Zur Weihnachtszeit – das wissen alle Leute, die Loriot kennen – wird Opa Hoppenstett alle Jahre wieder enorm lästig. Enkel Dickies explodierendes Spielzeug-Atomkraftwerk ist ihm genauso egal wie der „Heinzelmann“, mit dem Mutti nicht nur saugen, sondern auch blasen kann. Er will seine Platte mit Marschmusik hören und dabei im Wohnzimmer schneidig auf und ab marschieren!

In unserer Familie bin ich das schwarze Schaf. Mitten in der Nacht, wenn ich kein Auge zudrücke, weil mir nichts einfällt, über das ich bei Ultra HDTV.net berichten kann, werde ich unruhig. Damit da keine Zweifel aufkommen: mit seniler Bettflucht hat das nichts zu tun. Eher mit Burnout. Woher sonst käme der starke Durst, wenn nicht vom Ausbrennen? Anstatt durch das Haus zu geistern und meine Herde zu erschrecken wird mir dringend empfohlen, mein Zimmer aufzusuchen und „irgendwas zu machen“ – aber leise und mit Kopfhörer!

Gollum und Opa haben „einen Schaaatz“

Dann bin ich so froh wie Gollum aus „Herr der Ringe“, dass ich ihn besitze, „meinen Schaaatz“, den Sony MDR-DS6500 Funkkopfhörer in 7.1 Digitalqualität. Jetzt nicht wieder gleich losquengeln! Ich weiß, dass es dieses segensreiche Gerät schon lange gibt. Ich glaube, man schrieb das Jahr 2012, als es dem deutschen Markt beschert wurde. Und exakt seit dieser Zeit ist es mein einziger Freund, wenn die Familie mich nächtens verstößt.

Oder auch tagsüber. Ich liebe Action-Filme und freue mich wie ein Berserker, wenn der 800-Watt Subwoofer „downfired“, dass die Couch angenehm vibriert und Bücher im Regal umfallen. Als ewiger Ozzy Osbourne-Fan gehe ich ab wie ein Zäpfchen, sobald „der Meister“ den „Crazy Train“ startet oder – mit mir im Background – „Mama I´m Coming Home“ röhrt, während Gitarren-Gott Zakk Wylde seiner Gibson die Sporen gibt.

Ein „guter Kompromiss“ – jetzt deutlich günstiger

Meistens dauert es nicht lange, bis an meine Tür gehämmert und entsetzlich laut „leiser“ gebrüllt wird. Ich kann maximal noch fünf Minuten herausschinden, bevor mir ernsthafte Konsequenzen angedroht werden. Dauernd soll ich mich schämen, weil ich so rücksichtslos bin. Ständig werde ich zum Buhmann gemacht, zum schlechten Vorbild für die Enkelkinder erkoren – dabei bin ich der Chef von diesem Puff! Verzeihung.

Überall heißt es, man soll ältere Menschen sozial einbinden, aber ich werde abgeschoben und gemobbt. Mehr der Not gehorchend, als der eigenen Tugend folgend, habe ich mir den Surround-Funkkopfhörer für damals 279 Euro gekauft. Heute ist er zum Beispiel bei redcoon deutlich günstiger. Nie im Leben würde ich verkünden, dass der Klang auch nur annähernd berauschend wie der infernalische Höllensound meiner legendären JBL-TI5000-Boxen ist, die von einem fetten Onkyo-Receiver auf Trab gebracht werden – doch auf die Bewertung „guter Kompromiss“ würde ich mich glatt vereidigen lassen.

Auf seiner schmalen Ladestation ruhend, sieht Sonys MDR-DS6500 recht elegant aus. Zwanzig Stunden Dauerbetrieb schafft er locker. Nichts brummt oder fiept, der Ton ist digital „astrein“. Ganz super finde ich die Möglichkeit, den Kopfhörer sowohl digital über Toslink als auch analog über Cinch in die Anlage einzubinden. Per Lichtleiter stelle ich Kontakt zum Samsung Ultra-HD her, die Cinch-Kabel führen zum Receiver. Umschalten von digital auf analog ermöglicht ein flacher Schalter an der Station.

