Kinder wie die Zeit vergeht! Heute möchte ich mich vorauseilend dafür entschuldigen, dass eventuell schwer nachvollziehbares Gefasel den Inhalt dieses Beitrags trübt. Aber es ist halt auch nicht irgendein Beitrag, sondern mein Tausendster – und da kann ein alter Knabe schon mal ein bisschen aus der Spur geraten. Selbst solch unbedeutende Mini-Jubiläen, die eigentlich kein Schwein interessieren, regen zumindest ein Schwein – also den Jubilar selbst –, zum Nachdenken an.

Wie war das gleich nochmal, als ich bei den famosen Kabelfabrikanten Steffen Wansor und Byron Jochims einstieg? Man schrieb das Jahr des Herrn 2015 und das Fernsehen an sich hatte sich mal wieder grundlegend geändert. Nach der Revolution von Schwarz-Weiß auf Farbe neigte sich die Ära der Röhren-TVs ihrem Ende zu. LED- und LCD-Displays eroberten die guten Stuben, Full-HD etablierte sich nach kurzem HD-Ready-Geplänkel relativ schnell als Standard.

Von Zweiflern und Spinnern

Ultra-HD hielten die meisten Verbraucher seinerzeit für elitären Quatsch, denn nach dem Quantensprung von Röhre zu Full-HD konnte man sich eine weitere Steigerung der Bildqualität schlicht und einfach nicht vorstellen. Obwohl Geräte mit 55-Zoll-Bilddiagonale (138 Zentimeter) die bis dato üblichen 70-Zentimeter Röhren-Gucklöcher verdrängten, herrschte die Meinung vor, dass niemand „noch riesigere“ Mattscheiben brauchte.

Für „die paar Heimkino-Spinner“, die ihrem Hobby in finsteren Kellern frönten, gab es schließlich die Projektoren oder Beamer mit den roten, grünen und blauen Lampen. Was Musik anbelangte, war in erster Linie die Stereoanlage verantwortlich. Schön groß und aus „Bausteinen“ bestehend. Mit Verstärker, Tuner, CD-Player und manchmal noch Cassettendeck zum Überspielen der Silberlinge oder zum Kreieren von Mixed-Tapes.

Ein Fieber greift um sich

Wenige Surround-fähige AV-Receiver von Yamaha oder Onkyo zählten zu den Exoten im Angebot – die Fusion von HiFi, High-End und Raumklang steckte quasi noch in den Kinderschuhen. Hätte man mich seinerzeit gefragt, wie ich mir die Zukunft von Heimkino und Audio vorstelle, wäre ich bestimmt überzeugt gewesen, dass irgendwie zusammenwächst, was zusammengehört – aber dass man sowohl Filme als auch hunderttausende Musiktitel einmal ohne jeden Qualitätsverlust kinderleicht „streamen“ könnte, hätte ich für Hokus-Pokus gehalten.

Die famosen Kabelfabrikanten Steffen und Byron hatten mit 4K Ultra-HD zu hundert Prozent auf das richtige Pferd gesetzt und brachten unter anderem wunderbare HDMI-Kabel auf den Markt, die sämtlichen technischen Anforderungen der neuen Technik gewachsen waren. Ab dem Moment, in dem ich meinen Full-HD Plasma durch ein Ultra-HD-Modell ersetzt hatte, war ich vom Fieber nach stets höherer Auflösung gepackt.

8K und die Fundamentalisten

Blu-ray war viiieeel besser als DVD, der Unterschied zur UHD-Blu-ray fiel weitaus weniger auf. Beiden neuen Formaten war gemein, dass sie den Ton, der meist über einen angeschlossenen AV-Receiver geliefert wurde, gewaltig „pushten“. 8K? Sie meinen, das ist Firlefanz? Nur was für Snobs und Spinner? Machen Sie sich schon mal auf meinen 2000ten Beitrag gefasst!

Dennoch hob es mich, was alle futuristischen Trends, die ich bei Ultra-HDTV sozusagen aus nächster Nähe erleben durfte, aus dem Sattel, als urplötzlich eine Art Fundamentalismus um sich griff und die Lager der Audio- und Videophilen spaltete. Lange Zeit längst abgeschrieben und als anfälligster aller Tonträger bezeichnet, stieg die Vinyl-Platte wie Phönix aus der Asche auf. Gelegentliche Knackser, Rauschen und Rumpeln beim Abspielen der empfindlichen schwarzen Scheiben störte offensichtlich niemanden mehr.

Alte Hasen und junge Hüpfer

Wie weltweit die Presswerke für Platten, schossen auch die Hersteller von Plattenspielern wie Pilze aus dem Boden. Legendäre, renommierte Firmen wie Technics, Thorens, Transrotor, Dual oder Clearaudio legten ihr Portfolio neu auf, Newcomer mischten in der Szene mit und obgleich das Anhören einer Langspielplatte im Vergleich zum Abspielen einer MP3-Datei mit immensem Arbeitsaufwand verbunden ist, boomt der Markt bis heute prächtig.

