Knapp sechs Millionen Ultra HD-Fernseher wurden in Deutschland bislang verkauft. Entsprechende Inhalte dafür waren und sind bislang aber eher rar gesät, vor allem im linearen TV. Wie die Deutsche TV-Plattform mitteilt, kommt jetzt „Schwung in die UHD-Kiste“! Fast alle großen Sender seien dabei, den neuen Standard intensiv zu testen. RTL rüste das Sendezentrum in Köln für den Ultra HD-Betrieb, das ZDF halte den Start über Satellit und Kabel ab 2022 für realistisch.

Am Lerchenberg sehe man sich – was technologische Innovationen anbelange – generell in der ersten Reihe. „Beim Thema Ultra HD waren wir mit unserer Produktion „Mythos Wolfskind“ ganz früh mit dabei. Wir haben bereits mehrere Staffeln der Serien „Bergretter“ und „Bergdoktor“ in Ultra HD produzieren lassen,“ sagt Dr. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF.

„Keine Modeerscheinung wie 3D“

Bereczky ist vom ultrahoch auflösenden Standard überzeugt: „Im Gegensatz zur vorübergehenden Modeerscheinung 3D wird sich Ultra HD am Markt durchsetzen, da es für den Zuschauer deutliche Verbesserungen mit sich bringt.“

Diese liegen nach Auffassung der Mainzer weniger in der hohen Bildauflösung, als vielmehr in der erhöhten Bilddynamik „High Dynamic Range“ sowie in einem erweiterten Farbraum, in der Fachwelt als „Wider Color Gamut“ bezeichnet. Untechnisch gesprochen: HDR und das höhere Farbvolumen sorgen für mehr Kontrast mit weißerem Weiß und schwärzerem Schwarz, für mehr Farben in feineren Abstufungen – und damit unter dem Strich für ein realistischeres TV-Erlebnis.

Ein abwärtskompatibles System

Konsequenterweise lässt das ZDF die beiden „Berg-Serien“ in HDR produzieren. „Wir setzen dabei auf das HLG-System, das abwärtskompatibel ist. Auch Ultra HD-Fernseher ohne HDR geben so ein korrektes Bild wieder und es entfällt ein aufwendiges und kostenintensives Handling von Metadaten über den gesamten Produktionsprozess,“ betont Bereczky.

Aus diesem Grund setzen auch andere Sender auf HLG – zum Beispiel RTL. „Wir beschäftigen uns seit einiger Zeit intensiv mit der Produktion von Inhalten in Ultra-HD-Qualität. Mit verschiedenen Test-Produktionen wurden dabei die volle UHD-Auflösung und HDR als großer Mehrwert für Endkunden herausgearbeitet. In Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma UFA Fiction haben wir mit der neuen Serie ,Sankt Maik‘ erstmals eine fiktionale Produktion in Ultra-HD-Qualität in Kombination mit HDR realisiert“, erläutert Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung bei der Mediengruppe RTL.

Brillanz und Farbdynamik

Das Ergebnis könne sich sehen lassen. Die Produktion überzeuge durch eine einmalige Brillanz und Farbdynamik. Speziell HDR punkte hier in der kreativen Umsetzung. Bei der Ausstrahlung von „Sankt Maik“ setzt die Mediengruppe RTL auf die beiden HDR-Standards HDR10 (non-linear bei TV NOW) und HLG (linear).

Dabei soll es aber nicht bleiben, weitere Pilotprojekte seien bereits für 2018 geplant. Auch intern stellen die Kölner die Weichen auf die Produktion und Verarbeitung von ultrahochauflösenden Bildern. „In den nächsten zwei Jahren richten wir unser Sendezentrum auf den Ultra-HD-Betrieb ein. Unser Anspruch ist es, etwas zu bauen, das auch 2026 noch ganz vorne ist“, betont Thomas Harscheidt, Mitglied der Geschäftsleitung der Mediengruppe RTL Deutschland.

Das Zweite: Start ab 2022?

