Wer leidenschaftlich gern fotografiert, Videodrehs liebt, technisch versiert und anspruchsvoll ist, sollte einen genaueren Blick auf die Panasonic LUMIX S1H werfen: eine neue spiegellose digitale Systemkamera mit Vollformat-Sensor und üppigen Videofunktionen. Noch dazu ist die S1H die weltweit erste Kamera, die Videoaufnahmen mit 6K/24p (Seitenverhältnis 3:2), 5,9K/30p (Seitenverhältnis 16:9) oder 10-Bit 60p 4K/C4K ermöglicht.

Aus den hochauflösenden Daten können unter anderem 4K Videos mit höherer Bildqualität erstellt oder Bilder in 4K zugeschnitten werden. Klingt schon mal sensationell und lässt auch einen entsprechend spektakulären Preis erwarten, oder? Halb so schlimm! Panasonics Neueste schlägt mit einem Gehäusepreis von 3999 Euro zu Buche.

Allerhand Raffinessen

Ich schreibe es lieber gleich: dass dieser knapp formulierten Einführung ein ellenlanger Text folgt, ist angesichts all der Raffinessen der Spiegellosen quasi unvermeidbar. Selbst alte, mit allen Wassern gewaschenen Profis werden bei der Lektüre aber an der einen oder anderen Stelle große Augen machen. Packen wir´s an:

Der neu entwickelte 24,2 Megapixel Vollformat-Sensor mit Tiefpassfilter nutzt die Dual-Native-ISO-Technologie mit zwei Grundempfindlichkeiten für minimales Rauschen bei hohen Empfindlichkeiten. Die Dual-Native-ISO-Werte mit V-Log betragen 640 für LOW (ISO 640-5000) und 4000 für HIGH (ISO 4000-51200).

Niveau von Kinokameras

Der Dynamikbereich der S1H mit über 14 EV-Stufen entspricht – kein Witz! – dem Niveau von Kinokameras. Ihr V-Log/V-Gamut ist kompatibel mit dem populären „VariCam“-Cinema-Look. Aufgrund Panasonics wärme ableitender Technologie und einem integrierten Lüfter kennt die S1H kein Limit, was die Aufnahmezeit in allen Aufnahmemodi anbelangt.

Darüber hinaus sind HDR mit HLG (Hybrid Log Gamma), ein 4:2:2 10 Bit HDMI Ausgang und ein anamorpher 4:3-Modus verfügbar. Die neue „große“ LUMIX ist mit einem Gehäuse-integrierten Bildstabilisator (Body I.S.) zur effektiven Kompensation von Kamerabewegungen bei Aufnahmen aus freier Hand ausgestattet.

Schwenkbarer Touchscreen-Monitor

Die Kombination von Body I.S. (5-Achsen) und dem O.I.S. (Optischer Bildstabilisator, 2-Achsen) der Objektive der LUMIX S Serie zum Dual I.S.-System verbessert den Schutz vor Verwacklungen noch weiter. So werden bis zu 6,5 Stufen längere Verschlusszeiten bis in den Telebereich von 200mm möglich.

Der frei schwenkbare Touchscreen-Monitor, der Echtbildsucher und das großformatige Schulter-Display auf der Kamera zeichnen sich durch hohe Auflösung aus. Ein wetterfestes und robustes Gehäusedesign bürgt für professionelle Zuverlässigkeit.

Bald 45 Objektive verfügbar

Das spiegellose 35mm-Vollformat-Kamerasystem der LUMIX S-Serie nutzt das L-Mount-Bajonett als Objektivanschluss. Damit hat der Anwender bis 2020 Zugriff auf über 45 verfügbare oder geplante Wechselobjektive von Panasonic, Leica Camera und Sigma, darunter 11 LUMIX S/S PRO Optiken!

Die HDR-Videoaufzeichnung (High Dynamic Range) sorgt für eine verfeinerte Wiedergabe sowohl heller wie dunkler Bildpartien. Mit der VFR (Variable Frame Rate) können Filmer Zeitlupen-/Zeitraffer-Videos in C4K/4K (60 B/s, maximal 2,5x langsamer in 24p) und FHD (180 B/s, maximal 7,5x langsamer in 24p) aufnehmen. Die minimale Bildrate für Zeitraffer-Videos beträgt 2 B/s. Darüber hinaus ist HFR (High Frame Rate-Video) mit Ton und Verwendung des Autofokus aufnehmbar.

Praktisch und robust

Praktische Tools sind ein skalierbarer Waveform-Monitor zur Kontrolle des Videosignals sowie eine V-Log-Vorschaufunktion zur Darstellung unterschiedlicher LUT-Effekte auf dem Monitor. Beim Einsatz mehrerer Kameras helfen Kontrollleuchten für die Kamera-Aktivität sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite der Kamera.

Um auch härteren Einsatzbedingungen standzuhalten, besteht die Hauptstruktur des Kameragehäuses aus einem Magnesium-Druckgussrahmen für Ober-, Vorder- und Rückseite. Die robuste Konstruktion und Dichtungen für jede Verbindung, jedes Einstellrad und jede Taste schützen die S1H nicht nur vor Spritzwasser und Staub, sondern machen sie auch bis zu minus 10 Grad Celsius frostsicher.

Platz für zwei Speicherkarten

Die Verschlusseinheit ist auf ca. 400.000 Auslösezyklen ausgelegt. Die Kamera weist einen doppelten Speicherkartensteckplatz für SD-Karten auf, kompatibel mit der Hochgeschwindigkeits-, Hochleistungs-UHS-II- und Videogeschwindigkeitsklasse 90.