Ein „Satz heiße Ohren“ nach mehreren Stunden

Aufgrund der geschlossenen Bauweise des Kopfhörers wird man angenehm von störenden Einflüssen abgeschirmt. Der Tragekomfort ist sehr gut, bei hohen Umgebungstemperaturen im Sommer oder nach mehrstündigem Einsatz kann es schon mal „einen Satz heiße Ohren“ geben. Öfters mal ein kurzes Päuschen einlegen und an der Tür erlauschen, ob sich die Lage wieder beruhigt hat, ist mein Geheim-Tipp.

100 Meter Reichweite sind hingegen ein recht theoretischer Wert, der vielleicht auf „freiem Feld“, niemals aber in einer handelsüblichen Wohnung mit Zimmerwänden und Türen gilt. Für mich stellt das keinen Schwachpunkt dar. Ich will mein Reservat eh nicht verlassen, nur um blöd angemeckert zu werden. „Opa grantelt wieder“, vernehme ich öfters beim Lauschangriff und dann kann ich förmlich sehen, wie die Bagage die Augen verdreht und sich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippt!

Jetzt zum wichtigsten Kriterium: 7.1 Sound? Haut das hin? Im Prinzip schon, antworte ich diplomatisch weise. Die akribische Arbeit und die jahrzehntelange Erfahrung der Ingenieure und Entwickler sind durchaus „hörbar“. Bei „American Horror Story“ bin ich neulich sakrisch zusammengezuckt, als plötzlich direkt hinter mir ein Halbtoter Spektakel machte.

Sehr räumlicher Klangeindruck, solides Bassfundament

Insgesamt bleiben solche Effekte jedoch die Ausnahme. Der Klangeindruck ist sehr räumlich, direkt orten lassen sich sieben einzelne Schallquellen indes nicht. Nicht zuletzt kommt es halt immer auch auf die Qualität des Soundtracks und das Engagement des Tonmeisters an. Sehr gut finde ich die Möglichkeit, vom Kino-Klang auf normales Stereo oder andere Modi für Spiele und höhere Sprachverständlichkeit umschalten zu können.

Die 40-mm-Treiber gehen mit ordentlich Bassdruck zur Sache und decken einen großen, dynamischen Frequenzbereich ab. Schade, dass man an der Station nur einen Kopfhörer betreiben kann. Für Pärchen, die in einer hellhörigen Mietwohnung ein bisschen Heimkino spielen wollen, wäre ein zweiter Anschluss optimal.

Ansehen der Senioren in Asien im Vergleich zur westlichen Welt

Da in der japanischen Gesellschaft alte Menschen ungleich höher geschätzt werden als hierzulande, hat man meiner festen Überzeugung nach bei der Konzipierung des Surround-Kopfhörers in erster Linie an „ehlenwelte Hellen“ (ehrenwerte Herren) wie mich gedacht. In Nippons Einzelhandel wird dem avisierten Käufer, dem erfahrenen, in Würde ergrauten Sensei, garantiert mit tiefer Verbeugung der Karton überreicht.

Dass noch vereinzelt Rudimente des respektvollen Umgangs mit Senioren in unserer verwahrlosten westlichen Zivilisation schlummern, bewies neulich sogar meine Frau. Sie verbeugte sich tief vor mir und sprach „komm endlich unter dem Tisch vor, du alter Depp“! Ich verzeihe ihr nachträglich, ohne nachtragend zu sein, denn Geburtstage von weiblichen Ehepartnern darf man NIEMALS vergessen. Weihnachtsgeschenke ebenfalls nicht und vielleicht fällt dem einen oder anderen geschätzten Leser sogar prompt jemand ein, dem man mit dem Sony eine prima Bescherung bereiten könnte?