Drei Buchstaben sorgen für Verunsicherung bei Käufern von 4K-Fernsehern, führen zu hitzigen Diskussionen über Sinn und Unsinn eines technischen Novums und lassen leichte Skepsis am Fortschritt des hochauflösenden Fernsehens in seiner Gesamtheit erkennen: HDR.

Mehr Helligkeit, dennoch satte Schwarztöne - HDR ist das Mittel der Wahl.

Mehr Helligkeit, dennoch satte Schwarztöne – HDR ist das Mittel der Wahl.

Bejubelt und gepriesen von nahezu allen TV-Herstellern wird ein Detail dazu auserkoren, nicht weniger als „die Zukunft des Fernsehens“ zu sein. Was, zum Teufel, hat es mit HDR auf sich? Rudimentär informierte Kreise brabbeln meist von „mehr oder besserem Kontrast“ und haben damit nur indirekt recht.

Mehr Bits, mehr Licht, mehr Schwarz

Per Definition geht es um „mehr Bits“, präziser ausgedrückt um eine erhöhte Quantisierung derselben, um Helligkeitsschwellen bei deutlich mehr Maximallichtstärke zu eliminieren. Im gleichen Umfang ist es möglich, mehr „Tiefe“, sprich: bessere Schwarzwerte darzustellen – HDR ist das Mittel der Wahl, um sensationelle Brillanz auf LCD– oder Oled-Displays zu zaubern.

Eine zielführende Hauptrolle bei diesem Prozess spielt die Verwendung von deutlich mehr Graustufen zwischen Tiefschwarz und Ultra-Weiß. Diese müssen exakt festgelegt werden, damit das menschliche Auge keine Grauschleier und Schlieren in Farbübergängen wahrnimmt. HDR-Displays müssen mit zehn oder zwölf statt bisher mit 8 Bits auflösen können.

Kennzeichnungen und Metadaten, wie die neue Dynamik aufzubereiten ist, lassen sich in den Datenstrom HEVC (High Effiency Video Coding) integrieren und über HDMI 2.0 transportieren. Um die neue Bittiefe optimal auszunützen, muss ein LCD- oder OLED-Panel mindestens über 1000 candela Lichtstärke verfügen. Wer lediglich „normal“ fernsieht, wird HDR noch lange Zeit nicht wirklich vermissen. Denn dass öffentlich-rechtliche Anstalten oder private Sender schon bald passendes Material ausstrahlen, ist unwahrscheinlich.

Ultra-HD-Blu ray ist maßgeschneidert

Dolby Vision empfiehlt sich derweil als Kompromiss. HDR-Signale werden in diesem von den Dolby-Laborities in London entwickeltem Verfahren als Zusatzdaten zum herkömmlichen HDTV-Datenstrom addiert. Natürlich nur, wenn in den Fernseher ein entsprechender Dolby-Decoder eingebaut ist…

Die neue Ultra-HD-Blu-ray ist genau das richtige Medium für HDR, sozusagen eine maßgeschneiderte Lösung. Doch auch Streaming-Dienste wollen sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden. Bereits jetzt hat Amazon HDR-Filme für Samsung-TVs im Repertoire. Die Beschränkung auf eine Marke verrät, dass die neue Technologie noch nicht gänzlich standardisiert ist.