Wie schon bei der LUMIX S1R und S1 kann für die S1H eine Vielzahl von Zubehör verwendet werden u.a. Mikrofonadapter (DMW-XLR1), Fernauslöser (DMW-RS2), Okularmuschel (DMW-EC6), Akku-Griff (DMW-BGS1) und Akkulader (DMW-BTC14). Der Mikrofonadapter fasst zwei XLR-Mikrofone für hochwertige Stereoaufnahmen.

Drahtlos und flexibel

Die Kompatibilität mit Bluetooth 4.2 (genannt BLE: Bluetooth Low Energy) ermöglicht eine ständige Verbindung mit einem Smartphone/Tablet bei minimalem Stromverbrauch. Die Einstellungen einer S1H können kopiert und bei Verwendung mehrerer S1H Kameras drahtlos an andere S1H Kameras übertragen werden.

Außerdem ist Wi-Fi 5-GHz (IEEE802.11ac) zusätzlich zu 2,4-GHz (IEEE802.11b/g/n.) aktiv. Die Übertragungsgeschwindigkeit der Foto-/Videodaten wird durch die Nutzung des 5-GHz-Bandes ebenfalls erhöht. Die LUMIX Sync-Anwendung für iOS/Android-Geräte ermöglicht die Fotoübertragung auf Smartphones oder Tablets über eine einfache drahtlose Verbindung.

Hochauflösende Monitore

Die Anwendungssoftware LUMIX Tether ermöglicht eine vernetzte Aufnahme über USB. Der rückseitige 3,2-Zoll-Touchscreen-Monitor mit 2,33 Mio. Bildpunkten (Seitenverhältnis 3:2) verfügt über eine um ca. 50 Prozent höhere Leuchtdichte verglichen mit LUMIX S1R/S1, GH5 sowie GH5S. Durch die Verwendung einer neuen mechanischen Struktur ist er sowohl kipp- als auch drehbar.

Der Sucher zeichnet sich wie schon bei S1R/S1 durch eine hohe Auflösung von 5,76 Mio. Bildpunkten aus. Der Vergrößerungsfaktor von 0,78x kann auf 0,7x oder 0,74x umgeschaltet werden. Die Verwendung eines OLED Displays für den Sucher ermöglicht eine flüssige Anzeige mit Raten von 60 oder 120 B/s (umschaltbar) und eine schnelle Reaktion mit einer minimalen Zeitverzögerung von ca. 0,005 sec.

Ein „Hochleistungswerkzeug“

Das neue Status-LC-Display oben auf der S1H ist mit 1,8 Zoll Diagonale das Größte seiner Klasse. Durch die Verwendung von MIP (Memory In Pixel)-Technologie verbraucht es dennoch nur wenig Strom und eignet sich auch für den Dauerbetrieb – selbst bei ausgeschalteter Kamera.

„Bei der LUMIX S1H handelt es sich um ein fotografisches Hochleistungswerkzeug, mit dem man Fotos im 14-Bit-RAW-Format mit höchster Detailtreue aufnehmen und wiedergeben kann“. Das ist kein abgedroschener Slogan, sondern die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Sensor wird voll ausgenutzt

Die S1H nutzt die Vorteile ihres hochauflösenden Sensors nämlich voll aus und bietet einen Hochauflösungsmodus, der selbst kleinste Details im RAW-Format speichert. Acht Bilder werden automatisch unmittelbar nacheinander aufgenommen, während der bewegliche Sensor mit dem Body I.S.-Mechanismus verschoben wird.

Die Lumix S1H als professionelle Videokamera

Diese Einzelbilder werden vom neuesten Venus-Engine-Bildprozessor mit seiner Highspeed-Signalverarbeitung zu einem Foto mit 96 Megapixel (12.000 x 8000 Pixel) zusammengerechnet. Panasonics Hochgeschwindigkeits-AF mit DFD-Technologie ermöglicht mit einer Reaktionszeit von nur ca. 0,08 s Serien mit 6 B/s bei kontinuierlicher Motivverfolgung. Der Hochgeschwindigkeits-Modus schafft 9 B/s (AFS) bei voller Auflösung.

Sensor „kennt“ Mensch und Tier

Eine Gesichts-/Augenerkennung wurde mit fortschrittlicher KI-Technologie aufgerüstet. Personen, Hunde, Katzen und Vögel werden automatisch ins Visier genommen. Kontinuierliche Serienbildaufnahmen sind mit 6K PHOTO möglich. Aus einer Serie mit 30 Bildern kann später das favorisierte Bild im Seitenverhältnis 4:3 oder 3:2 als 18-Megapixel-Foto extrahiert und gespeichert werden. 4K PHOTO ermöglicht Hochgeschwindigkeitsaufnahmen mit 60 Bildern pro Sekunde mit einer Auflösung von ca. 8 Megapixeln.

Der HLG-Fotomodus dient mit einem größeren Dynamikbereich der Aufnahme sehr kontrastreicher Motive. HLG-Fotos werden als HSP-Dateien mit komprimierten High-Brightness-Signalen in voller Auflösung (5888 x 3312, in 16:9) zusätzlich zu den normalen JPEG/RAW-Dateien gespeichert. Alternativ kann auch ein Spitzlicht-betonter Messmodus das Licht mit der Priorität auf markierte Bereichen messen, um deren Auswaschen im Bild zu verhindern.

Kurze Verschlusszeiten

Die kürzeste Verschlusszeit der LUMIX S1H von 1/8000s erlaubt es, sehr schnell bewegte Motive „einzufrieren“ oder mit lichtstarken Objektiven bei vollständig geöffneter Blende auch im Freien mit gezielter Fokussierung und Unschärfe zu arbeiten. Der externe Blitz kann mit der branchenweit kürzesten Verschlusszeit von maximal 1/320 Sekunde synchronisiert werden.