Also ich weiß ja nicht, wie es der verehrten Leserschaft so ergeht – aber ich persönlich freue mich schon sehr auf die Zeit, in der die auf der CES in Las Vegas vorgestellte „Lawine“ von Ultra-HD Blu-ray Playern endlich anrollt und die Regale in den Lagern der Groß- und Einzelhändler erreicht. Sony, LG, Philips, Oppo, Panasonic – die Auswahl wird groß, das Preis-Spektrum differenziert sein.

Es wird Einsteiger-, Aufsteiger- und Überflieger-UHD-Player geben – für jeden Topf den richtigen Deckel. Immer öfter ertappe ich mich dabei, dass ich rein zufällig mal nachschaue, was sich denn in Sachen Software so tut. Welche Filme es also bereits gibt, welche Streifen noch folgen werden. Unweigerlich folgt dann der Moment, in dem ich am liebsten alles hinschmeißen möchte. In dem ich keine Lust mehr auf 4K-Blu-rays habe, weil es so gut wie keine gibt!

Hohle Blockbuster und Meisterwerke für Randgruppen

Wie soll unter solchen Voraussetzungen ein erfolgreicher Start eines neuen Mediums gelingen? Anders gefragt: wer fährt auf hohle Blockbuster oder einzigartige Natur-, Tier- und Landschaftsfilme ab?

Ich bin so frech und nenne ein paar Beispiele: X-Men Apocalypse, Teenage Mutant Ninja Turtles, The Expendables 3, Batman v Superman, Man of Steel für die Abteilung Popcorn, Wonders of the Arctic, Rocky Mountain Express, Wildes Venedig, Serengeti und Namibia – The Spirit of Wilderness für anspruchsvolle Unterhaltung auf höchstem Bild-Niveau.

Muss ich mich auch fürderhin mit wenigen Ausnahmen wie Independence Day, The Shallows, Die Bourne Identität, The Revenant oder Der Marsianer begnügen? Obwohl ich letztgenanntes Meisterwerk von Ridley Scott eigentlich schon in der 3D-Version besitze und wegen der spezifischen, wirklich umwerfenden Effekte auch nicht missen möchte?

Der letzte optische Datenträger?

„Turn On“, das Magazin von Saturn, vermeldete wenig Tröstliches: „Die Ultra HD Blu-ray hat gute Chancen, der letzte optische Datenträger zu werden, zumindest in Form einer Disc. Ein Grund dafür: Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Instant Video sind weiter auf dem Vormarsch. Immer mehr Menschen konsumieren Filme und Serien über das Internet.

Nach vielen Jahren des Aufschwungs musste die herkömmliche Blu-ray im Jahr 2014 erstmalig einen Rückgang im Absatz verkraften (…) Ob die Ultra HD Blu-ray wirklich den Durchbruch in den Massenmarkt schaffen wird, bleibt daher höchst fraglich. Für viele Beobachter kommt die neue Scheibe viel zu spät, andere Unternehmen bieten längst Filme und Serien in 4K per Streaming an. Die Blu-ray Disc Association hat hier viel Zeit verstreichen lassen – und muss jetzt folgen, statt selbst den Takt vorzugeben. Das ist im besten Fall ein Vorteil, kann sich aber zu einem großen Nachteil entpuppen“.

4K? Nicht 4K? Beinahe 4K?

O.K. – Dieser Artikel von Alexander Mundt ist jetzt gut ein Jahr alt; aber geändert hat sich eigentlich nichts, oder? Viel eher steht zu befürchten, dass eine Menge von dem, was uns als 4K-Ultra-HD-Blu-ray-Material angepriesen und zu exorbitant hohen Preisen verhökert werden wird, die hohen technischen Anforderungen des neuen Formats gar nicht erfüllt.

Dass, wie man in letzter Zeit oft lesen konnte, „der Verbraucher“ eher misstrauisch und vorsichtig sein soll, um nicht über den Löffel barbiert zu werden. Ganz ehrlich gesagt ist es mir lieber, wenn „Jahrhundertfilme“ wie „Krieg der Sterne“, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, liebevoll restauriert und auf 4K-Status gebracht werden.

Analoges Filmmaterial bietet viele Ressourcen

„Das Alter des Films gibt kaum Hinweise auf die Qualität“, schrieben Andreas Sebayang und Sebastian Grüner von Golem.de. Anwender, die denken, wenn der Film nur wenige Jahre alt ist, dann ist die Qualität garantiert auf 4K-Niveau, lägen häufig falsch. Eher gelte der umgekehrte Fall. Sei der Film ein paar Jahrzehnte alt, wurde er noch analog aufgenommen. Die Negative ließen sich dann putzen, restaurieren und in hoher Auflösung neu scannen, woraus ein Bild resultiere, wie es damals im Kino möglich war. „Vorausgesetzt, das Studio macht sich die Arbeit und das alte Material liegt noch vor. Es ist durchaus möglich, eine Laserdisc oder gar eine DVD als Grundlage zu verwenden“.

In diesem Sinne! Was bleibt mir anderes übrig? Ich werde pragmatisch vorgehen und einfach meinem Bauchgefühl vertrauen. Lieber nur einen Zacken mehr Kontrast, Detail-Auflösung und Farbe bei einem Meisterwerk wie Oliver Stone´s „Platoon“ als 4K-Perfektion bei der hirnlosen Ballerorgie „The Expendables 3“.