Gehören Fernseher, die die neue Schnittstelle HDMI 2.1 nicht zur Verfügung stellen, bald zum „alten Eisen“? Ist der Verbraucher gefährdet, erneut in eine Format- und Materialschlacht führender Hersteller hineingezogen zu werden, bei der am Schluss er allein die Zeche zahlt?

Dass TVs, die über das neue „Super-HDMI“ verfügen, wahrscheinlich noch mindestens ein Jahr lang auf sich warten lassen, ist ein schwacher Trost, ein allzu kurzes Ultimatum. Verunsicherte Normalverbraucher und selbst Technik-Freaks, die sich auf eine Art Quantensprung freuten, werden wankelmütig und grübeln.

Guckt man bald in die Röhre?

Sie befürchten nach dem ganzen High-Kontrast-Geplänkel und dem Format-Krieg HDR vs. Dolby Vision einmal mehr, vom technischen Fortschritt überrollt zu werden und mit einem derzeit üblichen HDMI 2.0 Anschluss in naher Zukunft in die Röhre zu gucken, da es ihnen verwehrt bleiben wird, die enormen Vorteile von HDMI 2.1 auszukosten.

Als da wären:

  • Die höhere Bandbreite von bis zu 48 GBit/s ermöglicht extrem hohe Auflösungen und schnellere Bildwiederholfrequenzen
  • Möglich sind 4K (120 Hz), 8K (60 Hz) und sogar 10K (120 Hz)
  • HDMI 2.1 unterstützt zudem die dynamische Übertragung von High Dynamic Range (HDR), was für bessere Schwarz-Weiß-Kontraste im Bild sorgt
  • Die neue Technik gibt Unterschiede in der Helligkeit noch besser wieder als der alte Standard, der die Metadaten bislang nur statisch übermittelt
  • Zudem bietet Dynamic HDR im Vergleich zu Static HDR für jedes Bild (Frame) angepasste HDR-Informationen und unterstützt bis zu 16 Bit pro Farbkanal
  • Erneuert wurde auch der Audio Return Channel (ARC)
  • Mit HDMI 2.1 bekommt er den Zusatz Enhanced (eARC) und soll objektbasierte Audio-Formate automatisch erkennen sowie erweiterte Steuerungsmöglichkeiten für das Audiosignal bieten
  • Für Gamer besonders interessant dürfte der neue VRR-Mode sein: Dabei wird das Bildsignal im Kabel auf den verzögerungsfreien Betrieb optimiert
  • Durch variables Anpassen (Frame-Dropping) der Refresh-Raten soll vor allem das lästige Tearing und Stottern verhindert werden
  • Die neue Hochleistungs-Konsole Xbox One soll eines der ersten Geräte werden, die den Standard unterstützt.

HDMI 2.1 könnte tatsächlich Heimkino auf ein neues Niveau heben. Auch Gamer dürften sich über den neuen Standard freuen. Noch allerdings sind die neuen Kabel nicht erhältlich und es ist längst nicht sicher, ob sich HDMI 2.1 in der Praxis bewährt.

Die Erfahrung zeigt nämlich, dass nicht alle Ideen der Ingenieure im Alltag tatsächlich benötigt werden und sich das Zusammenspiel zwischen Abspielquelle und Endgerät im HDMI-Standard ständig entwickelt, doch gerade zu Beginn oft noch nicht völlig ausgereift ist.

Gerüstet für die Industrie

Erst Tests abseits von Laborbedingungen können beweisen, für wen HDMI 2.1 wirklich unabdingbar ist. Beruhigend bleibt die Erkenntnis: Mit HDMI 2.1 rüstet sich die Industrie für die immer weiter steigenden Ansprüche der Bürger an Bildqualität und Ton bis hin zu VR-Brillen.

