„Zuwachs bei vernetzten Geräten auf über vier Milliarden Euro! Über 20 Prozent des Umsatzes mit smarten Produkten“. Das klingt doch durchaus positiv und optimistisch. Während Hersteller jubeln und Kunden gern in Richtung „smarter Haushalt“ marschieren, gibt es aus gegebenem Anlass auch Bedenkenträger, die nicht nur „unken“, sondern mehr Verantwortung fordern. Aber der Reihe nach.

Der Anteil vernetzbarer Geräte im Markt der technischen Gebrauchsgüter (technical consumer goods) ist 2016 in Deutschland auf über vier Milliarden Euro um rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahreswert gestiegen. Das teilt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit. Angeführt wird die Liste der smarten Geräte dabei von den Consumer Electronics-Produkten. In diesem Segment ist die Vernetzung schon am weitesten fortgeschritten.

Über 60 Prozent „schlaue Fernseher“

So wird beispielsweise der überwiegende Umsatz mit Fernsehgeräten, Blu ray-Playern, Set-Top-Boxen, smarten Home-Audio-Systemen und Spielekonsolen erzielt, die mit smarten Funktionen und einem Internet-Anschluss ausgestattet sind. Bei TV-Geräten beträgt der Umsatzanteil der Smart TVs bereits über 60 Prozent. Nicht eingerechnet sind in dieser Betrachtung die Smartphones, die per se eine Internetverbindung aufweisen.

Zweitgrößter Bereich beim Umsatz mit vernetzbaren Geräten sind die Home Automation- und Security-Produkte. An dritter Stelle folgen Geräte zur Steuerung und zur Kommunikation (Gateways, Repeater, intelligente Steckdosen usw.), gefolgt von den Elektro-Groß- und Kleingeräten.

Einfach und unkompliziert

„Programminhalte unabhängig vom Sendablauf ansehen, Lieblingsfilme und Musikfavoriten jederzeit per Streaming genießen, beim Verlassen des Büros mit einem Fingerwisch auf dem Smartphone das Zuhause auf Komforttemperatur bringen, per App den Hinweis bekommen, dass gerade die Wohnungstür geöffnet wurde oder mit dem Tablet die Wohnzimmerbeleuchtung mit einem Klick von „hell“ auf „gemütlich“ umschalten – solche und viele andere Szenarien sind längst keine Utopie mehr.

Die smarten Geräte machen dies und noch viel mehr einfach und unkompliziert möglich. Dabei steigen die Anzahl und somit auch der Markterfolg der vernetzbaren Produkte stetig an, denn die Steuerung des Haushalts per App und Smartphone oder Tablet ist für immer mehr Menschen interessant“, konstatiert Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu Consumer & Home Electronics GmbH, Frankfurt.

Internet-Verbindung fast Selbstverständlichkeit

Dies untermauern auch Ergebnisse einer gfu Studie Mitte 2016: Die Verbindung zum Internet ist inzwischen für die große Mehrheit der Konsumenten zur Selbstverständlichkeit geworden. In drei von vier deutschen Haushalten steht ein Internet-Router, jeder zweite Haushalt verfügt über einen Tablet-PC und ein Smartphone besitzen 83 Prozent.

In 31 Prozent der deutschen Haushalte wird regelmäßig auf Inhalte zugegriffen, die keine klassische TV-Ausstrahlung sind, sondern per Internet-Verbindung auf den Bildschirm geliefert werden. Besonders häufig (58 Prozent) werden in Deutschland die Mediatheken der TV-Sender angewählt.

Hohe Nachfrage nach Lösungen für das smarte Haus

YouTube und andere Video-Clip-Anbieter stehen auf Platz zwei mit 56 Prozent und auf kostenpflichtige Video-On-Demand-Angebote greift inzwischen fast jeder zweite (48 Prozent) Smart TV-Nutzer zu. Auch Lösungen für das smarte Haus stehen hoch im Kurs.

In Deutschland wollen 29 Prozent der Konsumenten Alarmsensoren einsetzen, die beispielsweise über geöffnete Türen, Bewegungen oder Rauchentwicklung informieren. Vernetzte Kameras möchten 21 Prozent nutzen. Gefolgt von der Heizungssteuerung, Jalousien- sowie Garagentorsteuerung (je 20 Prozent) und Lichtsteuerung (19 Prozent). Informationen vom Kühlschrank über vorhandene Lebensmittel möchten 16 Prozent erhalten, 14 Prozent wollen ihre Waschmaschine per App steuern.

„Neue Beute für Hacker“

In diesen allgemeinen Kelch der Euphorie kippt ein sehr empfehlenswerter Artikel auf Zeit.de mehr als nur einen Tropfen Wermut. Autor Eike Kühl greift unter der Überschrift „Traue keinem Fernsehsignal“ das Thema „Smart-TVs in Wohnzimmern sind neue Beute für Hacker“ auf und beruft sich auf aktuelle Entdeckungen von Sicherheitsforschern sowie geleakte Dokumente der CIA, die „kreative Angriffsszenarien“ beschreiben.

Auch wir haben schon über die Schadsoftware „Weeping Angel“ berichtet, die in Samsung-Geräte installiert wurde und Besitzer mit Mikrofonen und eingebauter Kamera überwachte. Experten behaupten seit Jahren, dass Smart-TVs aufgrund ihrer großen Verbreitung eines der attraktivsten Ziele für Hacker sind, um in vernetzte Haushalte einzudringen. Fazit des Schweizer Experten Rafael Scheel im Gespräch mit golem.de: „Die Hersteller müssen ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken“. Der Plural deutet bereits an, dass bei weitem nicht nur Fernsehgeräte von Samsung Gefahr laufen, „infiziert“ zu werden.