Thema Bildqualität: der Unterschied zwischen DVD und VHS-Videocassette war gigantisch. Beim Vergleich DVD und Blu-ray wurden „die Räume schon enger“, wie es im Fußballdeutsch heißt. Was ist überhaupt von der Ultra-HD Blu-ray zu erwarten? Gibt es vielleicht sogar Nachteile? Ganz grob umrissen ist das die Frage, die sich die Autoren Andreas Sebayang und Sebastian Grüner von Golem.de im Vorfeld eines mehr als ausführlichen, dennoch aber überaus lesenswerten Tests stellten. „Daumen hoch“ oder „Nicht empfehlenswert“- so eindeutig ist das Ergebnis nicht. Die beiden IT-Profis kamen zu einem anderen Fazit:

Aufpassen und nicht vertrauen!

„Nach den ersten Softwarebetrachtungen ist eines klar: Wer beim Filmkauf aufpasst und den Angaben auf der Packung nicht vertraut, der kann einen technisch schön anzusehenden Film erwerben. Dabei ist nicht unbedingt die hohe Auflösung entscheidend. Wir finden HDR insgesamt spannender.

Aber gerade The Martian zeigt, dass auch eine enorm hohe Auflösung viel Spaß machen kann. Noch besser gefällt uns Lucy mit der Kombination aus klar sichtbarer hoher Auflösung und einer wunderschönen Szenerie, die durch HDR sehr viel besser zur Geltung kommt. Nach dem Erlebnis hoffen wir auf eine UHD-BD-Veröffentlichung des neuen Blade-Runner-Films.

Diese Filme zeigen jedenfalls beeindruckend, was möglich ist. Und das obwohl beide noch vom Ideal entfernt sind. Unser Test zeigt aber auch, dass alle Schritte in der Produktion stimmen müssen. Für eine gute 4K-Disc ist Perfektion fast überall notwendig.

Das fängt bei der Kameraarbeit an, die bei weitem nicht bei allen großen und teuren Produktionen gelingt, und hört bei der Verwendung eines vernünftigen Digital Intermediate und auch Special Effects in hoher Auflösung auf. Gerade bei Letzterem hapert es bedauerlicherweise noch. 4K-Animationen haben wir eigentlich nur bei Logos gesehen.

Der Aufpreis für eine gute 4K-Disc lohnt sich in unseren Augen trotzdem. Mit dem richtigen Film ist eine höhere Qualität als in den meisten Kinos zu erwarten, und das trotz der Codec-Schwächen. Uns nervt allerdings die geringe Filmauswahl und dass sich unter den Filmen technisch wirklich schlechte Produktionen befinden. Ein Blindkauf eines Films, den man vielleicht inhaltlich gut findet, ist ein riskantes Unternehmen“.

Perfekt bedeutet nicht immer Optimal

Muss das sein? Jetzt freuen wir uns schon alle so auf die neuen 4K-Blu-ray Player, die ab März in den Handel kommen, und dann machen uns diese beiden Miesepeter die gute Laune madig! Wer sich diesem Gedankengang anschließt, liegt leider falsch. Erstens ist die technische Beweisführung der Herren vollständig und lückenlos, zweitens kann jeder, der ein wenig Ahnung von Fotografie oder Film hat, nachvollziehen, dass „perfekt“ nicht immer ein Synonym für „optimal“ sein muss.

Sämtliche getesteten Filme wiesen eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln auf – andere 4K-Formate schlossen die Tester aus. Die Fernseher unterstützten durch die Bank HDR: Sony Bravia XD93, LG OLED 55B6V und Samsung KS7590. Als Zuspieler wurden der Panasonic UB900, der Samsung UBD-K8500 und das „Einsteigermodell“ Microsoft Xbox One S verwendet. Was sollte da schiefgehen?