Die für HDMI 2.1 geeigneten Kabel sollen unter der Bezeichnung 48G vertrieben werden und abwärts kompatibel zu den vorhergegangenen HDMI-Standards sein. Den von der Industrie definierten Spezifikationen zufolge sind sie für 8K, also 7680 x 4320 Bildpunkte geeignet und bei Datenkomprimierung sogar für 10K mit 10.328 x 7760 Pixeln. Zugleich wird die HDR-Unterstützung erweitert.

Dynamisch statt statisch

Anstelle des bisherigen Formats HDR-10 tritt mit HDMI 2.1 dynamisches HDR. Dahinter verbirgt sich das Feature, die Einstellungen für Hochkontrastbilder innerhalb einer Anwendung (Film, Video, Spiel usw.) bis auf jedes einzelne Bild zu definieren. Bisher galten mit HDR10 solche Einstellungen generell für die jeweilige Bildquelle.

Die Farbtiefe wird zudem auf bis zu 12 Bit erweitert und die Audio-Unterstützung ausgeweitet. Die Option, die Frame-Raten auf bis zu 120 HFR zu erhöhen, sollte besonders dem Bereich Virtual Reality (VR) zugute kommen.

Kritik an „Verwirrung“

In die gleiche Richtung zielt die nun unterstützte Variable Refresh Rate (VRR), die für ruckelfrei und dennoch außerordentlich scharfe Bilder sorgen soll. Kritiker bemängeln, dass sich die Industrie keinen Gefallen damit getan hat, HDMI 2.0 nach seiner Einführung 2013 in den Folgejahren um die Standards HDMI 2.0a und HDMI 2.0b zu erweitern und so für Verwirrung zu sorgen.

Allen drei Typen ist gemein, dass sie digitale Daten mit bis zu 14,4 Gbit pro Sekunde übertragen. Diese Geschwindigkeit ermöglicht die Darstellung von bis zu 3840 x 2160 Pixeln bei 60 Hertz Frequenz. Dies entspricht 4K, also hochauflösenden Bildern jenseits der HD-Qualität. Der Farbraum wird mit ITU-R BT.2020 beschrieben.

Datenübertragungsrate erhöht

Dennoch wurde am Standard stetig weiter gefriemelt. HDMI 2.0a brachte 2015 die Unterstützung von HDR (High Dynamic Range) mit sich. Das seit 2016 angebotene HDMI 2.0b brachte das Feature der dynamischen Synchronisation von mehr als nur einem Audio- und Video-Stream.

Auch wurde die maximale Datenübertragungsrate geringfügig erhöht auf 18Gbit pro Sekunde. Außerdem gehört seit kurzem der HDR Standard Hybrid Log Gamma fest zur Version 2.0b. HDMI 2.1 soll nun bis zu 48 Gbit/s übertragen können und damit neue Funktionen ermöglichen. Allerdings sind dafür auch neue Kabel notwendig.

Ein Hoffnungsschimmer

Dominik Jahn von 4Kfilme.de spendet Trost – verpackt in einer frohen Botschaft: Vorausgesetzt, die Hersteller spielen mit, könnten Features wie VRR, QMS oder eARC via Firmware-Update nachgereicht werden.

  • VRR sei eine Abkürzung für „Variable Refresh Rate“. Dabei handele es sich im Grunde genommen um eine FreeSync-Technologie für Fernseher. Die Bildwiederholungsrate des TVs werde dabei mit der des HDMI-Zuspielers (z.B. einer Spielekonsole) synchronisiert, was negative Bildeffekte wie Tearing (Zerreißen des Bildes), Ruckler und Schlieren verhindern soll.
  • QMS oder „Quick Media Switching“ erlaube es, zwischen verschiedenen Bildwiederholungsraten, Auflösungen und HDR-Modi ohne merkliche Verzögerung zu wechseln.
  • Zusätzlich soll noch eARC (enhanced Audio Return Channel) realisiert werden können. Sollte dem ARC-Kanal eine erhöhte Bandbreite zur Verfügung gestellt werden, könnten darüber auch verlustfreie und objektbasierte Audioformate (z.B. Dolby Atmos oder DTS:X) über eine HDMI-Verbindung übertragen werden.