Ein Humidor ist, wenn man es so banal ausdrücken möchte, eine hölzerne Schachtel zur optimalen Aufbewahrung edler Zigarren. Exemplare dieser Gattung kann man in Szenen vieler Filme bestaunen, in denen sich  Gentlemen oder Halunken der Vernichtung von alkoholischen Getränken widmen und gleichzeitig „ihren Krebs füttern“, wie Nichtraucher augenzwinkernd scherzen.

Einen Humidor gibt es jetzt sogar vom deutschen Boxen-Hersteller Magnat. Das lässt gleich am Anfang Aufhören! Denn von Zigarrenkisten haben die oft gefeierten Ingenieure dieser Firma nicht die leiseste Ahnung. Was indes ein Lautsprecher können muss, um in der Fachwelt als „gut“ oder „sehr gut“ zu gelten, wissen sie ganz genau.

Das Beste aus zwei Welten

Die pfiffigen Tüftler brachten quasi das Beste aus zwei Welten zusammen: Prächtiges, zweifarbiges Zedernholz, das sich als prunkvolles Material für Zigarren-Kisten geradezu aufdrängen würde sowie modernste Technik und ganz besondere Schallwandler aus eigener Produktion.

„Das unverwechselbare Äußere des Magnat-Humidor beruht auf sorgfältig abgewogenen Design-Entscheidungen, sein präziser und gleichzeitig kräftiger Klang auf jahrzehntelanger Entwicklungserfahrung und Magnat-Technologien“, teilt der ehrgeizige Hersteller mit.

Sandwich und Seide

Für den Tiefmitteltöner komme beispielsweise eine spezielle Keramik-Aluminium-Sandwich-Membran zum Einsatz. Dieser Materialverbund sorge für ein optimales Verhältnis aus Steifigkeit und innerer Dämpfung, was wiederum in einer ausgewogenen Klangwiedergabe resultiere. Als Hochtöner fungiert eine Seidenkalotte mit breiter Sicke für ein verbessertes Abstrahlverhalten.

 

„Das zweifarbige Echtholzfurnier aus Zedernholz und die Metallelemente im Champagner-Farbton zeigen auf den ersten Blick, dass es sich nicht um eine 08/15-Box handelt“. Magnat plustert sich mächtig auf.
Höchstwahrscheinlich auch, um den doch recht stattlichen Preis von 799 Euro für zwei Schmuckstücke mit den Abmessungen von 14 x 25 x 26 Zentimetern zu rechtfertigen.

Gold und Acryl

Magnats Humidor sei wie viele seiner Brüder und Schwestern mit dem speziellen Klippel-Lasermesssystem entwickelt worden, um eine homogene akustische Abstimmung zwischen MDF-Gehäuse, Treibern und interner Elektronik zu erreichen.

Des Weiteren wird stark betont, dass die Entwickler auf eine phasen- und amplitudenoptimierte Frequenzweiche mit besten Bauteilen sowie vergoldete und acrylversiegelte Anschlussklemmen für entsprechend hochwertige Lautsprecherkabel setzten.

Weniger wäre oft mehr

In Summe ergebe diese „exquisite Komposition von Materialien und Komponenten“ einen „Kompaktlautsprecher der Spitzenklasse“ mit einem Frequenzbereich von 34 bis 50.000 Hertz sowie einer Belastbarkeit von 75 beziehungsweise 150 Watt (RMS/maximal), lässt Magnat wissen. Ich wage es tatsächlich, zu intervenieren:

50.000 Hertz sind zwar Hi-Res, 34 Hertz im Tieftonbereich jedoch ein bisschen zu mager für das Prädikat Spitzenklasse, wenn man bedenkt, dass das Gehör des Menschen bereits bei 20 Hertz anspringt. Dass es schier unmöglich ist, einem so filigranen Lautsprecher echten Tiefbass einzuhauchen, ist mir bekannt. Deshalb täten ein paar Superlative weniger der Glaubwürdigkeit einer Pressemeldung sicher gut. Aber klappern gehört eben zum Handwerk!