Wie kürzlich auf laut.de zu lesen war, ist der Record Store Day inzwischen zur festen Institution im musikalischen Kalenderjahr geworden.  Mehr als 250 Plattenläden in Deutschland, Österreich und der Schweiz verkaufen zu diesem Anlass exklusives Vinyl, LPs, Maxis, Singles und Boxsets. Auch die Musik-Kassette hat – wie der deutsche „Rolling Stone“ berichtete – beim Record Store Day längst ein neues Zuhause gefunden. Folgt dem kommerziellen Hype um die endliche Ressource Vinyl jetzt ein weiterer Sprung zurück in die Geschichte der Ton-Konserven?

„Schluss mit dem Vinyl-Hype! Es lebe die Kassette! Bald laufen wir wieder alle mit Walkmans durch die Gegend“, jubelte ein etwas zynisch veranlagter Leser und merkte augenzwinkernd an, dass auch er einer jener vermeintlich Glücklichen ist, die noch ein Tapedeck besitzen.

Back auf Band

Die Wiederveröffentlichung von AC/DCs legendärem Album „Back in Black“  aus dem Jahr 1980 geriet zum medialen Paukenschlag: in einer Auflage von 2500 Stück ist (oder besser gesagt: war) die ursprüngliche schwarze Scheibe als 1:1-Neuauflage der damaligen MC in „ausgewählten Geschäften“ auf Kassette bei RCA Records erhältlich.

laut.de: „Der Langspieler markiert das erste Album der Veteranen ohne Leadsänger Bon Scott, der wenige Monate zuvor nach einer durchzechten Nacht an seinem eigenen Erbrochenen erstickt war. Die Band verpflichtete in der Folge Brian Johnson als Sänger. Auf den Bahamas aufgenommen, avancierte „Back In Black“ zu einer Erfolgsgeschichte und ging in den USA über 22 Millionen Mal über die Ladentheke – bis heute nimmt die Scheibe Platz sechs auf der Liste der meistverkauften Alben ein“.

Audiophiler Jurassic-Park

Download, Disc, Scheibe und jetzt also noch Compact-Cassette. Ob das Meisterwerk der australischen Hard-Rocker in absehbarer Zeit auch auf Schellack-Platte zum Abspielen auf mit groben Nadeln bestückten Grammophonen der Neuzeit angepriesen wird? Nichts ist Unmöglich – soviel ist sicher.

Einer Meldung von Statista zufolge erfreut sich die gute alte schwarze Langspielplatte ausgerechnet seit Beginn des neuen Jahrtausends wachsender Beliebtheit. Kurz nach dem Aufkommen von Tonband-Kassetten und später vor allem der CD war die empfindliche Scheibe, die von nicht wenigen Fachleuten als das schwächste Glied in der HiFi-Kette angeprangert wurde, quasi in der Versenkung verschwunden.

Totgeglaubte kehren zurück

Im vergangenen Jahr kauften Vinyl-Liebhaber hierzulande 3,3 Millionen LPs – Tendenz weiter steigend. Totgeglaubte leben eben länger, feixt Statista. Und dokumentiert fast schon lässig in einer Infografik, dass mit dem Absatz antiquierter Tonträger natürlich auch der Verkauf spezifischer Abspielgeräte floriert. Der Plattenspieler spielt in der audiophilen Szene längst wieder eine bedeutende Rolle.

Wie die Statista-Grafik zeigt, haben sich die Verkaufszahlen solcher Gerät seit 2015 nahezu verdoppelt. Die Musikindustrie ist vor Freude ganz aus dem Häuschen. Experten erkennen gar eine Gegenbewegung zur alles bestimmenden Digitalkultur: „Analoge Technik wird wiederentdeckt!“, lautet das Credo.

Der Film fehlt noch

Kann es wirklich wahr sein? Müssen wir wirklich nicht mehr lange warten, bis „endlich“ wieder Spiegelreflexkameras auf den Markt kommen, die Speicherkarten verpönen und nur mit einem echten Film aus richtigem Zelluloid geladen werden wollen? Den man mit 36 Bildern gewissenhaft vollknipsen und dann zum Entwickeln bringen muss, um Negative und Papierabzüge zu erhalten? Wie sieht der Hipster von morgen aus?

Ich tippe auf die üblichen zotteligen Gesellen in Batik-T-Shirts und mit 50er-Jahre Kassengestell auf der Nase, die breit grinsend ausgewachsene Tonband-Maschinen lässig an einem Lederriemen um die Schulter transportieren und üppig verkabelte, monstermäßige Kopfhörer mit Antennen zum Radioempfang auf dem Haupte tragen. Warum sie das tun werden? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Aber sie werden es tun!