Erste Hürden liegen im Auge des Betrachters

„Das Auge muss erstmal lernen, dass ein Film noch besser aussehen kann“, schreiben Sebayang und Grüner. Vollkommen richtig. Ich erinnerte mich spontan daran, wie sehr ich „erschrak“, als ich eine ZDF-Sendung – Frühstücksfernsehen, glaube ich – zum ersten Mal in Full-HD sah. Im Gesicht der durchaus attraktiven Moderatorin waren kleine Risse im Make-Up genauso gnadenlos zu erkennen wie winzige Pickel oder Falten, mit denen wohl jeder Mensch zurecht kommen muss.

Die hohe Auflösung machte Schluss mit der klinischen Reinheit – das gleißende Kameralicht ließ mehr Blicke hinter die Kulissen zu, als man erhaschen wollte. Nach dem Umstieg von DVD auf Blu-ray war ich persönlich total fasziniert von der gnadenlosen Schärfe, doch es gab – wie die IT-Experten versichern – sehr viele Menschen, die exakt das als Nachteil empfanden: „Die Diva schwitzt, der Held ist schlecht rasiert! Schalt aus, das ist ja unerträglich“. Oder so ähnlich.

Gnadenlose Schärfe gebiert auch Unschärfe

Dann die Sache mit der Schärfentiefe. Vollkommen logisch, dass die Ultra-Blu-ray sämtliche Schärfe-Ebenen gnadenlos aufdröseln kann und selbst bei kleinen Blenden gerade deshalb im Auge des Betrachters vermeintliche Unschärfe entstehen kann. Ich darf nochmals zitieren: „Während auf der Blu-ray drei Charaktere hintereinander positioniert in einer Linie Richtung Horizont auf derselben Schärfeebene liegen können, sieht der Zuschauer bei 4K-Material nur den mittleren Charakter scharf, die anderen beiden Charaktere sind eine Schärfeebene dahinter und davor“.

Nach erster Begeisterung lauern Fallen

Dann noch der extreme Kontrast-Umfang wegen HDR, schon kann es zu erstem Gegrummel beim Konsumenten kommen. Hat er sich – im Gegenteil – mit Begeisterung an die neue TV-Welt gewöhnt ist die Gefahr groß, vom 4K-Erlebnis geblendet in die nächste Falle zu tappen. „Bildbetrügereien“ nennen die Tester es, wenn 2K und SDR-Inhalt auf 4K-Discs transferiert wird. Oder „Fake-4K-Produktionen“, teils ohne HDR.

Zeit für klare Worte: „Was im Handel betrieben wird, ist schon ein bewusstes Reinlegen des Käufers. Nach unserer Erfahrung erhält der Anwender in den wenigsten Fällen eine echte 4K-Disc. Die Regel ist eher, dass es sich um hochskaliertes Material handelt. Full-HD/2K wird also auf Ultra-HD/4K hochgerechnet und auf der neuen Blu-ray abgespeichert.
Die Qualitätsvorteile gegenüber der Blu-ray-Disc sind dann – wenn überhaupt – minimal und in jedem Falle enttäuschend. Wenn der erste Vorteil weg ist, bleiben immerhin noch die bessere Farbdarstellung und HDR. Solange Letzteres vernünftig umgesetzt wurde, würden wir sagen, dass sich die Anschaffung noch lohnt“.

Neu bedeutet nicht automatisch 4K

Ein simpel gestrickter Mensch wie zum Beispiel ich denkt sich, dass „neue“ Filme garantiert schon „in 4K gedreht sind“. Stimmt auch nicht! Eher gelte der umgekehrte Fall. Sei der Film ein paar Jahrzehnte alt, wurde er noch analog aufgenommen. Die Negative ließen sich dann putzen, restaurieren und in hoher Auflösung neu scannen.

Dass man in der Internet Movie Database recherchieren kann, ob ein Film „ordentlich bearbeitet“ wurde, ist mir ein schwacher Trost. So viel Aufwand, nur um sicher zu gehen, nicht über den Tisch gezogen zu werden? Zurzeit sind erst wenig mehr als hundert Titel auf dem Markt und schon muss man aufpassen. Da wünscht man sich doch selbst als ein die Freiheit liebender Mensch, der sich vom Beamtentum nicht gerade angezogen fühlt, ordentliche Kennzeichen, Stempel, Siegel oder was-weiß-ich!