Punkten im Raum alle klangrelevanten Daten ermittelt. Hierzu zählen die Lautsprecher-Art, die Lautsprecher- Distanz, die Lautsprecher-Lautstärke sowie problematische Resonanzfrequenzen, die per Filter entzerrt werden sollen.

Mit einer Klangqualität, die viele Wettbewerber weit hinter sich lässt, handelt es sich nach Aussage von namhaften Experten bei den Arcam AVRs zweifelsfrei um audiophile Produkte. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um unglaublich realitätsnah wiedergegebene Surround- oder Stereo-Musik handelt.

Der aktuell beste 3D-Receiver?

Auf der Homepage von Hifi-Regler heißt es: „Dolby Atmos und DTS-X sorgen in Verbindung mit Arcams legendärer Verstärker-Technologie für einen fesselnden Klang, der überall im Raum perfekt verteilt wird. Dabei spielt es keine Rolle ob man Musik hört, Filme oder TV-Shows anschaut oder mit der Spielkonsole aktiv ist.“

Die Tester von LowBeats stellten die provokante Frage „Kann der Arcan der aktuell beste 3D-Receiver sein?“ und lieferten die Antwort gleich mit: „Nicht für jedermann. Aber für denjenigen, der sich auskennt, dessen Hauptaugenmerk dem guten Ton gilt und der nicht jedes Ausstattungs-Feature braucht, das sich die fleißigen japanischen Entwickler der Mitbewerber gerade wieder ausgedacht haben, eindeutig: JA! Die klangliche Performance des Arcam AVR 850 ist herausragend und sicher das Beste, was sich aktuell mit einem AV-Receiver erzielen lässt“.

 

Technische Daten:

  • Dauer-Ausgangsleistung, pro Kanal, 8 Ohm / 4 Ohm: Zwei Kanäle, 20Hz – 20kHz, <0.02% THD – 120W/200W
  • Zwei Kanäle, 1kHz, 0.2% THD – 130W/210W
  • Sieben Kanäle, 1kHz, 0.2% THD – 100W/180W
  • Restrauschen und Brummen < 0,15 mV
  • Stereo Line-Eingänge:
  • Signal-/Rauschabstand (A-wtd, Stereo Direct): 110 dB
  • Frequenzbereich: 20 Hz – 20 kHz ± 0,2 dB
  • Videoeingänge: 7x HDMI (1x MHL kompatibel)
  • Videoausgänge: 2x HDMI Zone 1 (ARC), 1x HDMI Zone 2
  • Audioeingänge: 7x HDMI 4x Digital Koaxial 2x Digital Optisch 6x Analog 1x 3,5mm klinke 1x USB Ethernet Client Internet Radio ARC (from display)
  • Audioausgänge: 7.1.4 Pre-amp Out; 12x RCA Phono; Zone 2 output – RCA Phono
  • Radiotuner: FM / DAB / DAB+
  • Sourround Dolby Atmos
  • Dolby Surround DTS-HD Master Audio
  • DTS-ES 6.1 Discrete
  • DTS-ES 6.1 Matrix
  • DTS 5.1 Leistungsaufnahme (maximal): 1,5 kW (Wärmeabgabe ca. 5200 BTU/Stunde)
  • Leistungsaufnahme (Standby): < 0,5 W 2x 12V Trigger 2x IR in 1x 6V rSeries PSU
  • Abmessungen: B x T (einschließlich Lautsprecherterminals) x H (einschließlich Füße) 433 x 425 x 171 mm
  • Gewicht (netto) 16,7 kg Gewicht (mit Verpackung) 20,0 kg