Was ich immer sage: das starke Geschlecht auf diesem Planeten setzt sich automatisch durch. Immer. Allein wegen seiner natürlichen Autorität. Aber die Frau ist und bleibt der beste Freund des Menschen! Unsere Gemahlinnen haben nach sechs Tagen, in denen sie uns mieden, ihr ungerechtes Verhalten voll eingesehen und sind reumütig zu uns ins Vereinsheim zurück gekehrt.

Zu ersten spontanen körperlichen Kontakten (ich meine Umarmungen!!) mussten sie sich zwar angeblich überwinden, weil sie behaupteten, wir selbst und unsere Bude würde olfaktorische Eindrücke aus einem Affenhaus im Zoo an ihre empfindlichen Näschen übermitteln, aber nachdem sie sämtliche Fenster und Türen in unserer Übergangs-Behausung weit aufgerissen hatten, ging´s wieder und sie sicherten uns sogar lebhafte Unterstützung beim weiteren Heimkino-Bau zu.

Heimliche Freude mannhaft überspielt

Wir machten einen auf ober-cool und ließen uns keinerlei Zeichen von Rührung anmerken, als wir unsere Schlafsäcke einrollten und uns schon riesig auf Daheim, ausgiebiges Duschen, frische Klamotten, die Couch und die Kinder freuten. „Lasst uns schauen, ob unsere Familien ihrer Oberhäupter wieder würdig sind“, sprach ich zu unserer allgemeinen Ehrenrettung – dann stoben wir samt unserer besseren Hälften in alle Himmelsrichtungen auseinander.

Jetzt machen wir weiter mit Heimkino: unser „großer Saal“, vorne mit Podest für die Haupt- und Center-Lautsprecher sowie Subwoofer im Sockel ist mittlerweile mit einem dicken, schwarzen Teppich ausgelegt. Und nicht nur das! Unser Drei-Finger-Schreiner Erich bestand darauf, weitere Plattformen auszugestalten, nachdem ihm von allen Seiten großes Lob widerfuhr.

Für unsere drei viersitzigen Kino-Couches „Artana“ aus pflegeleichtem, robusten Kunstleder „und mit allen Schikanen“, wie Günni bei jeder unpassenden Gelegenheit anzumerken pflegt, hat er – mehr in der Funktion eines „Regisseurs“ als eines Handwerkers – Manni und Schorsch beim Zusammenschustern von zwei Erhöhungen im Zuschauerraum angespornt und überwacht. Sie wurden dann ebenfalls mit Teppich überzogen (also die Erhöhungen, nicht Manni und Schorsch!).

Präventive Maßnahmen zur Konfliktvermeidung

Erichs plausibelste Begründung: „damit der Günni, der lange Lulatsch mit seinem schadhaften Lockenkopf dem kleinen dicken Leo nicht die Sicht versperrt und dann wieder bloß gemeckert und gerauft statt anständig und diszi-, äh, halt ordentlich geguckt wird“. Klang im ersten Moment einleuchtend, hätte sich eventuell aber auch „entschärfen“ lassen, indem der Günni hinten und der Leo vorn Platz genommen hätten. Aber egal.

Boxen, Subwoofer und Sitzgelegenheiten.

Boxen, Subwoofer und Sitzgelegenheiten.

Insgesamt war eine vertikale Staffelung der Sitzmöbel ganz gewiss die bessere Lösung. Damit in der Dunkelheit niemand stolpert oder sich den Haxen verknackst, waren taktisch klug blau leuchtende LED-Ketten installiert worden, die primär der Orientierung dienten, wenn gewisse Dränge Mit-Glieder dazu zwangen, möglichst unfallfrei ein stilles Örtchen aufzusuchen.

Über das Thema „Boxen“ haben wir lange diskutiert. Irgendwie hatte sich jeder „Lost Boy“ schlau gemacht und kam mit durch die Bank tollen Vorschlägen daher. Vorne Klipsch, hinten Heco oder umgekehrt. Kombinationen oder reinrassige Sets von Canton, Dynaudio, Elac, JBL oder gar Nubert. Irgendwann war es am Vorsitzenden, ein Machtwort zu sprechen – natürlich im angemessenen Ton.

Ein Appell an die Vernunft

„Liebe Brüder! Ich glaube, ihr spinnt entweder alle komplett oder habt nicht mehr alle Latten am Zaun! Jeder von euch weiß, wie es um unser, hüstel, Budget, bestellt ist. Lasst uns deshalb jetzt, hier und heute in diesem, unserem Vereinsheim hoch fliegende Hi-End-Träume beerdigen und uns auf dem soliden Fels der Vernunft Aufstellung nehmen“!

„Hä?“

„Weiß auch nicht, was er will, der hat gestern wohl ein alkoholfreies Bier erwischt“.

Ich reagierte nicht auf derlei substanzlose Einwände, sondern schrie ein einziges Wort in die Runde – und zwar ziemlich laut: „Teufel“!

