Selbst wenn ich jetzt gleich wieder als der ewige Miesepeter schlechthin da stehe, wage ich die provokante Frage: Ist Jubel die gerechtfertigte Reaktion auf die Nachricht des Magazins „InfoDigital“, die zum Ausdruck bringt, dass deutschen TV-Zuschauern, die ihre Programme über Satellit empfangen, jetzt sechs Ultra-HD-Sender zur Verfügung stehen?

Warum ich dazu tendiere, negativ zu argumentieren, erkläre ich später – erst einmal die gute Nachricht. Der von vielen Unken zu Tode ge-unkten Botschaft, dass 4K-Fernsehen und 4K-Fernseher ein Nischenprodukt für Nerds und Technik-Freaks seien, kann von flexiblen und aufgeschlossenen Amphibien entgegen gequakt werden, dass es grundsätzlich Risiken in sich birgt, wenn man sich wider besseres Wissen aufbläst wie ein Ochsenfrosch.

Jeder dritte verkaufte TV UHD-fähig

Verlassen wir diesen trüben, dümpelnden Tümpel und nehmen zur Kenntnis, dass mittlerweile mehr als 2,5 Millionen UHD-TVs in deutschen Wohnzimmern und/oder Heimkinos stehen und dass im Oktober des nun ausklingenden Jahres jeder dritte verkaufte Flatscreen UHD-fähig war. Etwas anderes als „flache Fernseher“ kauft sowieso niemand mehr.

Mal angenommen, es gäbe keine Streaming-Anbieter wie Sky, Netflix oder Amazon und Medien wie die Blu-ray, meinetwegen auch die „gepimpte“, da „upgescalte“ DVD, wären wirklich so „tot“, wie uns das aus diversen Quellen immer wieder entgegen sprudelt? Was hätte der UHD-TV-Käufer dann vom hochauflösenden Medium der Zukunft, sofern er in Deutschland beheimatet ist?

„Jetzt sechs Sender!“ Haben Sie die frohe Botschaft schon wieder vergessen? Wieso wird auf öffentlichen Plätzen nicht getanzt? Weil man Quantität und Qualität nicht vermischen oder gar gegeneinander aufwiegen soll. 2014 ging anlässlich der IFA zunächst der UHD-Demokanal von Astra „on air“. Zum Behufe, die Entwicklung von Ultra HD voranzubringen und die Markteinführung zu beschleunigen.

Erst Tests, dann Shopping und Mode

Was wurde übertragen? „Mehrere UHD Tests“. Aber immerhin live. Ein Jahr später, so heißt es bei InfoDigital, „begeisterte“ just jener Kanal die Zuschauer schon rund um die Uhr. Mit Events und Dokumentationen. Möglicherweise langweilig, dafür aber ultrascharf. Tagsüber via Satellit komplett frei empfangbar, zur Prime-Time dann „exclusiv“ (und kostenpflichtig) für Nutzer von HD+.

Immer noch blieb frenetischer Beifall aus. Wenn InfoDigital die Ausstrahlung des „Beratungs- und Shoppingsender pearl.tv“ als eine Art Meilenstein auf dem Siegeszug des hochauflösenden Fernsehens feiert, bin ich so frei und melde Zweifel an. Zuerst ließ man abgehalfterte „Legenden“ auf die unschuldigen Zuschauer los.

Seit etwa zwei Jahren sind die drei Blondinen Katie Steiner („wunderschöner Blickfang mit Herz und Verstand“), Vivien Konca (Miss Germany 2014) sowie Jana Hartmann („nicht mehr wegzudenken aus den täglichen 5-Euro Shows“) sowie die Nobodys Ralf Janssen („ganz oder gar nicht“) und Carsten Ruland („In Dir muss brennen, was Du bei anderen entzünden willst“ – ein Zitat des Kirchenvaters und Heiligen Augustinus) am Start.

Extremsport und Adventure Reality Gameshows

„So scharf kann Teleshopping sein“ lautet der Slogan auf der Website. Die Überschriften der Themenblöcke wirken – nicht auf alle, aber doch auf einige – Altersgruppen nachgerade erotisierend. „Küche & Haushalt“, „Garten & Terrasse“, „Entspannung & Gesundheit“, „Leben & Wohnen“… Wenn einem so viel Gutes widerfährt, ist das dann einen 4K-TV wert?

Als erster weltweit verfügbarer UHD-Kanal startete der englischsprachige Sender „Fashion One“ beinahe gleichzeitig mit pearl.tv. Man darf von einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen ausgehen, oder sollte ich mich irren? Foto-Shootings, staksende, angeödet dreinblickende Top-Models, neueste Mode-Trends, Bademoden, Backstage-Access am Catwalk, Schönheits-Tipps.

Ab Oktober 2015 hielt INSIGHT TV mit Extremsport, Adventure Reality Gameshows und Science Entertainment dagegen. Die Qual der Wahl muss erdrückend gewesen sein. Bei nicht gebührender Beachtung von pearl.tv lief man Gefahr, Topp-Angebote sowie 5-Euro-Shows zu versäumen. Wer auf Fashion One verzichtete, konnte in sachen Haute Couture nicht mitreden – falls er der englischen Sprache nicht mächtig war, schon gleich gar nicht.

Tote Hose ohne Sky, Netflix und Amazon

Und auf das, was man auf dem Sektor Extremsport heutzutage alles versäumen kann, will ich gar nicht erst eingehen, da ich der festen Überzeugung bin, dass explizite Schilderungen diverser „Disziplinen“ Wasser auf die Mühlen vieler bedauernswerter, depressiver, suizid-gefährdeter Menschen wäre. Ich hoffe doch, dass die Mehrzahl der geschätzten Leser mir beipflichtet, wenn ich dreist und frech behaupte, dass erst die Sender des Pay-TV-Anbieters Sky, nämlich Sky SPORT UHD und Sky SPORT Bundesliga UHD für das gewisse „Rappeln im Karton“ sorgten.

Die allerdings kann man auch über Kabel empfangen, weshalb ich zu bilanzieren wage, dass die „sechs UHD-Sender über Satellit“ bis auf die beiden zahlungspflichtigen von Sky ein Schuss in den Ofen waren. Sky, Netflix und Amazon streamen ohne Satelliten-Unterstützung, was das Volk wirklich interessiert. Ihre kontinuierlich wachsenden Markt-Anteile sprechen Bände. Und da der Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland sehr träge voran schreitet (wir sind ganz weit hinter dem Favoriten Süd-Korea mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,7 Mbit/s auf Platz 29 zu finden) werden „Konserven“ wie die Blu-ray oder jetzt auch die Ultra-HD Blu-ray noch lange Zeit eine „sichere Bank“ sowie einer der Hauptgründe für den Kauf von 4K-fähigen Wiedergabegeräten bleiben. Ob das eine gute Nachricht ist, vermag ich nicht zu beurteilen.