Aber wann geht es mit regelmäßigen Ultra HD-Sendungen los? Beim ZDF hält man das ab 2022 durchaus für realistisch. Derzeit erfolgt die Verbreitung von Ultra HD-Inhalten ausschließlich über die Mediathek.
Diesen Weg bietet auch RTL seinen Zuschauern über TV NOW. Parallel dazu wird „Sankt Maik“ in Ultra HD auch über Satellit ausgestrahlt. RTL kooperiert hier mit HD PLUS. Die zehn Episoden laufen auf UHD1, dem Ultra HD-Kanal des Plattformbetreibers in München-Unterföhring.

„Ultra HD gewinnt für uns zunehmend an Bedeutung – als Mehrwert für unsere Kunden und als Abgrenzung zu Wettbewerbern,“ sagt Georges Agnes, Geschäftsführer Operations und Produktentwicklung von HD PLUS. Auch aus seiner Sicht ist viel Bewegung in das Thema Ultra HD gekommen.

Der ideale Partner

„Praktisch alle Sendergruppen produzieren inzwischen UHD-Inhalte. Dank unseres Kanals UHD1 sind wir der ideale Partner für die Ausstrahlung“. Nach entsprechenden Kooperationen mit RTL, DMAX oder auch arte ist vor kurzem mit Travelxp 4 der weltweit erste Sender, der sein Programm in Ultra HD/HDR (HLG) ausstrahlt, bei HD+ gestartet.

Sportevents in Ultra HD sind bereits die Regel bei Sky Deutschland. Der Ultra HD-Pionier übertrug 2014 als erster Anbieter in Europa ein Live-Fußballspiel. Seit der Einführung des Sky+Pro Receivers 2016 können Sky Kunden regelmäßig live Topspiele der Fußball-Bundesliga und der UEFA Champions League exklusiv in Ultra HD verfolgen.

Positives Kunden-Feedback

Über Sky On Demand lassen sich aktuelle Kinoblockbuster in Ultra HD abrufen. „Das Feedback unserer Kunden ist sehr positiv. Auch deshalb geht die Entwicklung bei Sky unvermindert weiter. Mitte Februar 2018 haben wir etwa mit der EHF-Champions-League-Partie SG Flensburg Handewitt gegen KS Kielce zum ersten Mal ein Handball-Spiel im deutschen Fernsehen in Ultra-HD gezeigt,“ sagt Stefan Kunz, Vice President Broadcast Services Sky Deutschland.

Weitere hochkarätige Live-Sport-Angebote sollen im Lauf des Jahres folgen, auch der Ausbau des UHD-Angebots im Entertainment-Bereich steht bei Sky auf der Agenda. Darauf können sich mittlerweile auch Kunden mit Kabelanschluss freuen!

Kooperation mit der Telekom

Nach dem Start über Satellit ist das Ultra HD-Angebot von Sky jetzt praktisch deutschlandweit in allen Kabelnetzen und über EntertainTV bei der Deutschen Telekom verfügbar. Das spezifische Angebot des Bonner Konzerns umfasst neben Livesport von Sky den Sender „Insight TV“, aktuelle Blockbuster auf Abruf von Videoload sowie Inhalte von Netflix und Youtube.

Zudem wird pro Spieltag je ein Match der Deutschen Eishockey Liga und ein Spiel der Basketball Bundesliga ultrahochauflösend gezeigt. Wo verfügbar, werden Inhalte über die Media Receiver mit HDR ausgestrahlt.

„Eine logische Fortführung“

„Für die Deutsche Telekom war die Einführung unserer voll Ultra-HD-fähigen Entertain TV Plattform im Herbst 2017 eine logische und konsequente Fortführung unserer Strategie“, sagt Gert von Manteuffel, Vice President Product Management TV & Video bei der Deutschen Telekom AG.

Die brillante Bildqualität von UHD zahle voll auf die Strategie „bestes Kundenerlebnis und bester Service im besten Netz“ ein. „Das Produkt wird von unseren Kunden sehr gut angenommen. Wichtig war und ist uns dabei die nahtlose Symbiose aus linearen Inhalten und Abrufinhalten“.

 

[Quelle: TV-Plattform]