„Echt Scheff, ich war das nicht – der hat angefangen…“, stotterte der von Natur aus schreckhafte Manni, den ich offenbar unbewusst an eine seiner bisher nicht publik gewordenen Schandtaten erinnert hatte und zeigte auf seinen Kumpel Schorsch, der panisch den Kopf schüttelte und schon auf dem Absatz kehrt machte, um sein Heil in der Flucht zu suchen.

Giovanni fürchtet sich vor finsteren Mächten

Zeit zum Eingreifen:

„Mit Teufel meine ich nicht euch, sondern den gleichnamigen Lautsprecher-Fabrikanten aus Berlin“, brüllte ich.

„Ach so, der!“, winkte Leo mit überstrapazierter Kennermine ab, während sich Giovanni mehrmals bekreuzigte.

„Dem geht ä nix! Bist du geworde total wahnsinnicke?“, schrie er mir wild gestikulierend zu. Ich bemerkte, dass er leichenblass war und ihm dicke Schweißtropfen über das Antlitz kullerten.

„Kanna ma nix unterstütze de Satanico in persona, de Diabolo von unten drin in de Hölle, ohne dass hole uns alle zusamme schleunigst tutto kompletti da Deifi!“

Günni war lange Zeit damit beschäftigt, unserem Kameraden gut zuzusprechen und ihm gleichzeitig Ramazotti einzuflößen, bis der sich endlich beruhigt und zur Kenntnis genommen hatte, dass Teufel lediglich ein Firmenname und nicht die nach Schwefel stinkende Adresse des Leibhaftigen war.

Fünf Mal Ultima und 500 Watt

Es war halt einfach zu praktisch: fünf Mal die Standbox Ultima 40 (Front-, Center- und Surround) für insgesamt 750 Euro, ein Mal den Subwoofer S8000SW für 2000 Euro und alles war im Lack! Teufels immer wieder verbesserte und optimierte Lautsprecher-Legende ist das Universal-Arbeitspferd schlechthin. Sie kommt mit so gut wie jedem Verstärker zurecht, klingt voluminös, hat reichlich Bassdruck im Kreuz und brilliert ganz nebenbei mit hoher Sprachverständlichkeit, was ja gerade im Heimkino wichtig ist. Statt des für Wohnzimmer üblichen Center-Lautsprechers haben wir uns für eine dritte Box in der Mitte entschieden. Platz genug haben wir ja.

Als ich erstmals beichtete, dass der für unsere Zwecke optimale Subwoofer fast 2000 Euro kostet, wurde einigen Jungs schwindelig. „Ey Mann, mein erstes Moped hat nicht so viel gekostet“, motzte Schorsch und ich kam nicht umhin, ihn daran zu erinnern, dass dieser Kauf im Jahre 1976 getätigt wurde und in Relation zum Kurs des Euro…

Ich musste das Problem anders lösen: „Wieviel Kubik hat dein Bock gleich wieder“?

„500 – geht ab wie Nachbars Lumpi“!

„O.K. Der Brummtopf, über den wir hier reden, hat 500 Watt“!

„Hättest du gleich sagen müssen, du Hirni! Genauso viele Watt wie Kubik für 2000 statt 6000 Euro – Super Angebot“!

Leo´s neueste Macken und ihre Konsequenzen

Manni stellte eine fachmännische Frage: „Wenn jetzt zum Beispiel in unserem Kino ein Zug durchfährt oder ein Flugzeug abstürzt – macht das dann auch ordentlich Spaß? So mit Kribbeln im Bauch?“

Ich schielte in den Prospekt: „Ein Pegel von 114 dB bei 40 Hz spricht eine deutliche Sprache. Das ist eine absolute Höchstleistung. Führend verantwortlich für die unglaubliche Performance des S 8000 SW ist die Verwendung eines in vielen Arbeitsschritten entwickelten Tieftöners mit hoher Langhubigkeit bei gleichzeitiger hoher klanglicher Präzision. Dank der neuen DSP-Einheit erzielt der Subwoofer zudem einen noch geringeren Klirrfaktor und höheren Wirkungsgrad. Mit 500 Watt Sinus werden so die gleichen verzerrungsfreien Pegel erzeugt, für die früher deutlich höhere Verstärkerleistungen erforderlich waren. Das aus massivem MDF gebaute, extrem steife und mit zusätzlichen Streben versehende Gehäuse hat abgerundete Kanten. Zudem werden aufgrund der relativ schlanken Bauform unschöne Raummoden reduziert“.

Manni nickte zufrieden, wir vernahmen ein leises Schnarchen. Leo´s neueste Macke! Seit er nicht mehr von seinem Klappstuhl kippen kann, weil er auf einer komfortablen Couch sitzt, nickt er nach spätestens fünf Minuten ein, schläft dann tief und gibt spezifische Geräusche von sich. Wir werden noch heilfroh darüber sein, dass wir – was die Beschallung unserer Hütte angeht – nicht geknausert haben. Bei der Anschaffung eines AV-Receivers dürfen wir keinesfalls sparen! Das wird uns stets bewusst, wenn Leo anfängt zu sägen…