Die Euphorie für Ultra-HD als neues Standard-Format für Fernsehen, Blu-ray und Streaming-Anbieter wie Netflix, Maxdome, Sky oder Amazon ist derzeit entfesselt. Was selbstverständlich viel mit der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich zu tun hat. Wie ließe sich dem Verbraucher leichter suggerieren, dass es gerade jetzt, vor dem ersten Anpfiff, „höggschde Zeid“ (würde Yogi Löw sagen) ist, die alte Glotze zu entsorgen und gleich die Hürde über Full-HD zu 4k zu nehmen? Ein Blick in die Angebots-Kataloge großer Elektronik-Märkte genügt – schon ist die Versuchung groß. Vielleicht lässt sich die Familie davon überzeugen, dass Urlaub daheim und Planschen im Freibad durchaus mal schön sein kann, wenn der Papi statt in 14-Tage-All-Inclusive in modernste Technik investiert? Denn wir alle wissen, dass es mit ein paar hundert Euros nicht getan ist. Und mit Ultra-HD bzw. OLED oder gar QLED-Geräten allein im Prinzip auch nicht.

Klipsch setzt auf die bewährte Horn-Technik

Klipsch setzt auf die bewährte Horn-Technik

Hinter neuen Logos verbirgt sich enormer Aufwand

„Wer das Auge verwöhnt, darf das Ohr nicht vergessen“, lautet ein prima Sprichwort, das ich mir gerade zusammengereimt habe. Zur ultrahohen Auflösung gehört exzellenter Klang. Kommende Ultra-HD Blu-rays werden mit wachsender Selbstverständlichkeit neue Dolby- und DTS-Logos ausweisen. Das neue Virus, das sich zurzeit ebenso rasend schnell wie 4k ausbreitet, heißt „Dolby Atmos“ und passt sozusagen wie die Faust aufs Auge. Ganz kurz erklärt: zu den Haupt- und Surround-Lautsprechern kommen mindestens zwei speziell konstruierte Schallwandler, die nach oben, in Richtung Zimmerdecke abstrahlen. Als die ersten Dolby Atmos Produkte für den Heimkinobereich vor zwei Jahren offziell vorgestellt wurden, verkündete Kevin Miyagi von Onkyo Deutschland: „Die Einführung von Dolby Atmos ist die größte Umwälzung im Heimkinobereich seit der Vorstellung der ersten Surround-Klangformate in den 1980er Jahren. Das ursprünglich für [kommerzielle] Kinos entwickelte Format machte eine komplette Umrüstung der gesamten Produktionskette von der Aufzeichnung über die Abmischung im Studio bis hin zur Wiedergabe erforderlich. Nach über 100 Dolby-Atmos-Filmen, die bereits in Multiplexkinos weltweit gezeigt werden, können Sie den Zauber dieses revolutionären neuen Formats nun auch zum ersten Mal bequem zu Hause genießen.“

Mit Dolby Atmos kommt der Filmsound aus allen Richtungen, sogar von oben. Das Format verbindet ein kanalbezogenes Klangfundament mit objektbezogenen Geräuschen und bewegt oder positioniert damit einzelne Klangeffekte im Raum. Auf diese Weise entsteht eine atemberaubend realistische und fesselnde Klangatmosphäre. Bei der Produktion ist es möglich, Effekte frei und über Surround-Kanäle hinweg in einem dreidimensionalen Raum zu positionieren. Ein Team des renommierten Online-Händlers Hifi-Regler ,das einer exquisiten Demonstration für Fachhändler in Japan beiwohnen durfte, formulierte es so: „Stimmen von Menschen, Klänge und Geräusche von Musikinstrumenten und Objekten bewegten sich in einem multidimensionalen Raum direkt um uns herum und holten uns mitten ins Geschehen hinein. Leise Töne, ein Blatt, das vom Himmel segelt, Insekten im Urwald, ein Wasserfall, der über uns hereinstürzte und man sich unwillkürlich an den Kopf langte, um nachzuschauen ob man nass geworden ist“.

Investitionen müssen sein

Gut, günstig und universell einsetzbar: die Heco AM 200.

Na? Wirkt das süße Gift schon? Vielleicht habt ihr ja schon längst den Flatscreen mit einem AV-Receiver oder Verstärker vernetzt, der über fünf, sieben oder neun Kanäle plus Subwoofer Tonformate wie Dolby Digital, DTS, DTS-HD oder Dolby True-HD in die gute Stube zaubert und gähnt jetzt nur gelangweilt. Aber irgendwann, wenn ihr „es“ hört, werdet ihr euch anstecken. Und ihr werdet sinnieren, wie ihr „es“ kriegen könnt.

Die schlechte Nachricht zuerst: um neue Technik kommt man nicht herum. Nicht einmal die besten Receiver-Boliden aus Edelschmieden können nachgerüstet werden. Genauso wenig, wie man aus einem Full-HD einen Ultra-HD machen kann. Rentiert es sich? Wirtschaftlich? Nein. Ist es vernünftig, sich von relativ neuen Verstärkern zu trennen? Nein. Macht es Spaß? Jaaaa!