Das ist so ein Punkt, an dem ich öfters sanft mit den famosen Kabelfabrikanten kollidiere, denn mit „hochauflösend“ oder „Ultra“ haben sowohl der Scheibendreher als auch der Tonarm oder Tonabnehmer rein technisch betrachtet wenig bis gar nix zu tun. Und doch kann man sie nicht totschweigen, wenn man den Anspruch erhebt, umfassend über möglichst viele Aspekte der Unterhaltungs-Elektronik zu informieren.

Comeback der Dinosaurier

Wussten Sie übrigens, dass auch das Cassettendeck und damit das Tonband wieder fröhliche Urständ´ feiern? Es soll eine ganze Menge junger Bands geben, die es als Selbstverständlichkeit erachten, neue Alben ausschließlich auf Cassette zu veröffentlichen. So ein Tape klinge „ehrlicher“ heißt es meist in der Begründung. Bandriss oder Bandsalat? Null Problemo. Kann man ja flicken…

Ein leichter Schlag traf mich schwer, als mir kundgetan wurde, dass sogar riesige Bandmaschinen mit tellergroßen Spulen bei High-Endern angesagt wie eh und je sind. Wer Glück hat und nach gründlicher Lektüre immer seltener werdender Anzeigen noch eine gebrauchte Revox, Uher oder Teac ergattert, scheue sich nicht vor saftigen Preisaufschlägen für notwendige Wartungen oder Reparaturen, denn neue Bandmaschinen sind bislang nur für über 10.000 Euro zu haben.

Harmonie in drei Welten

Und schon tut sich der nächste Abgrund vor dem Audiophilen auf: darf/kann/soll man analoge Technik mit digitalem Equipment „verheiraten“? Auch wenn es viele nicht glauben möchten – der CD-Player ist längst wieder „en Vogue“, wird sogar in der analogen Szene geduldet und ist deshalb zurück im Portfolio führender Hersteller. Allerdings nicht als 08/15-Version mit Play-, Stopp- und Pause-Taste, sondern als exquisites „Instrument“ mit aufwändiger Technik, das beispielsweise auch SACDs wiedergeben kann und locker mal die Grenze von 500 Euro überschreitet. Wie gesagt: wir sprechen von CD- und nicht von Blu-ray-Playern!

Während sich die Heimkino-Fans längst in 3D-Soundkulissen laben, die Vorzüge von Dolby Atmos oder DTS:X auskosten, fette Boxen-Setups und Subwoofer-Batterien installieren und Multiroom-Lösungen favorisieren, dulden wahre High Fidelity-Jüngerinnen und Jünger häufig nicht mehr als zwei Schallwandler in den heimischen vier Wänden. Stereo – nicht mehr und nicht weniger.

Die Röhre als Gütesiegel

Führende Hersteller der Branche haben den Braten längst gerochen. Sie bauen wieder nostalgisch, fast bieder anmutende Receiver oder Vollverstärker mit kiloschweren Trafos und ausgetüftelten Lüftern und vergessen selbstverständlich nicht, Phono-Eingänge für Moving-Magnet- oder Moving-Coil-Tonabnehmersysteme sowie Kopfhörer-Verstärker zu integrieren.

Zum König analoger Edel-Anlagen mausert sich der gute alte Röhrenverstärker! Die sanft glimmenden Glaskolben, die sein Design prägen, wirken mittlerweile wie Gütesiegel für allerhöchste Tonalität bei geringen Wattstärken. Während mein topaktueller 11-Kanal-Receiver mehr als 200 Watt an jede Endstufe schickt, begnügen sich adelige Röhren-Kollegen mit höchstens mal 20 Watt oder noch viel weniger. Wichtig ist nur, dass die Lautsprecher, die sie ansteuern, einen hohen Wirkungsgrad haben, womit sich automatisch wieder die Spreu vom Weizen trennt.

Es gibt keine Sieger!

Was ist besser? Ich glaube nicht, dass sich klare Sieger definieren lassen. Der digitale Freak ist genauso begeistert von seinem Hobby wie der analoge Nostalgiker. Gibt es den besten Lautsprecher, die optimale Kombination oder den unübertroffenen Fernseher? Ich weiß es nicht. Noch nicht einmal nach tausend Beiträgen habe ich den Weg zur Erkenntnis gefunden. Ich tappe im Dunklen, doch es ficht mich nicht an. Denn ich weiß, dass jeder nach seiner Facon glücklich werden kann.

Und – seien wir ehrlich – es gibt größere, weitaus wichtigere Probleme auf dieser Welt, das wissen wir alle. HiFi, High-End, Ultra-HD oder 8K sollen Anlass zur Freude bleiben und nicht Grund zum Streit werden. Leben und leben lassen, lautet die Devise. Meine Katze hat Mäuse zum Fressen gern – mich kann man damit jagen…