Verzeihung an „Pearl“ im Voraus: aber bei solchen Hammer-Angeboten muss ich immer sofort an Kaffee-Fahrten denken. Der Online-Versand hat eine mit reichlich Vorschuss-Lorbeer überhäufte Soundbar im Angebot, die statt einst (wann eigentlich?) 699,90 Euro jetzt für 299,90 Euro angeboten wird. 400 Euro Ersparnis für die „auvisio 6-Kanal-3D-Soundbar mit 5.1-Unterstützung, Bluetooth 4,0, HDMI und 250 Watt Leistung“?

Der Kaffeefahrt-Eindruck hat sich erheblich verstärkt, als ich mir das Verkaufsvideo angesehen habe. Ein eloquent sich gebender Herr lobt das 110 Zentimeter breite Prachtstück in den Himmel und muss über so etwas Ähnliches wie Kiemenatmung verfügen, da er zwischen noch so langen Sätzen niemals Luft holen muss.

Streichelnde und zupfende Co-Moderatorin

Neben ihm auf einer Ledergarnitur sitzt eine betörende blonde Schönheit, die stets freundlich in die Kamera lächelt, an ihrem knappen Miniröckchen herumzupft und die auf dem Couchtisch platzierte Lautsprecherkiste dermaßen leidenschaftlich streichelt, dass man bei nachlassender Konzentration meinen könnte, aus Versehen einen „verbotenen Sender“ erwischt zu haben.

Kurze Besinnung – alles gut, wir sind immer noch bei „Pearl“. Und sollen darüber staunen, dass nicht weniger als 13 Lautsprecher und zwei Subwoofer in der – zugegeben – ansprechend designten Box sitzen und „Sound“ fabrizieren, „wie wir ihn aus dem Kino kennen“.

Ausgeklügelte 3D-Sound-Technik hat mit Dolby Atmos nichts gemein

Dann wird es gefährlich: „Ausgeklügelte Technologie für 3D-Sound“. Verwechseln Sie das auf keinen Fall mit immersiven Standards wie Dolby Atmos oder DTS:X! Wie könnte ein 5.1-System ohne weitere Kanäle für nach oben abstrahlende Schallwandler das auch hinkriegen? Der Text im Katalog lullt den Interessenten ein wie die Schlange Kaa den kleinen Mowgli im „Dschungelbuch“.

„Spezielle Komponenten zur Musikumwandlung geben Ihren Wiedergaben eine besondere Tiefe. Ohne langwierig mehrere einzelne Lautsprecher ausrichten zu müssen: Egal wo Sie im Raum sitzen, Sie haben überall den gleichen hervorragenden Klang!“

4K-Unterstützung mit HDMI 1.4?

Die „Große Anschluss-Vielfalt“ für TV, HD-Receiver, HiFi-Anlage und Co. ist bei genauerer Betrachtung mickrig. Es stehen in der Tat „gleich zwei HDMI-Anschlüsse“ zur Verfügung, aber die sind Version 1.4 und nicht 2.0, weshalb spätestens bei der Anmerkung „mit 4K-UHD-Unterstützung“ in puncto Glaubwürdigkeit der Hamster zu humpeln anfängt.

Analoge Cinch-Anschlüsse finden sich in großer Zahl, sogar zwei Subwoofer-Ausgänge und zwei Mikrofon-Eingänge für Karaoke-Gejaule kann, wer mag, bejubeln. „Per USB geben Sie Musik vom Speicherstick wieder“ heißt es. Dass ab 32 GB-Volumen nichts mehr von den unterstützten Formaten MP3, WMA und APE zu hören ist, wird an eher unauffälliger Stelle gedruckt. Auf die Aussagekraft der Hinweise „Ausgangsleistung 125 RMS“ und „Spitzenleistung 250 Watt“ mag ich gar nicht mehr eingehen. Jedenfalls kann man für 299,90 Euro auch ganz andere Soundbars kaufen. Mehr sog I ned.

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