Und man kann sogar sparen! Also eher indirekt halt. Denn wer bereits ein Lautsprecher-Set sein Eigen nennt, muss dies nicht bei Ebay versteigern oder mildtätig verschenken, sondern kann es – jetzt kommt´s: Erweitern! Gepriesen seien gutherzige Hersteller, die den Mittelständler nicht vergessen oder in Zeiten bitterster Not einfach allein auf weiter Flur stehen lassen.

Heco macht als renommierte Deutsche Lautsprecher-Manufaktur ein Angebot, das man fast nicht ablehnen kann. Die „Heco AM 200“ ist ein besonders günstiges „Top Firing Modul“ (möchte mal wissen, wer solche Bezeichnungen ausbrütet). Man platziert die eher unauffälligen Zusatz-Boxen, die mit Zweiwege-Koaxial-Lautsprechern bestückt sind, auf den Front-Speakern, verkabelt sie mit den Atmos-Ausgängen und schon steht einem atemberaubendem Klangerlebnis nichts mehr im Wege. Was das kostet? 400 Euro. Geht doch. (Alle genannten Preise beziehen sich auf jeweils ein Paar Boxen).

Klipsch, der amerikanische Akustik-Pionier,  der für seine Hochton-Hornsysteme immer wieder höchste audiophile Weihen erfuhr, bietet für etwa 550 Euronen die „Klipsch RP-140SA“ an. Natürlich sind selbst diese edlen kleinen Teile mit „Hörnern“ im Miniformat ausgestattet und fürchten sich – dank Titanverstärkung in den Membranen – vor hohen Lautstärkepegeln und Peaks keinesfalls.

Die „ELAC TS 3030“ kommt in feinem Klavierlack daher und setzt mit ihrer Bauhöhe von circa elf Zentimetern ganz auf vornehme Zurückhaltung. Auch sie arbeitet nach dem Zweiwege-Prinzip in der Kombination Konus-Tieftöner plus Hochton-Kalotte und steckt den harten Punch starker Endstufen gelassen weg. Sie geht für knapp 700 Euro über den Ladentisch. Elac

Die Rundum-Wohlfühl-Pakete

Teufel hat die Atmos-Lautsprecher eingebaut

„Zum Teufel“, mag sich mancher Atmos-Infizierte denken, „wenn schon, denn schon“! Und liegt goldrichtig. Denn die Berliner Firma ist bekannt dafür, dass nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Eine ihrer Antworten auf das neue Klangformat ist das Set „Teufel LT5“. Bestehend aus vier schlanken Säulen aus gebürstetem Alu, in deren obere Enden zur Zimmerdecke hin abstrahlende Zusatzlautsprecher perfekt integriert sind. Optisch und akustisch fein abgestimmt auf den Center und den bulligen 30-Zentimeter-Subwoofer. Wat dit allet kostet? 3500. Man gönnt sich ja sonst nüscht, wa? Aber Vorsicht: die Säulen sind teil-aktiv. Das heißt, dass sie einerseits ganz normal verkabelt werden, andererseits aber auch jeweils eine Steckdose benötigen, um den oben aufgesetzten Lautsprecher zu befeuern. Teufel

Nubert Nuline 284 Atmos-Set

Viel Holz, viel „Atmos-Phäre“: Nuberts Nuline-Set

Aus dem tiefen Süden der Republik stammt die letzte der hier vorgestellten Versuchungen. Nubert ist – ebenso wie Teufel – für technisch ausgeklügelte Lösungen und beste handwerkliche Qualität bekannt. „Nubert Nuline Atmos“ darf nach Regisseur Roland Emmerich als weitere schwäbische Antwort auf Hollywood bezeichnet werden. Zu den bereits mehrfach in der Fachpresse gelobten, 130 Zentimeter hohen Frontlautsprechern gesellen sich ein aufwändiger Center, zwei Atmos- und zwei Surround-Speaker sowie ein Tieftöner, der jedes Einfamilienhaus in den Grundfesten erschüttern kann. Besonderheiten? Die „Deckenlautsprecher“ muss man nicht unbedingt auf die Frontboxen legen, man kann sie auch an die Wand hängen. Damit sie dennoch nach oben abstrahlen, genügt es, einen Umschalter zu betätigen. Die Surround-Bausteine werden aufgrund in der Rückwand platzierter Hochtöner mühelos in seitlich nach links und rechts wirkende Dipole verwandelt. Ebenfalls auf Knopfdruck. „Cleverle“ sind sie zweifelsohne, die Baden-Württemberger. Getreu ihrem Motto „Wir können alles, außer Hochdeutsch“. Hat der Kunde sich dafür entschieden, 4700 Euro auszugeben, so wird er von Nubert nicht im Stich gelassen, wenn er mal „ausbauen“ will. Einfach zwei zusätzliche Surrounder kaufen, oder noch zwei Atmos-Strahler für hinten links und rechts, oder gleich vier Hauptlautsprecher, oder…

Sowohl die Schwaben, als auch die Berliner setzen auf den Direktvertrieb ihrer Produkte. Der Kunde profitiert von günstigeren Preisen und muss keine Angst haben, die Katze im Sack zu kaufen. Teufel und Nubert räumen dem potentiellen Käufer wochenlange Fristen ein, in denen er die Lautsprecher oder andere Gerätschaften in den eigenen vier Wänden ausgiebig testen kann. Tipps von Experten und hilfreiche Ratschläge gibt es kostenlos.