Aus dem Religions-Unterricht in der Grundschule kennt mancher vielleicht noch den Ausdruck „er wurde berufen“. Meistens handelte es sich um später heilig gesprochene Märtyrer, die durch ein Schlüsselerlebnis zum wahren Glauben fanden. Mit Ultra HDTV hat das natürlich rein gar nichts zu tun. Aus meiner absolut subjektiven Sicht vielleicht höchstens ein bisschen. Oder eigentlich doch ganz schön viel.

Foto Udo MetterleinIch muss das jetzt erklären. Ich heiße Udo Metterlein, habe 57 Jahre auf dem krummen Buckel und war zeitlebens das, was man heute als „Nerd“ bezeichnet. Nur nicht in bezug auf  Computer (weil es die zu meiner Sturm- und Drang-Zeit in den 1970er Jahren noch nicht gab), sondern was Hifi und Video anbelangte. Als 16-jähriger Schüler ließ ich mich freiwillig vier Wochen lang in einer Kabelfabrik am Fließband knechten, um vom kargen Salär meine erste Stereo-Anlage zu kaufen. Eine Sanyo war´s, wundervoll (und vor allem laut) klang sie im Vergleich zum bieder quakenden Radio im Wohnzimmer meiner Eltern.

Alsbald aber doch eher unspektakulär, wenn man sie an wesentlich aufwändigeren Spitzenprodukten der Unterhaltungs-Elektronik maß. Längst hatte sich ein Virus in meinem Schädel eingenistet, das eine schlimme Form der Sucht generierte. Jede neue Ausgabe der Magazine „Audio“ oder „Stereoplay“ weckte neue Begierden. Viel mehr als zum Beispiel Autos oder Bauspar-Verträge interessierten mich Verstärker-Boliden mit beeindruckenden Watt-Zahlen, Schallplattenspieler, Tonabnehmer, Cassettendecks und Tuner. Von Boxen –  möglichst turmhohen Lautsprechern – ganz zu schweigen.

Als die ersten CD-Player in den Handel kamen, jubelten meine Kumpels von der Hifi-Selbsthilfegruppe und ich drei Tage lang. Machten Party mit Mädels, verpulverten enorm viel gespartes Geld für berauschende Getränke und allerhand beeindruckenden Zinnober und ärgerten uns hinterher maßlos, weil wir zwar Philips-Toplader zum horrenden Preis von 2000 Mark (heute gefühlte 4000 Euro) erwerben konnten, aber nicht mehr genügend Kohle für Software, sprich: CD´s hatten, die pro Stück umgerechnet ca. 70 Euro kosteten.

Die Syndikats-Bosse der Unterhaltungs-Industrie kannten keine Gnade. Lieferten aus heiterem Himmel sogenannte Video-Recorder an die großen Dealer und schufen ohne Schwierigkeiten neue Begehrlichkeiten bei kleinen Junkies wie uns. Bild UND Ton aufnehmen? Konservieren und abspielen wenn man Lust und Laune hat? Eine großartige Leistung der Menschheit! Platz zwei gleich hinter der Mondlandung. Nicht mehr zu toppen! Denkste!

Die DVD setzte neue Maßstäbe. Ein Sony-Trinitron Fernseher mit 84 Zentimetern Diagonale, befeuert von einem Panasonic DVD-Player, per Chinch-Kabel integriert in die Stereo-Anlage – das war in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre Heimkino pur. Und es hörte nicht auf. 16:9? HD-TV´s so flach, dass man sie wie ein Bild an die Wand hängen kann? 84 Zoll statt 84 Zentimeter? Vielleicht zu bestaunen in der nächsten Star Wars Episode, aber doch nie und nimmer daheim in der guten Stube, oder?

Die Macht war mit uns. Das Imperium blieb teuflisch und sandte die Blu-Ray. Danach Ultra-HD-Empfänger, die Luke Skywalkers Laserschwert dank OLED-Technik hell wie einen Stern leuchten ließen – und nun auch noch die Ultra-HD Blu-Ray. Paradiesische Zustände in der Konsumenten-Hölle. Ich entdeckte sogar die Schlange im Garten Eden! Sie versteckte sich gut im aufwändigen Equipment. Ihr Gift war nervtötend. Immer, wenn ich meinen Sony-Player einschaltete und dieser brav auf 4K „upscalte“, war die Freude auf einen entspannenden Feierabend-Film bald verflogen. Das Bild ruckelte. Sekundenlang blieb die Mattscheibe des 84-Zoll (!)LG schwarz. Tonaussetzer. Blutdruck-Anstieg. Schimpfkanonaden. Verzweiflung. Sinnkrise. Internet-Recherche: von was kommt sowas?

Irgendwo fand ich ganz versteckt und klein gedruckt den Hinweis, dass HDMI-Kabel nicht gleich HDMI-Kabel ist. Wusste ich natürlich längst und hatte selbstverständlich darauf geachtet, keine 08/15-Strippe zu verbauen, sondern ein sündhaft teures, mit den Attributen „High-Speed“ und „besonders gut abgeschirmt“ versehenes Kabel aus gutem Hause zu wählen. Amazon rettete mich indirekt aus bitterster Not. Dass die Lösung aller Probleme nur mit knapp 17 Euro zu Buche schlagen sollte, glaubte ich so lange nicht, bis ich die falsche Schlange zwischen den HDMI-Steckern entfernt und durch das absolut stylische blaue Ultra HDTV Meisterwerk ersetzt hatte.

Auf einmal lief alles wie am Schnürchen. Kein Ruckeln, kein Stottern, kein Blackout – selbst „Der Marsianer“ in der 3-D-Version glitt sanft über den Bildschirm. Der Blutdruck sank, die Verzweiflung wich, die Ausschüttung körpereigener Glückshormone stieg und steigt noch immer. Die Welt sollte teilhaben an meiner Freude. Im Schweiße meines Angesichts verfasste ich eine Bewertung, sandte sie zu Amazon und erntete höfliche Worte des Dankes von Steffen Wansor und Byron Jochims, den Chefs von Ultra HDTV, die mich alten, ausrangierten Redakteur spontan zur Mitarbeit an ihrem Newsletter einluden.

Was ich – wie ich nicht umhinkomme, geschmeichelt zu erwähnen – als sehr große Ehre und Freude empfinde. Nur noch zu steigern durch Dich, werter Leser, der sich hoffentlich bei der Lektüre meiner nun schlimmstenfalls öfters erscheinenden Beiträge nicht die Haare raufen, schimpfen und den Blutdruck senkende Medikamente einnehmen muss. Sollte dem dennoch einmal so sein, so nimm Dir kein Blatt vor den Mund, sondern geige mir ordentlich die Meinung. Ich verspreche, nicht beleidigt zu sein. Du fühlst dich wieder wohl und kannst dich um wichtigere Themen – zum Beispiel den Ausbau des Heimkinos – widmen. Aber immer an die fiese Schlange denken! Und an Ultra HDTV – denn wir haben das Gegengift!